Neue Studie vorgestellt - Bahn reagiert

Sechste Variante für den Brenner-Nordzulauf im Gespräch

Brenner-Nordzulauf: Neue Variante der Bestandsstrecke von Vieregg-Rössler in Rosenheim vorgestellt
+
v.l.: Peter Margraf, Martin Vieregg, Sepp Reisinger, Jürgen Benitz-Wildenburg

Rosenheim - Für die geplante Zulaufstrecke zum Brenner-Basistunnel gibt es nun eine weitere Variante, die die Bestandsstrecke mit einbezieht. Der neue Vorschlag kommt von den Bürgerinitiativen. Durch diese neue Strecke soll laut Bürgerinitiativen weniger Fläche verbraucht werden.

Die Gemeinden Stephanskirchen, Riedering, Neubeuern, Rohrdorf und die Bürgerinitiativen haben das Planungsbüro Vieregg-Rössler damit beauftragt, eine Studie zur Ertüchtigung der Bestandsstrecken anzufertigen. Diese sechste Variante des Brenner-Nordzulaufs behandelt den Ausbau der Bestandsstrecke durch die Stadt Rosenheim mit Ausbau des Bahnhofes. Die Studie zeige eindeutig, dass ein bestandsorientierter Ausbau der Bahnstrecke Grafing-Rosenheim-Kufstein als Brennernordzulauf vollkommen ausreiche, sagen Bürgerinitiativen und Planer. 

Weniger Flächenverbrauch

Bei der am Dienstag vorgestellten Variante sind zwar auch Neubaustrecken notwendig, wie etwa im Rosenheimer Westen und bei Großkarolinenfeld, aber insgesamt werde hier weniger Fläche verbraucht als bei den bisherigen Planungen der Deutschen Bahn, so Planer Martin Vieregg.

Knackpunkt Rosenheim

Themenseiten: 

- Brenner-Nordzulauf 

- Brenner-Basistunnel 

Facebook-Seite: 

- Brenner-Nordzulauf

Facebook-Gruppe: 

- Brenner-Nordzulauf

Der Ausbau des Bahnhofes Rosenheim sei sicher schwierig, aber machbar. Der Vorschlag des Planungsbüros habe aber einen gewaltigen Vorteil im Gegensatz zu dem der Bahn: Er mache den Deutschlandtakt in Rosenheim möglich - das heißt, Nah- und Fernverkehr ließen sich landesweit aufeinander abstimmen, mit guten Umsteigemöglichkeiten und ohne lange Wartezeiten. "Die Bahn plant am Deutschlandtakt vorbei", sagte Vieregg. Demnach laufe Rosenheim Risiko, vom Fernverkehr abgehängt zu werden. „Die Varianten durch Rosenheim wurden vorschnell aussortiert.“ Mit der Trassenentscheidung des ICE-gerechten Ausbaus über Mühldorf werde Rosenheim vom hochrangigen Ost-West-Verkehr abgehängt. „Nun droht die Abhängung auch im Nord-Süd-Verkehr.“ Auch der von Berlin forcierte Ost-Korridor für den Güterverkehr werde von Deutscher Bahn und ÖBB nicht berücksichtigt.

Sepp Reisinger, stellvertretender Vorsitzender des Brennerdialog Rosenheimer Land e.V. fasste für die Bürgerinitiativen zusammen: "Die Durchfahrung Rosenheim muss als sechste Variante in das geplante Raumordnungsverfahren aufgenommen werden. Dieser qualifizierte Vorschlag liegt nun auf dem Tisch und muss Beachtung finden."

Die Studie von Vieregg-Rössler zum Download finden Sie hier.

Das sagt die Bahn zu der neuen Studie

Die Deutsche Bahn äußerte sich zu den Planungen von Vieregg-Rössler folgendermaßen:

„Wir kennen diese Pläne nicht, lesen aber (Ergänzung der Redaktion: in den Medien), dass erneut ein großer Umbau des Bahnhofs Rosenheim die Voraussetzung sein soll. Diese Ideen hatten wir schon im vergangenen Jahr als abwegig zurückgewiesen“, so Matthias Neumaier, DB-Gesamtprojektleiter.

Die DB habe die damaligen Pläne zum Ausbau der bestehenden Strecke 2019 intensiv fachlich geprüft und unter anderem festgestellt, dass der Bahnknoten Rosenheim mit 750 Zugbewegungen täglich über lange Zeit einer Großbaustelle gleichen würde. Neumaier: „Viele Zugfahrten müssten dabei monate-, vielleicht jahrelang entfallen. Viele Pendler würden über Jahre hinweg enorm beeinträchtigt.“ Gleichzeitig würden sich sogar Verschlechterungen für den regionalen Güterverkehr ergeben.

Außerdem weise die Bahn Unterstellungen zurück, wonach Rosenheim vom Fernverkehr abgehängt würde. „Wir haben immer betont, dass Rosenheim weiterhin an den Fernverkehr angebunden bleibt. Über die Verknüpfungsstellen kann der wichtige Fernverkehrshalt in der Stadt auch zukünftig angefahren werden“, so Neumaier. Alle Planungen der Bahn richten sich auf Verkehre für die kommenden Jahrzehnte. Neue Entwicklungen, wie die Konzepte eines Deutschlandtakts, seien selbstverständlich mit der Planung einer Neubaustrecke vereinbar und können laut Bahn gut integriert werden. „Da haben wir ausreichend Spielraum“, so der Projektleiter.

jb

Kommentare