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Bettler im Rosenheimer Stadtbild: Sind organisierte Banden dabei?

Rosenheim - Bettler gehören in Rosenheim an gewissen Stellen zum Stadtbild. Handelt es sich um Mitglieder organisierter Banden? rosenheim24.de hat nachgefragt. 

Bettler prägen das Stadtbild in Teilen Rosenheims mit. Sind sie ein sichtbares Zeichen der Schieflage in unserer Gesellschaft, der immer größer werdenden Kluft zwischen arm und reich, oder stehen organisierte Strukturen hinter der Bettelei in Rosenheim? Und gibt es mehr Bettler in Rosenheim als noch vor wenigen Jahren? Viele Bürger treiben diese Fragen um, und vor allem auch die Frage, ob man nun Geld geben soll oder nicht. 

Betteln: Was erlaubt ist - und was nicht

Grundsätzlich, so Polizeihauptkommissar Robert Maurer von der Polizeiinspektion Rosenheim, müsse bei der Bettelei in Rosenheim unterschieden werden zwischen jenen Bettlern, die in der Fußgängerzone säßen und jenen, die von Haus zu Haus gingen. Erlaubt sei beides nicht, wie Maurer ausführt. So handle es sich beim sitzenden Betteln um eine unerlaubte Sondernutzung nach bayerischem Straßen- und Wegegesetz. Sitze die Person allerdings im Vorbereich eines Geschäfts, sei es Sache des Eigentümers, ob er eine solche Nutzung dulde. Das Betteln von Haus zu Haus sei ebenso untersagt - dies sei klar durch das Sammlungsrecht geregelt, und das Sammeln sei Hilfsorganisationen - wie etwa dem Bayerischen Roten Kreuz - vorbehalten.

Mehr Bettler in Rosenheim? Das sagt die Polizei

Dass es generell zu einer Zunahme der Bettelei in Rosenheim gekommen sei, kann Maurer pauschal nicht bestätigen. Im Allgemeinen gelte, dass die Anzahl der Bettler abhängig von der Jahreszeit sei. Vor allem in der Vorweihnachtszeit käme es zu merklichen Zunahmen. Diesen Umstand erklärt Maurer zum einen damit, dass in der Vorweihnachtszeit mehr Fußgänger unterwegs sind, und deswegen naturgemäß mehr gespendet werde. Zum anderen Sei die Hilfsbereitschaft vor Weihnachten größer, was auch bei Bettlern bekannt sei. 

Beschwerden darüber, dass Bettler aggressiv vorgingen, seien eher die Ausnahme. Noch bis vor wenigen Jahren sei dies durchaus ein Problem gewesen, da Bettler aktiv auf Menschen zugingen und dabei teilweise auch aufdringlich wurden. Sollte man sich durch aufdringliches Verhalten belästigt fühlen, könne jederzeit die Polizei kontaktiert werden. Auch die Caritas meint in ihren „Tipps für den Umgang mit bettelnden Menschen“: „Ich muss mich nicht beschimpfen oder anpöbeln lassen. Fühle ich mich belästigt durch einen bettelnden Menschen, darf ich meine Ablehnung zeigen.“

Bettelei in Rosenheim von Banden organisiert?

Die Frage, ob hinter den Bettlern in Rosenheim organisierte Banden stünden, lässt sich nicht so ohne weiteres beantworten. Die Caritas betont, dass es in Deutschland keine polizeilichen Belege für eine „Bettelmafia“ gebe. „Menschen aus Südosteuropa betteln, weil sie keine Arbeit in ihrer Heimat finden. Sie sind auf das Betteln als Einkommen für ihre Familien angewiesen“, so die Caritas. Auch Maurer spricht in Hinblick auf die Existenz von Banden von „Spekulationen“ - ein letztgültiger Beweis dafür habe sich bislang nicht erbringen lassen. Allerdings wendet er ein, dass es mehrere Hinweise gebe, dass in Rosenheim organisierte Bettelei stattfinde. So stammten viele der Bettler aus einem gewissen Ort in der Slowakei. Zudem würden viele Bettler bei diesbezüglichen Fragen der Polizei „komplett mauern“ - erfahrungsgemäß ein starker Hinweis, dass es etwas zu verbergen gebe. 

Unterschiedlich sind auch die Meinungen, ob Bettlern Geld gegeben werden sollte. Die Caritas bejaht dies. Und: „Wenn ich kein Geld geben möchte, kann ich stattdessen den bettelnden Menschen fragen, was er brauchen könnte.“ Maurer äußert sich in dieser Frage deutlich zurückhaltender. Aus der Sicht der Polizei sei es besser, kein Geld zu geben, und auch allgemein gingen die Empfehlungen eher in diese Richtung. „Natürlich handelt es sich um eine freie Willensentscheidung jedes Einzelnen“, so Maurer. Aber man solle sich fragen, wo das Geld ankomme - ob das Geld wirklich bei der Person bleibe, der man das Geld gebe.

-dp-

Rubriklistenbild: © Arne Dedert/dpa

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