Altes Gesundheitsamt muss Neubau für Stadtverwaltung weichen

Nur ein Grüner stimmt gegen den Abriss

+
Das alte Amtsgebäude des Staatlichen Gesundheitsamtes wird abgerissen. Die Stadt wird hier für sich eine neues Verwaltungsgebäude errichten.

Rosenheim - Das von der Stadt erworbene "Alte Gesundheitsamt" muss einem Neubau weichen. Zuvor wurde von den Grünen und der Wählerinitiative WIR eine Generalsanierung vorgeschlagen.

Die Stadt hat das Gebäude Rathausstraße 30, das "Alte Gesundheitsamt", gelegen zwischen Städtischer Galerie und Familiengericht, erworben. Hier sollen Teile der Stadtverwaltung untergebracht und dafür das Verwaltungsgebäude Königstraße 13 gegenüber dem Rathaus verkauft werden, wie der Stadtrat im November 2010 entschieden hatte. Vorgeschlagen wurde, das Amtsgebäude abzubrechen und durch ein neues Verwaltungsgebäude in Systembauweise zu ersetzen. Das lag jetzt als Beschlussvorlage dem Haupt- und Finanzausschuss vor, der den Grundsatzbeschluss gegen die Stimme des Grünen-Fraktionsvorsitzenden Franz Lukas befürwortete. Zuvor war über eine Generalsanierung des 1964 errichteten Altbaus abgestimmt worden, die aber nur zwei Befürworter fand: Lukas und Franz Weiland von der Wählerinitiative WIR.

Die Verwaltung hatte 2010 ein Planungsunternehmen beauftragt, das Gebäude auf seinen Gesamtzustand hin zu untersuchen und die Kosten für eine Minimalsanierung, eine Generalsanierung sowie eines Neubaus in konventioneller Bauweise und alternativ in Systembauweise zu schätzen.

Die Minimalsanierung sah notwendigste Reparaturen vor, um das Gebäude auf einen Mindeststandard ohne behindertengerechte Ausstattung zur vorübergehenden Nutzung für fünf bis sechs Jahre zu ertüchtigen. Die Kosten wurden auf rund 1,1 Millionen Euro geschätzt.

Eine Generalsanierung hätte das Gebäude technisch in den Zustand eines Neubaus gebracht. Dazu wäre es zunächst in den Rohbauzustand zurückversetzt und einschließlich des Kellergeschosses gemäß der aktuellen Vorschriften saniert worden. Bei dieser Variante wäre eine flexible Nutzung wegen der tragenden Zwischenwände eingeschränkt. Zudem gebe es erfahrungsgemäß ein Restrisiko hinsichtlich der Kosten, da nicht auszuschließen ist, ob vorher alle bestehenden Gebäudemänmgel erkannt werden konnten. Die Kosten wurden auf rund 2,8 Millionen Euro geschätzt.

Abbruch und Neubau in konventioneller Bauweise sahen vor, einen neuen Verwaltungsbau in den Abmessungen des jetzigen Gebäudes zu erstellen. Die Ausstattung hätte der "Generalsanierung" entsprochen, darüber hinaus wäre das Dachgeschoss als Vollgeschoss mit einem flach geneigten Dach ausgebaut worden. Damit seien die Varianten "Generalsanierung" und "Abbruch und konventioneller Neubau" vergleichbar. Die Grobkostenschätzung liegt bei 3,2 Millionen Euro.

Beim Systembau wird das Gebäude aus vorgefertigten Bauteilen zusammengesetzt und ist daher etwas schneller fertig. Ein Nachteil ist dabei, dass vor der Ausschreibung bereits alle Gewerke komplett durchgeplant und detailliert werden müssen, während sich das beim konventionellen Bau im Zuge des Baufortschritts entwickelt. Die Grobkostenschätzung liegt bei rund 2,8 Millionen Euro. Im Gegensatz zur Schätzung bei der konventionellen Bauweise ist hier ein Betrag in Höhe von 439000 Euro für "Unvorhergesehenes" enthalten. Im Vergleich empfahl die Verwaltung diese Variante.

Sanierungen im Bestand oft tückisch

"Der Abbruch ist gerechtfertigt", sagte Oberbürgermeisterin Gabriele Bauer, "zudem erweisen sich Sanierungen im Bestand oft als tükisch." Eleonore Dambach von der CSU sprach sich für den Neubau in Systembauweise aus, auch Robert Multrus von den Freien Wählern/UP hielt eine Sanierung für nicht zielführend und riet dazu, das Baurecht soweit wie möglich auszunutzen; SPD-Fraktionsvorsitzende Gabi Leicht schloss sich dem an.

Stadtrat Weiland ließ Sympathien für die Generalsanierung erkennen und machte auf den Baumbestand des Grundstücks aufmerksam. Stadtrat Lukas sprach sich eindeutig für die Generalsanierung aus: "Der Neubau ist durch Abbruch und Herstellung von Betonteilen ökologisch aufwändiger, die Generalsanierung arbeitsintensiver. Ihre Vorteile sollten eingehender untersucht werden." Dazu merkte er noch an, in der "Holzstadt Rosenheim" sollte bei einem Neubau dieser Baustoff anstatt Stahlbeton verwendet werden. Wie Baudezernent Helmut Cybulska dazu erläuterte, genügten beim bestehenden Gebäude die Raumaufteilungen und die Tragfähigkeit der Geschosssdecken nicht den Anforderungen.

Die Raumsituation für das Verwaltungspersonal der Stadtverwaltung sei inzwischen sehr beengt, hieß es. Das Verwaltungsgebäude Königstraße 15 sei stark renovierungsbedürftig. Durch den Verkauf der Königsstraße 13 wurden im Gegenzug die bisherigen Diensträume bis Oktober 2016 angemietet. Eine vorzeitige Kündigung ist möglich, was zu Mieteinsparungen führt. Spätestens zu diesem Zeitpunkt sind dann die Arbeitsplätze anderweitig unterzubringen. Zudem hat sich die Stadt im Kaufvertrag gegenüber dem Freistaat verpflichtet, das Grundstück bis spätestens April 2016 entsprechend dem Vertragszweck zu nutzen. Die sofortige Weiterführung der Planung und Ausschreibung der Baumaßnahme für das neue "Verwaltungsgebäude Rathausstraße 30" ist erforderlich, damit sichergestellt werden kann, dass das Gebäude bis 2016 fertiggestellt wird. Daher beinhaltete der Beschluss auch, dass für das Bauprojekt in der haushaltslosen Zeit für die Planungsleistungen 300000 Euro bereitgestellt werden.

hh/Oberbayerisches Volksblatt

Zurück zur Übersicht: Rosenheim Stadt

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser

MEHR AUS DEM RESSORT