Abenteuer eines Weihnachtswichtels

Wiggerl und der verunglückte Apfel

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Rosenheim - Jahr für Jahr erlebt unser Weihnachtswichtel Wiggerl auf dem Rosenheimer Christkindlmarkt unvergessliche Abenteuer - so auch in diesem Jahr:

Von Sabrina Gerstl

„Was ist das nur für ein Geräusch? Das habe ich hier bei uns im Wichtelwald noch nie gehört. Und doch kommt es mir irgendwie bekannt vor!“ Neugierig spitzt der Weihnachswichtel Wiggerl seine Ohren. Er konzentriert sich ganz fest und schiebt seine rote Wichtelmütze etwas höher, um dieses merkwürdige Geräusch besser hören zu können. Doch auch mit allergrößter Anstrengung kann er einfach nicht rausfinden was er da in der Ferne hört. 

Es ist so ein Kratzen und Knacken. Und dann wieder ein gleichmäßig leises Schleifen. „Was ist das nur? Ich muss näher ran!“ neugierig wie er nun mal ist springt Wiggerl beherzt von seinem Lieblingsaussichtspunkt, einem Ast hoch oben in der verschneiten Tanne am Gipfel des Wichtelberges, um diesem seltsamen Klang zu folgen. Weihnachtswichtel haben nämlich besonders gute Ohren muss man wissen, die sind so gut, dass man mit ihnen sogar Schneeflocken vom Himmel fallen hört. Und neugierig sind Weihnachtswichtel auch. Manche mehr, manche weniger. Da Wiggerl ein Wichtel ist, bei dem alle Wichteltalente besonders stark ausgeprägt sind, kann er gar nicht anders. Er muss einfach schauen, was es mit diesem geheimnisvollen Geräusch auf sich hat. 

Entschlossen reibt Wiggerl sich seine rotbehandschuhten Hände. „Wie kalt es heute ist!“, denkt er sich, als er so vor sich hin spaziert. „So kalt war es schon lange nicht mehr!“. Doch auch die größte Kälte kann ihn nicht abschrecken. Die Neugierde ist einfach zu groß! 

Fest entschlossen herauszufinden was es mit diesem eigenartigen Kratzen und Knacken auf sich hat, marschiert Wiggerl durch den tief verschneiten Wichtelwald, über eine große Lichtung, bis er schließlich zum Eisbach gelangt. Fröhlich plätschert das eiskalte Wasser im Bach vor sich hin. Unermüdlich und der Eiseskälte trotzend. Genauso wie Wiggerl, der seinem Ziel nun immer näher kommt. 

„Ja was ist denn das? Da höre ich ja noch etwas! Das sind Kinderstimmen. Ja! Ganz bestimmt. Ich höre Kinder. Und das Kratzen und Knacken und dieses Schleifgeräusch werden nun auch immer lauter! Ich muss fast da sein.“ Schneller und schneller setzt Wiggerl einen Fuß vor den anderen. Der Eisbach führt ihn direkt zu einem kleinen Weiher am Waldrand. 

„Aber natürlich! Das hätte ich mir ja denken können!“ Wiggerl grinst von einem Ohr zum anderen. 

Endlich ist er dem Geheimnis auf die Spur gekommen: Es sind Kinder, die auf dem zugefrorenen Weiher Schlittschuh laufen. Das Kratzen und Knacken ist das Geräusch, das entsteht, wenn sie ihre Pirouetten drehen und mit den Metallkufen auf das Eis springen. Ein kleines Mädchen und ein etwas größerer Junge sind auf der Eisfläche unterwegs, dick eingepackt in Mütze, Schal und Handschuhe. 

„Mensch Mia, du musst einen Fuß über den anderen setzen wenn du um die Kurve fährst. Schau, so geht das“, erklärt der Junge dem kleinen Mädchen.

„Du bist so ein Angeber, Tommi. Ich bin vielleicht erst fünf? Ich muss das noch nicht können!“, erwidert das kleine Mädchen trotzig, als der Junge gekonnt Kreise um sie zieht. 

„Naja, wo er aber recht hat...“, denkt Wiggerl sich, als der die beiden so beobachtet. 

„Und Du bist eine Heulsuse. Ein Baby. Baby, Baby, Baby!“, ruft der Junge spöttisch. 

Und gerade, als Wiggerl sich den Kindern zeigen will um den Streit zu beenden, hält er inne! Gerade noch rechtzeitig! Ein Erwachsener, ein Mann mit Hut, grüner Jacke und Rucksack kommt an den Teich. Aus seinem Rucksack ragen Misteln-, Tannen- und Stechpalmenzweige... 

