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Interview zur jüngsten Protestaktion

Rosenheimer Bürgerinitiative zum Brenner-Nordzulauf: „Wir sind keine Totalverweigerer“

Uli Richter, Sprecher des Rosenheimer Brennerdialogs
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Uli Richter, Sprecher des Rosenheimer Brennerdialogs

Braucht es einen Brenner-Nordzulauf oder nicht? Die betroffenen Anwohner der geplanten Strecke, aber auch Peronen jenseits dieser Gebiete hegen große Zweifel, dass dieses Projekt überhaupt notwendig ist. Der Sprecher der Rosenheimer Initiative blickt auf die jüngste Protestaktion gegen die Trasse zurück.

Rosenheim – Rund 5000 Personen versammelten sich am vergangenen Samstag (24. April) entlang der geplanten violetten Trasse des Brenner-Nordzulaufs. Für den Abschnitt bei Langenpfunzen zeichnet der Rosenheimer Uli Richter als Sprecher der Bürgerinitiative „Brennerdialog“ verantwortlich, die sich gegen dieses Vorhaben stemmt. Er blickt im Gespräch mit den OVB-Heimatzeitungen auf die jüngste Aktion zurück und äußert sich zu überbordenden Pläne der Bahn und mangelnde Bürgerbeteiligung.

Webcast der Deutschen Bahn zum Brenner-Nordzulauf am 6. Mai

Die Bahn veranstaltet am Donnerstag, 6. Mai, einen Webcast zur ihren Plänen für den Brenner-Nordzulauf. Von 18 bis 20 Uhr können sich Interessierte hier zum Informationsabend zuschalten.

Herr Richter, wie war die Resonanz auf ihre Aktion vom Samstag?

Uli Richter: Sehr, sehr gut. Viele haben erst jetzt gemerkt, dass auch sie direkt von der Trasse betroffen sind und wie nah die Strecke am Lebensraum des Menschen verläuft. Diesen Menschen ist wohl auch erst jetzt bewusst geworden, wie massiv dieses Bauwerk sein wird, welches sowohl das Inntal als auch das Rosenheimer Umland negativ prägen wird. Diese Flächen sind schließlich unser Naherholungsgebiet. Dorthin fährt man mit dem Rad, geht spazieren und genießt den Wald. Mit der Trasse würde das einfach weggefräst.

Nun genoss die Aktion ja durchaus mediale Aufmerksamkeit. Haben Sie denn das Gefühl, tatsächlich etwas bewegt zu haben?

Uli Richter: Eine erfolgreiche Aktion motiviert immer – auch weiterzumachen. Ich freue mich, dass selbst Leute vor Ort waren, die nicht unmittelbar betroffen sind. Hier zeigte sich: Die Menschen ziehen wirklich an einem Strang. Inzwischen habe ich viele Mails und Anfragen bekommen, wie man sich an der künftigen Arbeit der Bürgerinitiativen beteiligen kann.

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Erwarten Sie denn durch den Protest, dass sich die Deutsche Bahn in dieser Wache bewegt?

Uli Richter: Im Gegenteil: Der Konzern wird nicht müde, immer die gleichen Argumente für die Trasse zu wiederholen. Dass mehr Waren auf der Schiene transportiert werden müssten, obwohl es hierfür keine plausiblen Begründungen gibt. Deshalb sollten die Medien gerade diese Behauptungen der Bahn viel kritischer untersuchen und vor allem fragen: Braucht man diese zusätzliche Trasse wirklich?

Die Bahn und die Politik finden schon.

Uli Richter: Wir sind keine Totalverweigerer und absolut dafür, mehr Güter auf der Schiene zu transportieren. Genauso wollen wir weniger Lkw auf den Straßen. Aber man muss doch prüfen, ob der Bedarf an Schienen wirklich so hoch ist, wie von der Bahn angegeben. Andere Alpenquerungen wie der Gotthard-Tunnel sind auch nur zur Hälfte ausgelastet. Zudem ist der Bahnverkehr in den vergangenen 15 Jahren nicht deutlich gestiegen und nur der Lkw-Verkehr hat sich vornehmlich auf das Inntal konzentriert.

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Gab es denn schon Rückmeldungen vonseiten der Politik oder der Deutschen Bahn?

Uli Richter:Weder noch. Wir haben am Freitag wieder eine Sitzung aller BIs, in der jeder noch mal schildern soll, welche Resonanz ihm zugetragen wurde.

