Emotionale Diskussion um die Bogensiedlung

Wohnhäuser sollen für Laborhallen abgerissen werden

Rosenheim - Entlang der Hochschul- und Westerndorfer Straße ("Bogensiedlung") plant die Hochschule die Errichtung von Werks- und Laborhallen. Hiermit will die FH ihre Forschungen ausweiten und die Studentenenzahl erhöhen.

217 Wohneinheiten und 65 Bäume müssen für diese großen Pläne jedoch Platz machen. 

Dafür soll es einen Flächentausch zwischen der GRWS und der IMBY (Immobilien Freistaat Bayern) geben: Für die Bogensiedlung, die sich nördlich der Hochschule befindet, soll die GRWS die südlichen Teilbereiche des Sondergebiets Hochschule bekommen. Heißt konkret: Nördlich der Lena-Christ-Straße, wo es bislang 60 Wohneinheiten gibt, sollen 140 weitere Wohneinheiten entstehen. Aus Sicht der Hochschule hätte dieser Platz für eine Erweiterung nicht ausgereicht. Macht unter dem Strich jedoch einen Verlust von 77 Wohneinheiten!

Emotionale Debatte im Stadtentwicklungs- und Bauausschuss

"Das ist ein einmaliger Vorgang für mich in meiner Zeit als Stadtrat", so Josef Gasteiger (CSU). Da gebe es eine 23.000 Quadratmeter große Fläche, auf die nun Labor- und Werkshallen gebaut werden, obwohl die Stadt so dringend Wohnraum brauche. Er sei sehr neugierig auf die Diskussionen im Landtag und im Aufsichtsrat der GRWS über dieses Projekt.  

"Selten hat mir Herr Gasteiger so aus der Seele gesprochen", blies SPD-Stadträtin Gabriele Leicht ins gleiche Horn. Sie wolle sich nicht vorwerfen lassen, dass sie gegen eine Erweiterung der Hochschule sei. Jedoch sei für die Hochschule "nur ein quadratischer Campus das einzig Wahre". Auch entlang der Marienberger Straße wären Erweiterungsbauten möglich gewesen. Zu dem geplanten Parkdeck mit 280 Stellplätzen äußerte sich Leicht ebenfalls kritisch: "Ich möchte gar nicht wissen, wie die Ausfahrt zur Westerndorfer Straße da um 17 Uhr geregelt werden soll."

Auch Grünen-Stadtrat Peter Weigl brachte sein Unverständnis über dieses Projekt zum Ausdruck: "Die Hochschule zeigt ein starres Denken!" Die Pläne seien städtebaulich bedenklich, außerdem würden sie das studentische Leben in der Stadt nicht fördern, von dem man trotz der hohen Studentenzahl im Vergleich zu anderen Hochschulstädten kaum etwas mitbekomme.

Leidenschaftliches Plädoyer von OB Bauer

Anders sah das CSU-Fraktionschef Herbert Borrmann: "Wohnraum muss nicht in einem Block bestehen, aber andersherum kann man eine Hochschule nicht auf die ganze Stadt verteilen." Auch Dr. Beate Burkl (Freie Wähler) plädierte für das Projekt. Die Hochschule bewege sich auf 7000 Studenten zu, da sei ein "Campus der kurzen Wege" vorteilhaft, so Bugl.

Oberbürgermeisterin Gabriele Bauer selbst ergriff auch das Wort zu einem leidenschaftlichen Plädoyer für die Erweiterung. "Die Hochschule ist eines unserer Leuchtturmprojekte", so die OB. "Jede Stadt in Bayern reißt sich darum, überhaupt eine Hochschule ansiedeln zu können." Die Entwicklung der FH müsse man daher maximieren, so gut es gehe.

Die Bogensiedlung abzureißen, halte sie für sinnvoll: "Wir haben hier den schlechtesten Wohnraum, den es in Rosenheim gibt." Man werde innovativ sein müssen und Wohnraum an anderer Stelle wieder aufbauen. Zu den Ersatzflächen an der Lena-Christ-Straße würden weitere dazukommen - oder eben ein finanzieller Ausgleich. 

Dezernent Herbert Hoch erinnerte daran, dass der Ausschuss nur darüber abzustimmen habe, ob die beantragte Nutzung der Bogensiedlung für Hochschulzwecke bauplanungsrechtlich zulässig und genehmigungsfähig sei, wie es das Staatliche Bauamt Rosenheim beantragt hat. Dem konnte eine Mehrheit aus CSU und FW zustimmen. 

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