„Mia, Tommi, runter vom Eis! Wir müssen los. Der Christkindlmarkt geht gleich los. Wir müssen uns beeilen.“, ruft der Mann den Kindern zu. 

„Ist gut Papa, wir kommen schon“, antwortet der Junge sofort. 

„Die sind aber brav“, denkt Wiggerl sich, als die beiden Kinder sich sogleich nähern. Doch schnell wird ihm klar, warum die beiden so brav sind. 

„Dürfen wir uns beim Würstlsepp dann auch eine Würstelsemmel holen? Und einen Fruchtpunsch beim Gustav? Und vielleicht noch Schmalznudeln bei der Frau Semmelmaier?“, feuert Mia eine Frage nach der anderen ihrem Vater entgegen. 

„Du und deine greißligen Schmalznudeln“, sagt Tommi und verzieht das Gesicht. 

„Nur weil sie dir nicht schmecken sind sie noch lange nicht greißlich Tommi. Ich muss dich schon sehr bitten!“, Ermahnt der Vater seinen Sohn.

„Tschuldigung“, murmelt dieser daraufhin in seinen Schal. 

Jetzt wo er - unsichtbar für die Augen der Menschen - direkt neben den Kindern und deren Vater steht, erkennt Wiggerl den Mann! Das ist ja der Daxen-Schorsch! Der kommt immer nur am Wochenende auf den Christkindlmarkt und verkauft seine Zweige, Äpfel und Honig. Eigentlich ist der Daxen-Schorsch ja Jäger. Aber an den Adventswochenenden verdient er sich auf dem Christkindlmarkt ein bisschen was dazu. Und heute dürfen ihn offensichtlich auch seine Kinder begleiten. „Hmh. Eine Semmel vom Würstlsepp. Und Fruchtpunsch. Und Schmalznudeln. Wie wunderbar.“ Und ehe Wiggerl weiß, wie ihm geschieht, versteckt er sich im Kofferraum vom Daxen-Schorsch. Er kann nicht anders, die Versuchung ist einfach zu groß! 

Dank seiner Wichtelmütze ist er für die Augen der Menschen unsichtbar. Er kann es sich also ganz entspannt auf der Kiste mit den Tannenzweigen gemütlich machen und genießt diese willkommene Gelegenheit seinen geliebten Christkindlmarkt zu besuchen. 

Nur wenige Autofahrtminuten später ist es soweit. Beladen mit einem kleinen Klapptisch, Kisten mit Zweigen, gold glänzenden Honiggläsern und wohlig duftenden Winteräpfeln machen sich die drei, der Daxen-Schorsch, Tommi und Mia auf den Weg zum Christkindlmarkt. Wobei, eigentlich sind sie ja zu viert. Denn der unsichtbare Wiggerl ist schließlich auch mit dabei. Es ist fast ein bisschen schade, dass man ihn jetzt nicht sehen kann! Mit strahlenden Augen und hüpfend vor Freude begleitet er den Vater und die beiden Kinder. Es ist bereits späterer Vormittag und der Daxen-Schorsch ist ganz außer Atem als er schnellen Schrittes und schwer schleppend endlich am Christkindlmarkt ankommt. Und auch Mia und Tommi haben trotz der klirrenden Kälte an diesem herrlichen Wintertag ganz rote Backen. Schließlich haben sie die schwere Apfelkiste den ganzen Weg vom Parkplatz zum Markt getragen. Dass der unsichtbare Wiggerl mitgeholfen hat, haben die beiden gar nicht mitbekommen. 

„Da bist Du ja Schorsch. Wir haben schon gedacht du kommst heute gar nicht“ ruft Gustav aus seiner Fruchtpunschbude gegenüber.

„Grüß’ dich Schorsch! Ach und Tommi und Mia, ihr seid heute auch mit dabei. Das ist ja schön, euch mal wieder zu sehen. Helft ihr dem Papa? Das lob ich mir. Kommt später rüber zu mir. So brave Kinder kriegen selbstverständlich eine Brotzeit von mir“ verspricht der Würstlsepp, als der den Daxen-Schorsch und seine Kinder den kleinen Verkaufstisch aufbauen sieht. 

„Grüß Euch alle miteinand‘!“ „Grüß Gott zusammen!“, rufen nun auch der Daxen-Schorsch und die Kinder in die Runde. 

