Mit nur einem Punkt Vorsprung

Mit „Bodyguard“ zum Sieg: Iliria gewinnt den Rosenheimer Stadtentscheid des Vorlesewettbewerbs

Kinder sitzen vor einer Kiste Bücher und lesen einander vor. Der Rosenheimer Stadtentscheid des bundesweiten Vorlesewettbewerbs findet heuer aufgrund der Corona-Pandemie nur online statt.
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Kinder sitzen vor einer Kiste Bücher und lesen einander vor. Der Rosenheimer Stadtentscheid des bundesweiten Vorlesewettbewerbs findet heuer aufgrund der Corona-Pandemie nur online statt.

Der Stadtentscheid des bundesweiten Vorlesewettbewerbs findet heuer nur online statt. Eine Siegerin gibt es trotzdem.

Rosenheim – Iliria (12) blickt in die Kamera, lächelt und hält dann ein Buch hoch. „Bodyguard“ prangt in großen, silbernen Buchstaben auf der Vorderseite. Der Roman ist vom englischen Schriftsteller Chris Bradford. Iliria hat es sich ausgesucht, um damit den Stadtentscheid des Vorlesewettbewerbs zu gewinnen.

Leibwächter-Azubi mit Präsidententochter

Wenn die Pandemie nicht wäre, würde sie vor Eltern, Lehrern und ihren Mitstreitern in der Stadtbibliothek Rosenheim Platz nehmen und lesen. Stattdessen musste sie ein Video aufnehmen . In der dreiminütigen Aufnahme sitzt sie zuhause, hinter ihr weiße Vorhänge mit Blumenmuster, vor ihr eine Kamera. In der Szene, aus der sie vorliest, besucht ein Leibwächter-Azubi mit der Tochter des US-amerikanischen Präsidenten einen Ball. Dort entdeckt er Waffen. „Pistole!“, ruft Iliria.

Insgesamt ist ihr Video drei Minuten lang. Sie hat es – wie alle Teilnehmerinnen – an den Börsenverein des Deutschen Buchhandels geschickt. Dieser organisiert den bundesweiten Vorlesewettbewerb seit 1959 zusammen mit mit Buchhandlungen, Bibliotheken und Schulen.

In der Rosenheimer Stadtbibliothek wird seit über 25 Jahren der beste Vorleser der Stadt gekürt. Dort entscheidet sich, wer Rosenheim beim Wettbewerb auf Bezirksebene vertritt. Die Jury hat dieses Jahr Bettina Sölch von der Stadtbibliothek zusammengestellt. Mit dabei: Vorjahressiegerin Hannah Ripka, Buchhändler Sebastian Brons, Lehrerin Carolin Boos, OVB-Volontärin Alexandra Schöne und Bettina Sölch selbst.

Mädchen haben vorher Schullesewettbewerb gewonnen

Sie bewerten insgesamt fünf Mädchen, die vorher jeweils ihren schulinternen Lesewettbewerb gewonnen haben und nun im Stadtentscheid antreten. Da gibt es Katja von der Johann-Rieder-Realschule, Johanna vom Sebastian-Finsterwalder-Gymnasium, Hélène von der Freien Waldorfschule, Inaya von der Hauptschule in Fürstätt. Und eben Iliria, die das Ignaz-Günther-Gymnasium besucht.

Die Jury trifft sich per Videokonferenz, sehen sich die Aufnahmen der Teilnehmerinnen an. Bewertet werden die Lesetechnik, also unter anderem Tempo und Betonung, die Interpretation des Textes und die Auswahl der Passage. Wenn der Wettbewerb in der Stadtbibliothek stattfindet, dauert er meist den ganzen Vormittag. Online ist in 50 Minuten alles gesagt und besprochen. „Die Stimmung ist vor Ort mit Eltern und Lehrern schöner“, sagt Bettina Sölch. „Da sieht man auch, wie aufgeregt die Kinder sind.“

Auf den Videos wirken fast alle recht sicher. Das findet sie auch. Es sei immer erstaunlich, wie „souverän die jungen Leute auftreten“. Iliria und Katja hätten beim Lesen besonders toll betont und sich gute Textstellen ausgesucht. Da ist sich die Jury einig, lobt die beiden Mädchen.

Den Spaß in den Mittelpunkt rücken

Am Ende gewinnt Iliria mit einem Punkt Vorsprung vor Katja. Die Siegerin kommt also auch in diesem Jahr wieder vom Ignaz-Günther-Gymnasium.

Bettina Sölch ist aber auch stolz auf alle anderen Teilnehmerinnen. Und froh, dass der Stadtentscheid trotz Corona stattfinden konnte. Kinder im Lesen zu fördern und ihren Spaß daran zu bestärken, ist für sie unheimlich wichtig. Eben auch, um während der Pandemie ein bisschen Normalität zu schaffen. Sie hofft, dass 2021 alle Teilnehmer in die Stadtbibliothek kommen können. Wenn wieder die beste Vorleserin oder der beste Vorleser der gesamten Stadt gesucht wird.

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