Sorgt das nicht für Enttäuschung?

Wir sind es mittlerweile schon ein bisschen gewohnt, dass man uns links liegen lässt.

Uli Richter

Uli Richter: Wir sind es mittlerweile schon ein bisschen gewohnt, dass man uns links liegen lässt.

Was sicherlich dazu führt, dass sich die BIs nicht ernst genommen fühlen.

Uli Richter: Zumindest nicht so ernst genommen, wie es diesem großen Thema angemessen wäre. Einem Bauprojekt, das im Inntal keinen Stein mehr auf dem anderen lässt und dessen Gesicht, wie auch das des Rosenheimer Lands, auf Dauer verändern wird.

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Sind künftig noch weitere Aktionen geplant?

Geschätzt rund 800 Teilnehmer versammelten sich am Samstag bei Langenpfunzen, um gegen die geplante Trasse des Brenner-Nordzulauf zu protestieren.

Uli Richter: Derzeit sind wir noch in der Ideenfindung. Das Trinkwasser wird wohl künftig ein Thema sein: das Grundwasser und all die Quellen, die durch die Bauarbeiten betroffen sind. Das wird noch zu vielen Diskussionen führen, denn jede Gemeinde hat ihr eigenes Wasserproblem. Und egal, ob die Gleise ober- oder unterirdisch verlaufen: Man weiß nie, wie das Trinkwasser davon beeinflusst wird.

Können Sie sich denn noch andere Formen vorstellen, um ihren Protest öffentlich zu machen?

Uli Richter: Wir waren bislang ziemlich einfallsreich und werden das auch in Zukunft sein. Egal, was kommt, wir werden mit Sicherheit wieder für Aufmerksamkeit sorgen.

Welche Reaktionen wünschten Sie sich schlussendlich auf Ihre Veranstaltungen seitens der Politik?

Uli Richter: Ganz einfach: Dass die Bürger wirklich ernsthaft mit ihren sachlichen Argumenten in die Planungen miteinbezogen werden. In den Dialogforen der Bahn wurden nur die Planungen vorgestellt. Ein Mitspracherecht gab es nicht: Das war alles Makulatur. Von Anfang an wollten wir, dass auch das „Warum“ geklärt wird, also ob überhaupt ein Bedarf gegeben ist. Anders gesagt: Man plant, dass ein Atomkraftwerk gebaut wird und die Bürger dürfen nur noch entscheiden: Wird es jetzt grün, gelb oder blau angestrichen.

Braucht es die neue Strecke? Argumente von Bahn und Ausbaugegnern

Als eines der „wichtigsten Verkehrsprojekte Europas“ bezeichnet die Deutsche Bahn den Brenner-Basistunnel, für den das Unternehmen den Nordzulauf bauen will. Mit der Öffnung des Tunnels, findet der Konzern, ist von einem „starken Anstieg“ im Schienengüterverkehr auszugehen. Vor allem verspricht sich das Unternehmen mit dem Bauprojekt eine weitestgehend steigungsfreie Strecke zwischen München und Verona. Dadurch könnten längere Züge mit nur eine Lokomotive auskommen. Bislang seien zur Bewältigung der Höhenunterschiede drei Loks notwendig. „Dadurch wird der Güterverkehr auf der Schiene für die Spediteure noch attraktiver“, meint der Konzern. Daran wiederum zweifeln die Mitglieder der örtlichen Bürgerinitiativen, die sich gegen das Vorhaben stemmen. Sie finden, der Bedarf für das Verkehrsprojekt sei nicht nachgewiesen. Die Bestandsstrecke sei bereits heuer nur zu 50 Prozent ausgelastet und hätte durch eine Modernisierung genügend Reserven um bis zu 396 Züge am Tag stemmen zu können. Ebenso gäbe es bereits genügend freie Kapazitäten bei anderen Alpenquerungen. Ebenso stünden technische Entwicklungen wie klimaneutrale, mit Wasserstoff betriebe Lkw vor dem Durchbruch und machten den Klimavorteil der Bahn zunichte. Schlussendlich: „Eine Baumaßnahme dieser Größenordnung führt zu einem immensen Flächenverbrauch und die Bauarbeiten zu weitreichenden Beeinträchtigungen, die über Jahrzehnte reichen“, finden die BIs. Die Folge: eine „unwiederbringliche Zerstörung sensibler Naturräume“ mit deren Flora und Fauna. 

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