„So Mia, jetzt noch die Honiggläser auf den Tisch. Tommi die Äpfel kannst Du in der Kiste lassen. Ach wo hab ich jetzt nur...? So ein Mist aber auch! Jetzt hab ich die Papiertüten für die Äpfel zu Hause vergessen. So was Dummes!“ verärgert über seine eigene Schusselligkeit reibt sich der Daxen-Schorsch nachdenklich das Kinn und überlegt was er jetzt tun könnte.

Mia und Tommi sind gleich nach getaner Arbeit zum Würstlsepp gelaufen, um sich die versprochene Bratwurstsemmel zu holen und haben von den vergessenen Papiertüten gar nichts mehr mitbekommen. Wiggerl überlegt, wie er helfen könnte und während er sich so umsieht und fieberhaft überlegt, was er tun könnte, fängt plötzlich sein kleiner Wichtelmagen an zu knurren. 

„Oh je. In der ganzen Aufregung habe ich ganz vergessen selber was zu essen. Das Wichtelfrühstück ist lang her und dann bin ich ja gleich los, weil ich wissen wollte, was das für ein komisches Geräusch war heute morgen! Da bin ich gar nicht mehr zum Essen gekommen. Mhm... der Schorsch hat sicher nichts dagegen, wenn ich mir einen oder vielleicht auch zwei seiner Äpfel nehme. Ich nehm eh nur die ganz kleinen, die sicher keiner kauft... Einen ess ich gleich und den anderen steck ich mir in meine Wichteltasche. Mit leerem Magen kann ich gar nicht gscheid nachdenken“, murmelt Wiggerl leise vor sich hin. 

Er stibitzt zwei Äpfelchen aus der Kiste, steckt einen ein und beißt genüsslich in den anderen, als ihm ganz plötzlich die rettende Idee kommt! 

„Ha! Ich habe es ja gewusst! Kaum habe ich was im Magen, schon klappt es auch wieder mit den kleinen grauen Zellen in meinem Wichtelhirn! Natürlich! Das ist die Idee!“

Voller Tatendrang springt Wiggerl von der Apfelkiste und läuft los. Vorbei am Stand vom alten Dochtelmeier mit seinen wunderschönen Bienenwachskerzen, am großen Christbaum in der Marktmitte direkt zur Frau Semmelmaier. Dort gibt es die weltallerbesten Schmalznudeln. Und weil die so sensationell gut sind, hält sich Wiggerl dort öfter auf. Schon allein der Duft der gebackenen Köstlichkeiten lässt dem kleinen Wichtel das Wasser im Mund zusammen laufen. 

Nicht nur Wiggerl ist von Frau Semmelmaiers Schmalznudeln begeistert, sondern auch die vielen Christkindlmarktbesucher. Und weil sie so gut sind, kaufen viele Gäste nicht nur ein oder zwei, sondern gleich fünf oder zehn Stück und nehmen sie mit nach Hause. 

Frau Semmelmaier packt die Schmalznudeln dann in braune Papiertüten. Genau solche, wie sie der Daxen-Schorsch braucht. Und da Frau Semmelmaier ja immer einen großen Vorrat bei sich im Laden hat, wird sie dem Schorsch schon welche „leihen“, denkt sich der Wiggerl. Da heute kein Kindertag ist und der Wiggerl ja eigentlich nur am Kindertag ganz offiziell auf dem Christkindlmarkt sein darf, traut er sich nicht, sich ihr zu zeigen, um zu fragen. 

„Ich borge mir einfach ein paar Tüten“, denkt er sich „und am Mittwoch, wenn ich dann hier bin, erkläre ich es Frau Semmelmaier.“ Gesagt getan. Vorsichtig, um nicht bemerkt zu werden hüpft Wiggerl auf die Ladentheke und beugt sich über die mit heißem Bratfett brutzelnden Schmalznudelpfannen. „Oh weh, oh weh... bloß aufpassen, dass ich nicht reinfalle“, bangt Wiggerl als er sich ganz heimlich immer länger und länger macht, um an die braunen Papiertüten hinten im Regal zu gelangen. „Nein, so geht das nicht. Das ist viel zu gefährlich. Am Ende falle ich noch in die Bratpfanne. Wiggerl versucht es von der anderen Seite. Er klettert auf den Rand der Teigschüssel und balanciert darauf, bis er die Papiertüten fast erreichen kann. 

