Kennt Ihr diese Frau? - Teil 10 unserer Serie

Artikelserie zu bekannten Rosenheimern: Wer war Marie Faber?

Marie Faber aus Rosenheim war eine der ersten Skifahrerinnen der Alpenvereinssektion Rosenheim
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Marie Faber aus Rosenheim war eine der ersten Skifahrerinnen der Alpenvereinssektion Rosenheim

In unserer Serie „Kennt Ihr diese Frau?/Kennt Ihr diesen Mann? - Bekannte Rosenheimer Persönlichkeiten“ stellt ovb24.de in Zusammenarbeit mit dem Rosenheimer Stadtarchiv im wöchentlichen Turnus eine berühmte Rosenheimer Persönlichkeit vor.

Rosenheim - Die Stadt Rosenheim blickt auf eine lange Geschichte zurück. Und in dieser Geschichte spielten gewisse Persönlichkeiten eine besondere Rolle. Damit diese nicht in Vergessenheit geraten und auch einfach weil viele Rosenheimer diese Menschen, deren Namen immer noch häufig in der Stadt auftauchen, nicht mehr kennen, startet rosenheim24.de zusammen mit Christopher Kast, dem Leiter des Stadtarchiv Rosenheim eine Serie über „berühmte“ Rosenheimer Persönlichkeiten. Jede Woche wird eine Person genauer beleuchtet. Den Anfang machte Rosa Gillitzer, danach Ludwig Eid. In Teil Drei ging es weiter mit Marie Globerger. Teil Vier behandelte Max Reheis. Danach ging es um Kreszentia Senft und ihren Mann Johann Senft. Auf Teil Sieben mit Franziska Berr folgte Teil Acht mit Dr. Karl Lechleuthner. Vergangene Woche behandelten wir Wenzeslaus von Wysocki. Nun geht es weiter mit Marie Faber.

Kennt Ihr Marie Faber aus Rosenheim?

Eigentlich strebte Marie Faber aufwärts! Aber auch bergab war sie als eine der ersten Skifahrerinnen der Alpenvereinssektion Rosenheim eine Pionierin. Die gelernte Buchhalterin aus Brannenburg war eine Ausnahmeerscheinung. Mit Strickpullover, einer als undamenhaft geltenden Knickerbockerhose, Gamaschen und flottem Trachtenhut gekleidet, brach sie mit gesellschaftlichen Konventionen und wagte es, mit den Höchstleistungen von Männern zu konkurrieren. Das wird umso deutlicher, wenn man sich vor Augen führt, dass die erste Skispringerin, die aus der Schweizer stammende Gräfin Paula von Lamberg, bei ihrem ersten 22 Meter langen Sprung auf der Schanze in Kitzbühl 1911 noch ein langes Kleid trug, was ihr den Spitznamen „die fliegende Gräfin“ einbrachte.

Marie Faber war seit 1908 selbstständiges Mitglied des Deutschen Alpenvereins und unternahm allein im Jahr 1910 insgesamt 18 Skitouren in der heimischen Bergwelt, wie beispielsweise auf die Hochsalwand, die Rampoldplatte, das Feichteck oder den Karkopf. Außerdem fuhr sie Touren in der Schweiz und Österreich. Auch als Alpinistin stand sie den männlichen Mitgliedern des Alpenvereins in nichts nach. Wilder Kaiser, Predigtstuhl oder die Watzmann Ostwand – allesamt wurden die Gipfel von ihr bezwungen. Und sie beschränkte sich auch hier nicht auf die heimische Region. Sie bestieg in den Dolomiten die Geislerspitzen, die Sella und die Nordwand der Kleinen Zinne.

Wie aus dem Rosenheimer Anzeiger vom 13. Dezember 1907 hervorgeht, trat die „schneidige Kletterin“ auch als „Vortragskünstlerin“ in Erscheinung. Im „Hotel Deutscher Kaiser“ berichtete sie über ihre Tour auf den Predigtstuhl am 29. und 30. Juni 1907, die zehn Meter unter dem Gipfel aufgrund eines aufziehenden Gewitters ein jähes Ende fand. Zur Enttäuschung über das gescheiterte Erreichen des Gipfels kam zu allem Überfluss die Überfüllung der Gruttenhütte mit „Hochtouristen“. Alle Betten waren belegt, weshalb sie die Nacht auf sechs aneinander gereihten Stühlen verbringen musste. Überfüllte Hütten und blühender Bergtourismus? Wie wäre wohl ein Kommentar der „Vortragskünstlerin“ zum aktuellen Run auf die Berge ausgefallen?

jb/Christopher Kast

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