Autofahrer und Radler: Aggression und Anerkennung

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Einen Abstand von 1,50 Meter sollten Autofahrer beim überholen eines Radlers einhalten. Dieses Auto kommt dem Fahrradfahrer zu nahe und schwenkt auch zu früh wieder ein.

Rosenheim - Die einen waren verunsichert, weil fotografiert wurde und fragten, ob sie angezeigt würden. Andere reagierten mit aggressiven Gesten.

Ein Autofahrer zumindest zeigte mit erhobenem Daumen aus dem Fenster seine Anerkennung: Mitglieder des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs (ADFC) machten in der Mangfallstraße deutlich, wie groß der Abstand beim überholen von Radfahrern sein müsste.

Radfahren in der Stadt ist sicherer, wenn die Radler die Straße mitbenutzen als auf separten Wegen. Dennoch bevorzugen sie abgetrennte Radwege, trotz erhöhter Unfallgefahr an Kreuzungen und Einmündungen. Auf die Frage nach dem Grund taucht eine Antwort immer wieder auf: Die Angst vor Autos, die Radlern beim überholen gefährlich nahe kommen.

Darauf machte der ADFC bei seiner Aktion aufmerksam: Kraftfahrer überholen Radfahrer tatsächlich sehr oft mit zu geringem seitlichen Sicherheitsabstand. Mit roten und gelben Fahnen an den Rädern demonstrierten ADFC-Mitglieder, wie viel Abstand ein Autofahrer zum Radelnden halten muss, wenn er diesen überholt. Hier scheint bei den Verkehrsteilnehmern eine große Wissenslücke zu bestehen, meint die Vorsitzende des ADFC-Kreisverbandes Rosenheim, Ellen Schmidt. Durch die Rechtsprechung werde sehr genau definiert, dass ein Sicherheitsabstand von 1,50 Meter zwingend notwendig ist. Bei schlechten Witterungs- und Fahrbahnverhältnissen sei noch mehr Abstand erforderlich.

Tatsächlich beträgt der Abstand zwischen Auto und Radfahrer oft nicht einmal einen Meter, wissen die ADFC-Mitglieder aus eigener Erfahrung, und dies bestätigte auch die Aktion. Hinzu komme, so Schmidt, dass Autolenker an Radelnden vorbeifahren als wären sie unbewegliche Gegenstände. So würden manche Autofahrer gleich vor dem Radfahrenden wieder einschwenken und diese ausbremsen.

Die Reaktion vieler Radler auf den mangelnden Abstand, den Autos beim überholen halten, verschlimmere die Problematik nur: Wer nicht gleich das Rad im Keller stehen lässt oder sich auf den Gehsteig flüchtet, fahre häufig möglichst nah am Fahrbahnrand. "Dies lädt Autofahrer geradezu ein, sich auch dort noch durchzuzwängen, wo objektiv kein Platz mehr zum überholen ist", warnt Schmidt. Radfahrer sollten laut ADFC daher unbedingt einen Sicherheitsabstand von 70 Zentimetern zum Bordstein halten. Dies sei die "Knautschzone" der Radfahrer. Wenn es mal eng wird, sei Platz, um nach rechts auszuweichen. Zu parkenden Autos müsse mindestens ein Meter Abstand gehalten werden. Bei einer Kollision mit einer sich plötzlich öffnenden Autotür könne es nicht nur zu gefährlichen Unfällen kommen. Dem Radler könne außerdem eine Mitschuld angerechnet werden, wenn er keinen ausreichenden Abstand eingehalten hat.

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