„Nur noch ein bisschen, und noch weiter, ja jetzt hab ich sie...“ vor lauter Freude über seinen Fang hat Wiggerl gar nicht bemerkt, dass ihm im Eifer des Gefechts der kleine Apfel aus der Tasche gefallen und direkt im Schmalznudelteig gelandet ist. „Plop!“ hat es gemacht und der kleine, runde Apfel ist blubbernd im Teig versunken ehe es jemand bemerkt hat.

Während Frau Semmelmaier weiter ihre Schmalznudeln bäckt ist der kleine Wichtel mit ein paar Papiertüten unterm Arm unterwegs zurück zum Daxen-Schorsch. Dieser ist gerade so in ein Gespräch mit einer Kundin vertieft, die Tannenzweige für ihre Adventsdekoration kaufen will, dass er gar nicht mitbekommt, als Wiggerl die Papiertüten ganz heimlich unter den Klapptisch neben die Apfelkiste legt. 

„Mia, Tommi, da seid ihr ja wieder. Kinder, ich habe die Apfeltüten daheim liegen lassen. Seid ihr bitte so lieb und fragt mal, ob uns jemand welche leihen kann. Vielleicht kann uns der Dochtelmeier oder die Frau Semmelmaier aushelfen.“, bittet Schorsch kurz darauf seine Kinder, die eben vom Würstlessen zurückkommen. 

„Ist gut Papa“, antwortet Tommi, ehe Mia ruft: „Aber schau. Da sind sie ja“ Mia hält die gesuchten Papiertüten in die Höhe.

„Was? Wie? Komisch. Ich war mir sicher, dass ich sie daheim vergessen habe. Seltsam!“, grübelt der Daxen-Schorsch vor sich hin. 

„Papa, aber dürfen wir trotzdem zur Frau Semmelmaier? Biiiiitteee! Ich hätte so gerne eine Schmalznudel!“, bettelt Mia. 

„Du und deine grei...“, möchte Tommi gerade sagen, als sein Vater in mahnend anschaut. 

„Ich hab dir das vorher schon gesagt Tommi. Nur weil Du sie nicht magst, sind sie noch lange nicht greißlig. Du begleitest deine Schwester und passt auf. In Ordnung? Musst ja selber keine esse."

„Wenns unbedingt sein muss..."

„Ja, muss es!", bestimmt der Vater.

Mißmutig trottet Tommi seiner Schwester hinterher. Und auch Wiggerl ist mit von der Partie. Vielleicht fällt für ihn ja auch eine Kleinigkeit ab, denkt er sich. Wenigstens so ein klitzekleiner Schmalznudelkrümel... das wäre fein!“ 

„Grüß’ Gott Frau Semmelmaier!“, ruft Mia schon von Weitem.

„Ja Mia, das ist ja schön dich zu sehen und Tommi, dich natürlich auch. Seid ihr heute dabei, dem Papa zu helfen? Das ist ja toll!“, begrüßt Frau Semmelmaier die Kinder. „Da habt ihr euch natürlich eine kleine Stärkung verdient!“ 

Freudig fischt Frau Semmelmaier zwei frischgebackene Schmalznudeln aus der Bratpfanne, bestäubt sie mit reichlich Puderzucker und drückt sie, in Servietten gepackt, beiden Kindern in die Hand. 

„Danke!“, strahlt Mia, beißt genussvoll in das noch duftende, warme Schmalzgebäck und bekommt ganz weiße Backen vom feinen Puderzucker. 

„Ähm, also... ich... ähm. Na dann auch danke“, stammelt Tommi vor sich hin. 

Er traut sich Frau Semmelmaier natürlich nicht sagen, dass er eigentlich gar keine Schmalznudeln mag. Da er nicht unhöflich sein will, beißt auch er, wenn auch etwas zaghaft, zu. Doch was ist das? Verwirrt und ein klein wenig irritiert schaut er auf seine Schmalznudel. Auch Frau Semmelmaier und Mia ist der seltsame Blick von Tommi nicht entgangen. 

„Stimmt etwas nicht? Schmeckt es dir nicht, Tommi?“, fragt Frau Semmelmaier besorgt. 

„Doch! Im Gegenteil. Das ist ja, das ist ja köstlich! Sehr gut. Eine wundervolle Idee!“, freut sich der erstaunte Tommi.

Nun schauen Frau Semmelmaier und Mia ganz verdutzt drein. 

„Eine tolle Idee? Tommi wovon redest Du?“, fragt Frau Semmelmaier und zieht die Strin in krause Falten. 

„Du magst doch gar keine...“, möchte Mia gerade ansetzen, als Tommi ihr ins Wort fällt. 

