Besuch auf der Baustelle

Streusalz hat Schäden am Rosenheimer Brückenberg hinterlassen – Sanierungsarbeiten laufen

Wichtige Verkehrsader in Rosenheim ist der Brückenberg über die Bahnanlagen
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Wichtige Verkehrsader in Rosenheim ist der Brückenberg über die Bahnanlagen – und der wird derzeit saniert.

Dass der Brückenberg in Rosenheim saniert werden muss, ist seit Jahren bekannt. Nach zahlreichen Untersuchungen und Planungen ist es jetzt soweit. Ein Besuch auf der Baustelle.

Rosenheim - Martin Fritsch und der Brückenberg in Rosenheim haben Geschichte. Seit zehn Jahren untersucht der Geschäftsführer des Ingenieurbüros Fritsch die 45 Jahre alte Brücke. Bereits damals habe er sich für ihre Sanierung eingesetzt, jetzt ist er der Mann mit den Plänen. Er gibt Anweisungen, tauscht sich immer wieder mit den Mitarbeitern des städtischen Tiefbauamts und dem Bauunternehmen Porr aus. Sie alle sind an den Sanierungsarbeiten beteiligt. „Es ist ein enormer Aufwand“, sagt Fritsch.

Korrosion hat Spuren hinterlassen

Er steht unter der Brücke, zeigt auf verschiedene Stellen, an denen der Beton sich schwarzbraun verfärbt hat und teilweise sogar abgeplatzt ist. Für den Experten ein klares Zeichen von Korrosion. Der schlimmste Feind von Straßenbrücken. „Das Streusalz ist über die Jahre in den Beton eingedrungen“, erklärt Martin Fritsch. Dadurch seien chemische Prozesse im Beton angestoßen worden und hätten die Schutzschicht des Stahls angegriffen. In der Folge hätten sich Abplatzungen des Betons gebildet. An der Sicherheit der Brücke habe das laut Fritsch noch nichts geändert, trotzdem sei eine Sanierung mittlerweile unumgänglich.

Rost deutlich zu erkennen

Das macht auch ein Bild deutlich, das mit einem Endoskop vom Inneren der Brücke aufgenommen wurde. Martin Fritsch hält es in die Höhe, zeigt auf die abgebildeten Spannglieder, die für die Tragfähigkeit der Brücke zuständig sind. Auch hier ist der Rost deutlich zu erkennen.

Betonplatten haben Salz abbekommen

Während er das Bild wieder in seiner Tasche verstaut und auf die Brücke spaziert, zeigt er auf die Betonplatte an der Seite. Den sogenannten Berührungsschutz. „Der hat ebenfalls Salz abbekommen“, sagt Fritsch. Ein Berührungsschutz – wie er auf beiden Seiten des Brückenberges zu finden ist – wird verbaut, wenn sich Oberleitungsanlagen unter Brücken im öffentlichen Bereich befinden.

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Querende Brücken müssen zum Schutz gegen einen Stromschlag damit ausgerüstet werden. Eben diese beiden Betonplatten sollen im Laufe der Sanierungsmaßnahmen durch 1,80 Meter hohe Stahl-Glas-Konstruktionen ersetzt werden – mit Geländer.

Sanierungsarbeiten im November abgeschlossen

Doch bis es soweit ist, wird noch etwas Zeit vergehen. Die Arbeiten an der östlichen Brückenhälfte dauern voraussichtlich bis Ende Juni 2021. Danach soll die westliche Brückenhälfte instand gesetzt werden. „Wir gehen davon aus, dass die gesamten Sanierungsarbeiten bis Ende November 2021 abgeschlossen sind“, sagt Daniel Miedl, Leiter des städtischen Tiefbauamts.

Enge Abstimmungen mit der Bahn

Bis dahin laufen die notwendigen Sperrungen in enger Abstimmung mit der Bahn. Denn unter der Brücke befinden sich gleich fünf Gleise. Sind die Bauarbeiter zu Gange, müssen die jeweiligen Oberleitungen ausgestellt werden. Das heißt aber auch, dass zu dieser Zeit keine Züge fahren können. „Diese Arbeiten laufen deshalb zum Großteil in der Nacht“, sagt Martin Fritsch.

Straßenbelag wird erneuert

Während seine Kollegen verschiedene Messungen durchführen und die Autos im Schritttempo an ihm vorbeifahren, zeigt er auf den Straßenbelag. Weil dieser an manchen Stellen in einem schlechten Zustand ist, wird auch hier erneuert. Gleiches gilt für die Gehwege. Außerdem brauche es eine neue Abdichtung für die gesamte Brücke, damit weder Wasser noch Salz weiter in das Bauwerk eindringen.

Auf Martin Fritsch, die Mitarbeiter des städtischen Tiefbauamts und das Bauunternehmen Porr kommt also auch in den kommenden Wochen noch jede Menge Arbeit zu.

Bis jetzt laufe jedoch alles nach Plan. Und auch die befürchteten Verkehrsbehinderungen seien im Moment noch nicht eingetreten. Dass das wohl vor allem der momentanen Corona-Situation geschuldet ist, wissen auch die Planer. „Das wird sich im Laufe des Jahres wahrscheinlich ändern“, sagt Fritsch.

Beschwerden einiger Radfahrer

Schon jetzt habe man einige Änderungen bei den Sperrungen treffen müssen. So hatten einige Radfahrer daraufhingewiesen, dass der Gehweg aufgrund der angebrachten Absperrung für Radfahrer und Fußgänger zu eng ist. Die Alternativlösung ist eine schmalere Absperrung. Mit dieser ist neben der Radverkehrsbeauftragten der Stadt, Eva-Maria Mayr, auch Ingenieur Martin Fritsch zufrieden.

Schon jetzt freut sich Fritsch auf den Moment, wenn die Sanierungsarbeiten abgeschlossen sind und der Brückenberg in Rosenheim in neuem Glanz erstrahlt. Ein weiterer Abschnitt in der gemeinsamen Geschichte.

Die Gesamtkosten für die Sanierungsarbeiten am Brückenberg in Rosenheim betragen laut Stadt rund 2,5 Millionen Euro. Einschließlich der Bau-, Planungs- und Nebenkosten.

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