Ablese-Betrüger: Stadtwerke verlieren Kunden

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So sieht ein echter Ausweis von Stadtwerke-Mitarbeitern aus. Doch auch die Ausweise sind vor den Betrügern wohl nicht sicher.

Rosenheim - Eine "selten dämliche Situation" für die Stadtwerke: Betrüger geben sich als Mitarbeiter aus und werben so Kunden ab. Die Stadtwerke wissen, wer dahintersteckt - und geben Tipps.

"Uns haben schon Kunden angerufen und gemeint, dass zweimal innerhalb kürzester Zeit ein Mitarbeiter von den Stadtwerken da war - so sind wir drauf gekommen", erzählt Torsten Huffert, Pressesprecher der Stadtwerke. Er verzweifelt über die Ablese-Betrüger, die momentan an Rosenheims Haustüren klingeln. "Drückerkolonnen" nennt Huffert sie - und warnte bereits in einer gestrigen Pressemitteilung vor ihnen: "Für uns ist das eine selten dämliche Situation".

Warum die Betrüger an die Zählernummer wollen:

Wie immer zum Jahresende sind momentan Mitarbeiter der Stadtwerke unterwegs, um den Strom abzulesen. Doch die Betrüger geben sich heuer nicht nur als Mitarbeiter aus, sie fälschen auch deren Ausweise. Warum sind die Betrüger so scharf auf die Zählernummer? "Diese Leute wollen an die Zählernummer des Stromzählers. Dann brauchen sie nur noch Name und Adresse, versprechen den Leuten 'im Himmel ist Jahrmarkt' - und locken unsere Kunden mit verbrecherischen Methoden zu anderen Anbietern", so Huffert im Gespräch mit rosenheim24.de. "Die lullen die Leute ein und picken sich vor allem Ältere oder Migranten raus, um schneller ins Geschäft zu kommen."

Das Problem für die Stadtwerke: Wechselt ein Verbraucher den Stromanbieter, läuft dies automatisch ab. Der bisherige Anbieter wird nur darüber informiert, nun einen Kunden weniger zu haben - "das müssen wir natürlich akzeptieren", so Huffert.

Die Stadtwerke wissen bereits, wer dahintersteckt

Es ist nicht das erste Mal, dass den Stadtwerken solche Betrüger das Leben schwer machen. Torsten Huffert hat bereits einen konkreten Verdacht: "Ich darf den Namen nicht nennen, aber die Betrüger werden von einem großen Stromkonzern geschickt. Anscheinend ist der Druck dort auf die Mitarbeiter so groß, dass sie mit solchen Methoden versuchen, Neukunden zu generieren."

Von rund 50 Fällen aus Rosenheim kann Huffert bereits berichten. Die Stadtwerke sind sensibel geworden: "Ausnahmsweise rufen wir momentan nochmal an, wenn wir erfahren, dass ein Kunde den Anbieter gewechselt hat." Bei der Polizei sind dagegen noch keine Beschwerden eingegangen.

Die Ableser nach der Zählernummer zu fragen, reicht nicht

Sich vor den Betrügern zu schützen ist nicht einfach. Es stimme natürlich, dass die Stadtwerke-Ableser die Zählernummer der Kunden wissen, so Huffert: "Aber wenn Ihnen der irgendeine Zahl an der Tür vorlügt ist er auch schon im Haus. Oder wissen Sie Ihre Zählernummer immer auswendig?" Falls einer der Betrüger nur nach der Nummer fragt, sollten bei den Rosenheimern also ohnehin schon die Alarmglocken schrillen. "Am sichersten ist es momentan einfach, eine Ablesekarte zu verlangen, den Zähler selber abzulesen und sich die Karte später wieder abholen zu lassen."

Bis spätestens Mitte Januar sind die 35 Stromzähler der Stadtwerke noch unterwegs - wegen den Betrügern stehen sie momentan unter Generalverdacht, berichtet Pressesprecher Huffert. Wer befürchtet, schon selbst Opfer geworden zu sein, kann sich unter der Telefonnummer 08031/365-2626 bei den Stadtwerken melden. Und fürs nächste Jahr haben die Stadtwerke bereits dazugelernt: "Dann bekommen unsere Mitarbeiter eine Uniform, dann sollte dem Kunden gleich klar sein, wer da vor der Türe steht."

xe

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