Kennt Ihr diesen Mann? - Teil 6 unserer Serie

Artikelserie zu bekannten Rosenheimern: Wer war Johann Senft?

Johann Senft machte in Rosenheim eine beeindruckende Karriere.
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Johann Senft machte in Rosenheim eine beeindruckende Karriere.

Rosenheim - In unserer Serie „Kennt Ihr diese Frau?/Kennt Ihr diesen Mann? - Bekannte Rosenheimer Persönlichkeiten“ stellen wir in Zusammenarbeit mit dem Rosenheimer Stadtarchiv im wöchentlichen Turnus eine berühmte Rosenheimer Persönlichkeit vor.

Die Stadt Rosenheim blickt auf eine lange Geschichte zurück. Und in dieser Geschichte spielten gewisse Persönlichkeiten eine besondere Rolle. Damit diese nicht in Vergessenheit geraten und auch einfach weil viele Rosenheimer über diese Menschen, deren Namen immer noch häufig in der Stadt auftauchen, sie nicht mehr kennen, startet rosenheim24.de zusammen mit Christopher Kast, dem Leiter des Stadtarchiv Rosenheim eine Serie über „berühmte“ Rosenheimer Persönlichkeiten. Jede Woche wird eine Person genauer beleuchtet. Den Anfang machte Rosa Gillitzer, danach Ludwig Eid. In Teil drei ging es weiter mit Marie Globerger. Teil vier behandelte Max Reheis. Danach ging es um Kreszentia Senft.

Kennt ihr Johann Senft aus Rosenheim?

Nachdem in der letzten Woche bereits Kreszentia Senft vorgestellt wurde, soll nun das Leben ihres Ehemanns Johann Senft (*2. Januar 1855) beleuchtet werden.

Hochrad statt Knochenschüttler – Niederrad statt Hochrad! Als sich Johann Senft um 1890 in sportlichem Outfit – Gamaschen, Sportjacke und angesagter Mütze – fotografieren ließ, hatte das Hochrad schon fast ausgedient. 1892 kam mit der Etablierung des Luftreifens die Produktion von Hochrädern, die erst wenige Jahre zuvor die schlecht gefederten und spöttisch als „Boneshaker“ bezeichneten ersten Fahrräder abgelöst hatten, zum Ende. Als Statussymbol hatte das Hochrad zum Zeitpunkt des Fotos aber offensichtlich noch nicht ausgedient.

Johann Senft, der am 2. Januar 1855 in Zapfendorf bei Bamberg geboren wurde, machte in Rosenheim eine beeindruckende Karriere. Er war Teil der wirtschaftlichen Elite Bayerns und verfügte 1914 über ein beachtliches Millionenvermögen. In der langen Friedenszeit vor dem ersten Weltkrieg hatte er in Rosenheim, wo er am 17. September 1886 das Bürgerrecht erhielt, als kluger Geschäftsmann erfolgreich mehrere Kaufhäuser betrieben. Es verwundert nicht, dass sich einer seiner Läden im Gillitzerblock, einer der ersten Adressen Rosenheims, befand und er beispielsweise 1905 das vornehme Modehaus Cohn übernahm. Als erfolgreicher und tüchtiger Geschäftsmann wurde er deshalb zum Vorsitzenden des Bezirksgremiums der Handelsabteilung und zum Stadtrat in Rosenheim gewählt.

1908 wurde ihm außerdem von Prinzregent Luitpold der Titel eines Kommerzienrats verliehen. Diese zeichneten sich nicht nur durch ihre wirtschaftlichen Erfolge, sondern auch durch ihr Engagement für das Gemeinwohl aus. Johann Senft engagierte sich besonders für die Kriegswohlfahrtspflege, bedachte aber auch andere Einrichtungen mit hohen Geldspenden, wie beispielsweise 1908 das Rosenheimer Leprosenhaus, das 1000 Mark erhielt. Beispielhaft steht Johann Senft als Kommerzienrat für die Gruppe der bayerischen Kommerzienräte – eine bürgerliche Elite zwischen Wirtschaft, Staat und Philanthropie.

Übrigens: Das Ende der Hochräder machte den Weg frei für Frauen auf Fahrrädern. Da Hochräder in bodenlangen Kleidern kaum erklimmbar waren, setzte mit der Entwicklung des Niederrads auch die Produktion von Fahrradmodellen für Frauen ein – die Emanzipation nahm auch auf dem Fahrrad Fahrt auf!

Christopher Kast/jb

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