Neue Struktur für die Landwirtschaftsverwaltung

AELF Rosenheim: Wolfgang Hampel übergibt gut bestelltes Feld an Dr. Georg Kasberger

Wolfgang Hampel (links) ist seit 2010 Chef des Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) in Rosenheim. Anfang Juli übernimmt Dr. Georg Kasberger den Posten. Er leitet derzeit noch das AELF in Ebersberg.
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Wolfgang Hampel (links) ist seit 2010 Chef des Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) in Rosenheim. Anfang Juli übernimmt Dr. Georg Kasberger den Posten. Er leitet derzeit noch das AELF in Ebersberg.

Chefwechsel im Rosenheimer Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF): Wolfgang Hampel geht nach elf Jahren in den Ruhestand. Dr. Georg Kasberger übernimmt. Über Herausforderungen, Kulturwandel in der Landwirtschaft und zwei Männer auf einer Wellenlänge.

Rosenheim – Wolfgang Hampel und Dr. Georg Kasberger kennen sich schon lange. Elf Jahre, um genau zu sein. Damals, im Jahr 2010, wurde Hampel Leiter des Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) Rosenheim. Kasberger hingegen war schon seit 2005 dort, als Leiter des Bereichs Forsten und stellvertretender Behördenchef. Insgesamt haben die beiden sieben Jahre lang zusammengearbeitet.

Hampel sitzt in Jeans, Trachtenjanker mit Hornknöpfen und schwarzen Lederschuhen am Tisch in einem Raum der Landwirtschaftsschule. 65 Jahre alt, Lachfältchen um die Augen, energiegeladen. Fünf Meter von ihm entfernt steht Dr. Georg Kasberger (62) am Fenster. Der alte und der neue Leiter nebeneinander. Wobei, nicht ganz. Noch sitzt Hampel im Chefsessel in der Prinzregentenstraße 39, erster Stock, cremefarbenes Gebäude. Zum ersten Juni geht er in den Ruhestand, Kasberger übernimmt seinen Posten Anfang Juli.

Fusion mit Erdinger EInheit

Geplant war das nicht. Doch die bayerische Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber strukturiert ihre Verwaltung im ganzen Freistaat um. Kasberger leitet seit 2017 das AELF Ebersberg. Das wird mit dem in Erding fusioniert, der Riederinger nach Rosenheim versetzt. Zurück in den alten, vertrauten Wirkungskreis.

Dreieinhalb Jahre vor dem Ruhestand. Das habe er sich anders vorgestellt, sagt er. Aber jetzt freue er sich auf die neue Herausforderung. Eine, die er im Laufe seiner Karriere schon oft bewältigt habe. Während für ihn ein neues Kapitel beginnt, endet für Wolfgang Hampel das letzte in seinem Berufsleben.

„Das ist kein Honiglecken. Es ist eine Riesenaufgabe.“

Wolfgang Hampel, scheidender Leiter des AELF Rosenheim

Er klingt zufrieden, als er sagt: „Das war die richtige Stelle für mich.“ Aber dass das Aufhören in ein paar Monaten nicht ganz einfach für ihn sein wird, merkt man ihm an. Wenn man etwas „mit Herzblut“ mache, sei man „schon ein bisschen wehmütig“. Er räuspert sich. Vor allem werde er „seine Leute“ vermissen. Dass wegen der Pandemie keine große Übergabefeier möglich ist, weiß er. Aber ein kleine vielleicht. „Ein bisserl was muss schon sein.“

Doch bis es soweit ist, hat er noch viel vor. Die Umstrukturierung des Amtes will er intensiv begleiten, seine Erfahrung einbringen. Aber: „Das ist kein Honiglecken“, sagt Hampel. „Es ist eine Riesenaufgabe.“ Kasberger nickt bestätigend. Das macht er während des Gesprächs oft. Die beiden Männer sind auf einer Wellenlänge. Die große Herausforderung sei, die Spezialisten in den Ämtern allgemeiner aufzustellen, sagt Kasberger. So sieht es die Neuausrichtung vor. Sorgen, dass es im Rosenheimer Amt Chaos geben könnte, macht er sich nicht: „Das Feld ist bestellt.“

Klimawandel und Tierwohl werden immer wichtigere Themen

Und auch sonst gibt es laut Hampel noch viel zu tun. Themen wie Klimawandel oder Tierwohl würden immer wichtiger. Dazu tausche er sich seit einigen Jahren mit Tier- und Umweltschützern aus, gehe auf Podiumsdiskussionen. Er glaube, dass alle voneinander lernen könnten. Kasberger pflichtet ihm bei. Damit die Menschen ihre Arbeit verstünden, sei genau das wichtig: als Amt in der Öffentlichkeit präsent sein, transparent vorgehen. Eine Sache, die er weiter verfolgen will. Dass der „Kulturwandel“ in der Landwirtschaft nicht von heute auf morgen möglich sei, müsse man Außenstehenden glaubhaft vermitteln. „Die Ungeduld ist ungeheuer groß“, sagt Kasberger. Aber man müsse Landwirten Zeit geben. „Sonst verzweifeln sie.“

Ansehen von Landwirten in der Bevölkerung

Er spricht mit ruhiger Stimme, erhebt sie nur selten. Zum Beispiel dann, wenn es um das Ansehen von Landwirten in der Bevölkerung geht. „Dass wir alle genug zu essen haben und Lebensmittel auch noch exportieren können, ist nicht selbstverständlich“, betont er. Er weiß, wovon er spricht. Kasberger hat früher als Entwicklungshelfer im Senegal und in Äthiopien gearbeitet. Außerdem hat er Waldbauern in China beraten.

Er hat ihnen gezeigt, wie sie vernünftige Forststraßennetze bauen oder wie sie Holz nachhaltig nutzen. Aus seinem Engagement im Ausland habe er einiges für seine Arbeit und auch für sein Leben mitgenommen. Dankbarkeit für sein Heimatland beispielsweise. Dort, „wo Dinge da sind, die in anderen Ländern nicht so funktionieren“. Und auch eine gewisse Gelassenheit habe er sich angeeignet. Verglichen mit Problemen anderorts sei man hierzulande auf einem „sehr guten Niveau“, sagt Kasberger.

Schule auf einem sehr guten Niveau

Hampel stimmt ihm zu. Auf einem sehr guten Niveau sieht er auch die Rosenheimer Landwirtschaftsschule, die er ebenfalls seit elf Jahren leitet. Nach der Lehre besuchen ausgebildete Landwirte und Hauswirtschafterinnen die Schule und machen dort ihren Meister. Hampel ist überzeugt: „Wenn man etwas für die Landwirtschaft tun will, muss man die Leute gut ausbilden.“

2020 haben zudem 48 Landwirte und 23 Hauswirtschafterinnen ihre praktische Ausbildung im Landkreis abgeschlossen – so viele wie seit 20 Jahren nicht mehr. Eine Sache, auf die er stolz ist. Eine, die genauso so zu seiner Amtszeit gehört wie die negativen Erlebnisse. Probleme mit Eltern, Schüler, die tödlich verunglückt sind. Auch das nimmt er mit in den Ruhestand.

Was er vorhat? Auf jeden Fall nicht von „100 auf 0 runterfahren“, sagt er. Er werde sich daheim im Landkreis Miesbach um private Baustellen kümmern. 2022, wenn die Landwirtschaftsschule 100 Jahre alt wird, wolle er die Festschrift verfassen. Und Texte für Landwirtschaftsmagazine schreiben. Die Beine hochlegen wird er also sicherlich nicht.

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