Für alle Notfälle bestens gerüstet

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Fünf Bildschirme hat der Disponent, der die Anrufe entgegennimmt und Einsätze koordiniert, vor sich.

Rosenheim - Reibungslos hat der Start der Integrierten Leitstelle (ILS) geklappt, die nun komplett für die Alarmierung von Rettungsdienst und Feuerwehr in der Region Rosenheim zuständig ist.

"Alles läuft bisher reibungslos", freuen sich Hans Meyrl, Sachgebietsleiter Brand- und Katastrophenschutz der Stadt Rosenheim und Roland Stein, Leiter der Integrierten Leitstelle Rosenheim. Rund um die Uhr sorgen ausgebildete Mitarbeiter dafür, dass im Notfall schnellstens die richtige Hilfe zur Stelle ist.

Die neue Leitstelle befindet sich auf dem Gelände der Hauptfeuerwache in der Küpferlingstraße. Die bisherige Feuerwehreinsatzzentrale, die unmittelbar daneben liegt, ist bereits aufgelöst. Sie wird künftig als Nachrichtenstelle für die Einsatzabläufe der Freiwilligen Feuerwehr Rosenheim genutzt. Die alte Rettungsleitstelle, die in der Kolbermoorer Straße beheimatet war, ist ebenfalls aufgelöst.

Der Umzug in das neue Gebäude, in dem sich neben der Leitstelle auch Verwaltung, Teeküche, Besprechungs- und Technikraum befinden, ist pünktlich erfolgt. Rund 1,9 Millionen Euro betragen die Kosten für den Bau, rund 2,73 Millionen Euro für die Leitstellentechnik.

Integrierte Leitstellen mit der einheitlichen Notrufnummer 112 sollen nach einer Grundsatzentscheidung aus dem Jahr 2001 flächendeckend in ganz Bayern realisiert werden. Bis alle Landkreise damit ausgestattet sind, vergeht aber wohl noch etliche Zeit.

Fachlich gut ausgebildetes Personal und modernste Technik sollen dabei nach dem Willen der Staatsregierung zum Einsatz kommen Für die 28 Mitarbeiter in der Rosenheimer ILS bedeutete das in den vergangenen Jahren einen enormen Organisations- und Schulungsaufwand. "Rund 1000 Schulungsstunden musste jeder unserer Mitarbeiter absolvieren, um seinen Dienst antreten zu können", erklärt Roland Stein. Feuerwehrleute haben zusätzliches Wissen im Bereich des Rettungsdienstes erwerben müssen, umgekehrt seien die ursprünglichen reinen Rettungsdienstmitarbeiter in das Wissen der Feuerwehrler eingeweiht worden. "Für unsere Disponenten ist es wichtig, dass sie auf allen Gebieten die praktische Seite kennen gelernt haben. So können sie sich mehr einfühlen, was bei Notfällen vor Ort wirklich gebraucht wird", so Stein.

Die Einsatzzentrale der ILS wirkt ein bisschen wie die Kommandozentrale eines Raumschiffs. Überall sind die Mitarbeiter von Technik umgeben. Ein Disponent arbeitet gleichzeitig an fünf Bildschirmen, unzählige Knöpfe sieht er vor sich. "Nur dieser Technik haben wir es aber letztendlich zu verdanken, dass sich diese neue Form der Alarmierung überhaupt durchführen lässt", meint Stein dazu.

Bis zu zwölf Stunden dauert eine Schicht. Für die Disponenten bedeutet das, abgesehen von kleinen Pausen, vollste Aufmerksamkeit. Bei einem Anruf müssen sie innerhalb weniger Augenblicke erkennen können, ob und wenn ja, um welche Art von Notfall es sich handelt, und wie dann schnellstmöglich Hilfe gewährleistet werden kann. "Auf unseren Mitarbeitern lastet eine enorm hohe Verantwortung", so Stein.

Was alles für Anrufe in Zukunft eingehen werden, kann der Leiter der Integrierten Leitstelle bis jetzt nur erahnen. Der Blick in Großstädte, in denen die neuen Leitstellen bereits eingerichtet sind, zeigt, dass 80 Prozent der Anrufe meistens nichts mit einem echten Notfall zu tun haben. Stein hofft aber auf die Einsicht der Bürger seines Einsatzgebietes, das die Stadt Rosenheim und die Landkreise Rosenheim und Miesbach mit zusammen rund 410 000 Einwohnern umfasst. "Sie sollen sich schon vor einem Anruf bei uns überlegen, ob es sich wirklich um einen Notfall handelt", meint Stein, betont aber gleichzeitig: "Bei jedem Mensch sieht ein Notfall auch anders aus. Wir werden bestimmt keinen Anrufer einfach so abwimmeln."

Ob es sich nun um einen Umfall im Berg, auf einem See, im Haus oder auf der Autobahn handelt - immer startet eine Rettungsaktion nun von der Integrierten Leistelle in Rosenheim aus, ebenso bei Bränden oder Unwetterkatastrophen. Für alles ist die ILS der erste Ansprechpartner. Sogar die Koordination von Krankentransporten erfolgt von dort.

Ein wichtiger Bestandteil ist und bleibt dabei die Technik. Die nötige Software ist landesweit einheitlich, um später eine Vernetzung der Leitstellen untereinander zu ermöglichen.

Auch für den Fall, dass es einmal Probleme mit der Computertechnik geben sollte, ist man in der ILS bestens gerüstet. An alle Eventualitäten, selbst Terroranschläge, hat man gedacht. "Die Bürger werden immer einen Notruf absetzen können", ist sich Stein sicher.

Im Fall von außergewöhnlichen Vorkommnissen, etwa einen schweren Sturm mit Hagel, wird die Anzahl der Mitarbeiter in der Zentrale sofort erhöht und eigene Bearbeitungsteams in einem abgetrennten Raum gebildet. So soll schnellstmögliche Hilfe immer gewährleistet sein.

wu/Oberbayerisches Volksblatt

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