"Betrüger drohten mir mit Schwarz-weiß-TV"

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Helge Dethof: Dem Schreiben konnte ein gewisser Schein von Originalität nicht abgesprochen werden.

Rosenheim/Landkreis - Dass die GEZ oftmals über die Stränge schlägt bei der Eintreibung der Rundfunkgebühren, ist ein offenes Geheimnis. Dass sie neuerdings mit Fernsehen in "schwarz-weiß" droht, ist allerdings auf die Findigkeit eines Betrügers zurückzuführen.

Lesen Sie hier den Bericht aus dem Oberbayerischen Volksblatt:

Eins muss man einem Betrüger aus Cottbus lassen: Er hat Sinn für Humor. Denn beim Eintreiben von "GEZ-Gebühren" droht er den Empfängern in gefälschten Mahnbriefen mit dem Rückfall in die TV-Steinzeit: "Es könnte sein, dass Sie bald nur noch schwarz-weiß fernsehen".

Die täuschend echt aussehenden Schreiben landeten auch im Raum Rosenheim in zahlreichen Briefkästen.

Unter anderem rieben sich Helge Dethof und Landwirt Wolfgang Bauer beide aus Bad Feilnbach, verwundert die Augen, als sie den Brief aus Brandenburg lasen. "In Kürze werden wir den für Ihren Wohnsitz zuständigen Gerichtsvollzieher mit der zwangsweisen Eintreibung des gemahnten Betrages beauftragen", schrieb ihm - jedenfalls dem ersten Anschein nach - die Gebühreneinzugszentrale der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten (GEZ). Weiter heißt es: "Mit diesem Antrag werden wir die Empfehlung aussprechen, Ihr Farbfernsehgerät im Rahmen einer Austauschpfändung gegen ein Schwarzweiß-Gerät zu pfänden."

Die Bad Feilnbacher überwiesen den geforderten Betrag - jeweils 115,75 Euro - natürlich nicht. Schließlich haben sie ihre GEZ-Gebühren immer brav bezahlt.

Auch viele weitere Empfänger des Schreibens mit der Überschrift "Letzte Mahnung vor Inkasso" haben offenbar schnell herausgefunden, dass es sich um eine Fälschung handelt. Nach Angaben der Ermittler in Cottbus kann man die Fälle, in denen die "Mahnbeträge" tatsächlich bezahlt wurden, an zwei Händen abzählen.

Dabei hat sich der 20-jährige Cottbuser, auf dessen Konto die Fälschungen gehen, viel Mühe gemacht. Sogar die GEZ - sie wurde mit Anfragen und Beschwerden aus der gesamten Bundesrepublik überhäuft - räumte ein, dass sich die Briefe kaum von den echten Mahnungen der Kölner TV-Gebühreneintreiber unterscheiden. Barcode, Aktenzeichen und Teilnehmer-Nummer verleihen dem Papier einen offiziellen Anstrich, nur das GEZ-Logo fehlt.

Der Inhalt steht allerdings im Widerspruch zur professionellen Aufmachung - und so dürfte die kuriose Drohung mit Farbentzug durch "Austauschpfändung" auch leichtgläubige Menschen stutzig gemacht haben. Zu wirklichkeitsfremd ist die Idee, Schwarzseher in die Schwarzweiß-Röhre schauen zu lassen - auch wenn hartnäckigen Zahlungsverweigerern tatsächlich die Pfändung drohen kann.

Ende 2009 hatten die Verbraucherschützer ein Schreiben kritisiert, das tatsächlich von der GEZ verschickt worden war. Darin ging es um die Überprüfung persönlicher Bankdaten - laut GEZ im Zusammenhang mit der Einführung eines europaweit einheitlichen Lastschriftverfahrens. Viele Empfänger seien verunsichert und in Sorge gewesen, ob es womöglich Trittbrettfahrer auf ihre persönlichen Daten abgesehen hatten. Im Gegensatz zum aktuellen Fall handelte es sich dabei aber um "echte" Post von der GEZ.

Die Rosenheimer müssen übrigens damit rechnen, dass demnächst GEZ-Prüfer an der Wohnungstür klingeln. Jedenfalls hat der Bayerische Rundfunk die Stadt Rosenheim um Übermittlung von Daten gebeten, mit denen man sich auf die Suche nach Schwarzsehern oder -hörern machen will.

Bei der Zahlungsmoral in Sachen Rundfunkgebühren gibt es nach Angaben der GEZ ein Nord-Süd-Gefälle. "Schlusslicht ist Berlin, die Bayern sind sehr pflichtbewusst", so Sprecherin Nicole Hurst.

Im Zuge ihrer Ermittlungen kam die Cottbuser Polizei schnell auf die Spur eines 20-jährigen Mannes. Sie ist überzeugt davon, dass er den bundesweiten Wirbel um die gefälschten Mahnungen zu verantworten hat. Der mutmaßliche Täter ist arbeitslos, hat hohe Schulden und hat trotz seines geringen Alters schon ein Straftatenregister mit über 70 Einträgen - in der Regel Betrugsdelikte. Die Verbraucherzentralen rufen alle Empfänger des Schreibens auf, sich bei der Polizei zu melden.

Ludwig Simeth/Oberbayerisches Volksblatt

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