„Na, das mit den Äpfeln. Das schmeckt ganz wunderbar Frau Semmelmaier. Wirklich! Toll!“

„Welche Äpfel? Was meinst Du? Ich versteh nur Bahnhof!“, wundert sich Frau Semmelmaier. 

Wiggerl, der das Geschehen heimlich und nach wie vor unsichtbar beobachtet schwant bereits was passiert ist. Um sich zu vergewissern, tastet er nach seinem Apfel. Tatsächlich. Weg. „Der muss mir in den Schmalznudelteig gefallen sein als ich die Papiertüten geholt habe. Oh je!“ Wiggerl ist ganz bestürzt über sein Missgeschick. Naja, zumindest Tommi scheint sich darüber zu freuen. 

„Na, hier in meiner Schmalznudel ist ein Apfel eingebacken. Zwar noch mit Kernhaus und Stiel und Schale. Aber schmecken tuts sensationell!“ 

„Zeig her Tommi. Tatsächlich. Aber wie um Himmelswillen kommt der da rein? Ich kann mir das nicht erklären. Das gibt es doch gar nicht.“ Frau Semmelmaier ist ganz verwirrt. 

Ein älteres Ehepaar, welches das Geschehen ebenfalls beobachtet hat, kommt näher. „Schmalznudeln mit Apfelstücken. Das hört sich fein an. Können sie mir auch welche machen?“ fragt der Herr. 

„Die Schmalznudeln sind mir oft etwas zu üp-pig, muss ich gestehen. Aber mit Apfelstücken... das hört sich großartig an.“ 

„Ja nun, ich habe ja gar keine Äpfel da“, erwidert Frau Semmelmaier. „Deshalb wundere ich mich ja auch so darüber, wie ein Apfel in meinen Schmalznudelteig gefallen sein kann.“ 

„Wir haben doch Äpfel an unserem Verkaufs- stand, Frau Semmelmaier. Sollen wir welche holen?“, rufen die Kinder. 

„Ja bitte“, sagen Frau Semmelmaier und der ältere Herr wie aus einem Munde und lachen. 

Als Mia und Tommi mit Äpfeln in Frau Semmelmaiers Papiertüten zurückkommen, hat sich das mit der Apfelschmalznudel bereits herumgesprochen. Von allen Seiten kommen Christkindlmarktsbesucher, die das neue Rezept unbedingt probieren wollen! Der Andrang ist so groß, dass Frau Semmelmaier dem Daxen-Schorsch schließlich alle Äpfel auf einen Schlag abkauft und sogar noch welche fürs nächste Wochenende bei ihm bestellt. 

Der Daxen-Schorsch und seine Kinder freuen sich über diesen seltsamen Zufall und die verkauften Äpfel. Und auch Frau Semmelmaier hat gar keine Zeit mehr sich zu fragen, woher der Apfel so plötzlich kam. 

Nur der Glühwein-Gustav, der grübelt noch eine Weile vor sich hin, als er die Menschenschlange am Apfelschmalznudelstand gegenüber beobachtet. 

„Na wenn ich es nicht besser wüsste, würde ich sagen, da muss ein kleiner Wichtel seine Finger im Spiel gehabt haben. Schließlich fallen Äpfel ja nicht vom Himmel. Sondern wenn dann von Bäumen. Und der einzige Baum hier weit und breit ist unser Tannenbaum. Das hört sich doch sehr nach unserem kleinen Freund Wiggerl an“ murmelt Gustav lächelnd und schiebt eine kleine Tasse Fruchtpunsch hinter den Glühweintopf an den Platz, wo Wiggerl sich immer versteckt wenn er etwas angestellt hat. 

Und obwohl ja alles gut ausgegangen ist, so traut sich der Wiggerl immer noch nicht recht, sich zu zeigen. Das schlechte Gewissen plagt ihn ein wenig. Schließlich dürfte er heute ja gar nicht hier sein. Seinen Punsch trinkt er aber trotzdem dankbar und freut sich über diesen ereignisreichen Tag. 

Wichtel sind ja bekannt dafür, den Menschen zu helfen. Ob immer planvoll oder halt auch einmal unabsichtlich sei dahingestellt. 

Geschafft von diesem abenteuerlichen Tag, genießt Wiggerl, zurück in der Wichtelburg, die Ruhe in seinem Bettchen und schaut aus dem kleinen Butzenfenster hinaus in den sternenklaren Nachthimmel und erfreut sich an den dicken weißen Flocken, die leise vom Himmel fallen.

Frohe Weihnachten!

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