Kennt Ihr diese Frau? - Teil 5 unserer Serie

Artikelserie zu bekannten Rosenheimern: Wer war Kreszentia Senft?

Kreszentia Senft aus Rosenheim steht beispielhaft für die Fülle an Ehefrauen, deren Verdienste im Schatten ihrer Ehemänner heutzutage nur noch in wenigen Fällen rekonstruiert werden können.
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Kreszentia Senft aus Rosenheim steht beispielhaft für die Fülle an Ehefrauen, deren Verdienste im Schatten ihrer Ehemänner heutzutage nur noch in wenigen Fällen rekonstruiert werden können.

Rosenheim - In unserer Serie „Kennt Ihr diese Frau?/Kennt Ihr diesen Mann? - Bekannte Rosenheimer Persönlichkeiten“ stellen wir in Zusammenarbeit mit dem Rosenheimer Stadtarchiv im wöchentlichen Turnus eine berühmte Rosenheimer Persönlichkeit vor.

Die Stadt Rosenheim blickt auf eine lange Geschichte zurück. Und in dieser Geschichte spielten gewisse Persönlichkeiten eine besondere Rolle. Damit diese nicht in Vergessenheit geraten und auch einfach weil viele Rosenheimer über diese Menschen, deren Namen immer noch häufig in der Stadt auftauchen, sie nicht mehr kennen, startet rosenheim24.de zusammen mit Christopher Kast, dem Leiter des Stadtarchiv Rosenheim eine Serie über „berühmte“ Rosenheimer Persönlichkeiten. Jede Woche wird eine Person genauer beleuchtet. Den Anfang machte Rosa Gillitzer, danach Ludwig Eid. In Teil drei ging es weiter mit Marie Globerger. Teil vier behandelte Max Reheis. Heute geht es um Kreszentia Senft.

Kennt ihr Kreszentia Senft aus Rosenheim?

Hinter jedem erfolgreichen Mann, heißt es, steht eine starke Frau. Kreszentia Senft war ohne Zweifel eine dieser starken Frauen und ließ sich weder von familiären Schicksalsschlägen noch von einer schweren Krankheit erschüttern. Die „Kaufmanns- und Kommerzienratsgattin“ wird in den Quellen ausdrücklich als große Stütze ihres Ehemanns und als Garantin seines Erfolgs bezeichnet. Über die sogenannten „Damenkränzchen“ half sie ihm beispielsweise in den ersten Jahren in Rosenheim in der bürgerlichen Gesellschaft Fuß zu fassen.

Kreszentia wurde 1862 in Altenmarkt als Schreinerstochter geboren. Ihre Jugendjahre liegen bedauerlicher Weise komplett im Dunkeln. Ein Schlaglicht fällt erst auf ihre Heirat. Bereits mit 19 Jahren versprach sie am 11. Oktober 1881 dem aus dem oberfränkischen Zapfendorf stammenden Geschäftsmann Johann Senft die Ehe. Das Ehepaar etablierte sich rasch in Rosenheim, wie die baldigen Mitgliedschaften ihres Ehemanns im Verschönerungsverein, im Historischen Verein und in der Liedertafel nahelegen. Aufgrund des beständigen Aufenthalts in der Stadt ohne „Armenunterstützung“, wie es in den Quellen heißt, erhielt die Familie Senft fünf Jahre nach der Heirat schließlich das Rosenheimer Bürgerrecht.

Das finanzielle Fundament hierfür legte Johann Senft, der sich in der Stadt als geschickter Geschäftsmann einen Namen gemacht hatte. Bereits 1884 betrieb er in der Heilig-Geist-Straße 8 ein Kaufhaus für Kurz- und Galanteriewaren. Weißwäsche, Woll- und Spielwaren, Strumpf- und Reiseartikel gehörten dort ebenso zum Sortiment wie Filzhüte und Mützen, Regenschirme und Spazierstöcke. An passenden Accessoires dürfte es Kreszentia somit nicht gemangelt haben. Einige Jahre später erweiterte er sein Geschäft sogar in den neugebauten Gillitzerblock an der Ecke Münchener Straße/Prinzregentenstraße 8.

Kreszentia Senft war nicht nur Stütze und treusorgende Ehefrau ihres Mannes. Sie wurde zwischen 1882 und 1889 auch Mutter dreier Kinder: Kunigunde, Albert und Johann. Nur ein Jahr nach der Geburt ihres ersten Kinds erlitt die Familie einen schweren Schicksalsschlag: 1883 verstarb nur eine Viertelstunde nach der Geburt der Sohn Johann. Kreszentia selbst starb im Alter von 55 Jahren nach kurzem schweren Leiden, jedoch wohl vorbereitet durch den Empfang der heiligen Sterbesakramente am 2. April 1917. Kreszentia Senft steht beispielhaft für die Fülle an Ehefrauen, deren Verdienste im Schatten ihrer Ehemänner heutzutage nur noch in wenigen Fällen rekonstruiert werden können.

Christopher Kast/jb

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