Das Chaos kommt

OVB
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Nach Darstellung des Tiefbauamtes wäre an diesen fünf Punkten zweimal täglich von Hand die Beschilderung zu ändern, wenn während der Sanierungsarbeiten an der Brücke die Fahrtrichtung morgens und abends gewechselt werden würde.

Rosenheim - Ab dem 10. April oder besser noch vorher sollte sich jeder, der nach Rosenheim fährt, gut überlegen, welche Straße er fahren und zu welcher Uhrzeit er unterwegs sein will.

Dann wird die Brücke über die Gleise in der Innsbrucker Straße saniert. Bis Ende Oktober darf dort nur noch stadteinwärts gefahren werden.

CSU und Freie Wähler/UP hatten sich mit dieser Regelung nicht abfinden wollen und beharrten darauf, die Richtungen zu wechseln: Morgens stadteinwärts, ab dem Nachmittag stadtauswärts. Schon zuvor hatte das Tiefbauamt diese Möglichkeit verworfen. Jetzt erläuterte Tiefbauamtschef Hans-Joachim Stein im Verkehrs- und Bauausschuss noch einmal, warum sich der Vorschlag aus Sicht des Amtes nicht umsetzen lässt.

Wenn die Berufspendler und Schüler morgens nach Rosenheim hineinfahren, sind in der Spitzenstunde 1526 Fahrzeuge auf der Innsbrucker Straße stadteinwärts unterwegs, stadtauswärts 479. Die Abendspitze liegt bei 727 Autos stadteinwärts und 1407 stadtauswärts. Dieser Tatsache, dass sich nämlich der morgendliche Verkehr stadteinwärts ballt, während sich der abendliche Stadtauswärtsverkehr zeitlich verteilt, müsse Rechnung getragen werden, sagte Stein.

Um den Aufwand zu demonstrieren, der notwendig wäre, um die Richtungen zu wechseln, rechnete er vor: Zweimal am Tag Baustellenschilder, Absperrung und Umleitungsrichtung an fünf Punkten wechseln, einmal morgens um 6 Uhr und einmal um 15 Uhr, Einsatz von zwei Mann, auch sonntags und das 29 Wochen lang. Die grobe Kostenberechnung dafür lag bei 324000 Euro.

Gereizt reagierte darauf die SPD-Fraktionsvorsitzende Gabriele Leicht. "Was Sie vor allem zeigen wollten, war die Unmöglichkeit", warf sie Stein vor. Ihr Kollege von der CSU, Herbert Borrmann, sah dies genauso: "Das ist genau die Antwort, die ich erwartet habe."

Leicht hielt es nicht für notwendig, ständig Schilder und Absperrungen zu verändern. Die Autofahrer seien intelligent genug, auf großen Tafeln abzulesen, wann sie in welche Richtung fahren dürften. Stein hingegen zeigte erhebliche Zweifel, assistiert von Hermann Koch, der als Dezernent einen Schlussstrich unter die Debatte zog: "Man kann nicht einfach drauflos beschildern. Das gibt ein Tohuwabohu. Diese Verantwortung können wir nicht übernehmen." Wer zur falschen Zeit in die falsche Richtung fahre, stehe sonst plötzlich vor einer roten Ampel und das vor einer nur einspurig zu befahrenden Strecke, auf der dann die Autos entgegenkommen.

Nochmals erklärte Stein auch, warum die mehrfach vorgeschlagene Lösung, keine Umleitungen anzubieten, sondern per Ampelschaltung alle paar Minuten einmal die eine und dann die andere Richtung freizugeben, nicht funktionieren würde: Die Baustelle ist 160 Meter lang, mit den Verflechtungsbereichen 200 Meter. Der Grenzwert für wechselnde Ampelschaltungen liegt bei 1300 Fahrzeugen in der Stunde. Nachmittags sind in dem kritischen Bereich jedoch tatsächlich rund 2100 Fahrzeuge in beide Richtungen unterwegs. Das Ergebnis wäre, dass gar nichts mehr geht und der Verkehr sich auf beiden Seiten staut.

Herbert Borrmann war sich sicher: "Das Chaos kommt." Das bezweifelte auch Hans-Joachim Stein nicht. Die Erfahrung zeige, dass die Autofahrer sich bei einer Änderung immer träge verhalten und weiterhin dort fahren wollten, wo sie immer fahren. Obwohl die Stadtverwaltung schon frühzeitig mit großen Schildern auf die Baustelle aufmerksam machen wird, sei mit der üblichen Reaktion zu rechnen: "Die Leute schauen nicht auf die Verkehrsschilder." Stein warnte jedoch davor, in hektischen Aktionismus zu verfallen, wenn in der ersten Woche nichts funktioniert. Zwei bis drei Wochen, so meint er, werde es dauern, bis sich die Autofahrer auf die Situation eingestellt haben.

Oberbürgermeisterin Gabriele Bauer verwies darauf, die Raublinger könnten beispielsweise mit dem Zug fahren und die Busse morgens und abends hätten durchaus auch noch Kapazitäten. Anna und Peter Rutz von der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen sagte sie zu, die Stadt werde für eine Verstärkung sorgen, wenn sich zeige, dass die Busse in dieser Zeit überfüllt sind.

Die "Bockerlbahn" zu aktivieren, die während des Herbstfestes zwischen Rohrdorf und Rosenheim auf der Schiene fährt, hält die Stadt für finanziell nicht tragbar. Es würden Kosten von rund 50.000 Euro entstehen.

Während der Brückensanierung wird sich stadtauswärts ein Teil des Verkehrs auf die Kufsteiner Straße verlagern. Der nach Osten fließende Verkehrsstrom wird zweispurig über die Chiemseestraße Richtung Schloßberg abgeleitet. CSU-Stadtrat Günther Wunsam ahnte voraus, dass sich viel Schleichverkehr durch die Kastenau bewegen wird.

Oberbayerisches Volksblatt

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