„Skandalöses Politik-Versagen“

Weil Corona-Impfstoff fehlt: Stillstand im Rosenheimer Impfzentrum und bei mobilen Teams

Das Impfzentrum von Stadt und Landkreis Rosenheim in der Inntalhalle Rosenheim ist betriebsbereit.
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Das Impfzentrum von Stadt und Landkreis Rosenheim in der Inntalhalle Rosenheim ist betriebsbereit.

Das Impfzentrum in Rosenheim und die mobilen Teams: Alle sind bereit für den Kampf gegen Corona. Allein – die Waffe fehlt. Seit Tagen kommt in Rosenheim kein Impfstoff an. Bei der Stadtverwaltung ist man erzürnt.

Update 4. Januar

Am 31. Dezember kam die letzte Lieferung Corona-Impfstoff

Rosenheim – Das Impfzentrum von Stadt und Landkreis auf der Loretowiese ist einsatzbereit – doch es fehlt auch hier am Impfstoff. Die Folge: Es herrscht aktuell Stillstand, sowohl für die mobilen Impfteams, die von 27. Dezember an im Einsatz waren, als auch für das Impfzentrum an sich.

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Aus diesem Grund können hierfür auch nach wie vor keine Termine vereinbart werden – weder online noch per Telefon. „Weil wir auf dem Trockenen sitzen“, fasst es Thomas Bugl, Sprecher der Stadt Rosenheim und zuständig für das Impfzentrum, kurz und knapp zusammen. Am 31. Dezember war die letzte von insgesamt drei Lieferungen in Rosenheim angekommen – und sogleich verimpft worden.

Am 9. Januar könnte es in Stadt und Kreis Rosenheim weitergehen

Insgesamt 2150 Impfdosen haben die sechs mobilen Impfteams seit Ende Dezember an Senioren über 80 verabreicht. Bereits abgearbeitet sind die vier großen Pflegeeinrichtungen in der Stadt Rosenheim sowie 18 kleinere Heime im Landkreis. Die Übrigen: Sie müssen sich gedulden, bis die nächste Lieferung die Region erricht.

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Für 8. Januar werden im bayerischen Zentrallager in München neue Impfdosen erwartet. Einen Tag später, am Samstag, wird in Rosenheim mit Nachschub gerechnet. Sobald angeliefert, werden die mobilen Impftrupps laut Stadt wieder ihre Arbeit aufnehmen. Die Helfer stünden Gewehr bei Fuß. Die Verärgerung über die Verzögerungen ist bei der Stadt Rosenheim groß. „Ein skandalöses Politik-Versagen bei der Beschaffung des Impfstoffs“, ist Sprecher Bugl erzürnt.

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Die Erstmeldung vom 27. Dezember

Rosenheim – Die Corona-Fallzahlen in der Region verharren weiter auf einem hohen Niveau. Die 7-Tage-Inzidenz liegt vor Weihnachten bei 207 für den Landkreis und 179 für die Stadt Rosenheim (Stand 23. Dezember, 0 Uhr).

Viele Corona-Tote

Deutlich nach oben geht indes die Zahl der Toten, die in Verbindung mit Covid-19 registriert werden – zuletzt um zwölf binnen eines Tages (+10 Landkreis, +2 Stadt). Die Gesamtzahl seit Beginn der Pandemie liegt inzwischen bei 333 Todesopfern (Landkreis: 301; Stadt Rosenheim 32).

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Allein seit dem jüngsten Corona-Lagebericht des Gesundheitsamtes von vergangenen Freitag ist die Zahl der gemeldeten Covid-Todesfälle in der Region um 21 angestiegen (Landkreis +19; Stadt +2).

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Fallzahlen flachen ab

Der Anstieg der Fallzahlen flachte in der ersten Wochenhälfte indes ein wenig ab. Seit vergangenen Freitag kamen 271 registrierte Neuinfektionen hinzu, bei zuletzt 38 Neumeldungen am Tag (Vorwoche: bis zu +150 pro Tag). Die Gesamtzahl der vom Gesundheitsamt aufgezeichneten Corona-Fälle in der Region durchbrach diese Woche mit 10 066 die Schallmauer von 10 000.

Mobile Impfteams startklar

Gleichzeitig sind die insgesamt sechs mobilen Impfteams von Stadt und Landkreis einsatzbereit. Sie sollen am Sonntag, 27. Dezember, mit den ersten Impfungen in Alten- und Pflegeheimen beginnen, laut einer Stadt-Sprecherin voraussichtlich im Caritas-Altenheim St. Martin in Rosenheim. Nächste Station: der „Laurentiushof“ in Bernau, anschließend folgen weitere Einrichtungen in der Region.

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Geimpft wird nach Priorisierung

Da der Impfstoff in der Anfangsphase nur in kleinen Mengen zur Verfügung stehen wird, wie es in einer Erklärung der Stadt Rosenheim heißt, hat die Bundesregierung eine Priorisierung von zu impfenden Personengruppen beschlossen.

Das Impfzentrum in der Inntalhalle wird laut Stadt mit sechs „Impfspuren“ geöffnet, wenn eine entsprechende Anzahl an Impfdosen verfügbar ist und die Impfungen in den Alten-, Pflege- und Behindertenheimen stattgefunden haben. Das dürfte in der zweiten und dritten Januarwoche sein. Der impfberechtigte Personenkreis wird über das Gesundheitsamt informiert.

Erst die Heime, dann Termine

Dazu der Leiter des Impfzentrums, Hans Meyrl, auf Anfrage der OVB-Heimatzeitungen: „Derzeit ist es noch nicht sinnvoll Termine zur vergeben, da die große Dichte an Alten-, Pflege- und Behindertenheimen in Stadt und Landkreis Rosenheim eine große Herausforderung darstellt.“

Von Terminanfragen absehen

Vor diesem Hintergrund bittet Meyrl, bis auf Weiteres von Terminanfragen beim Impfzentrum abzusehen: „Die Impfung von sogenannte vulnerablen Personen, also denen, die durch mögliche schwere Krankheitsverläufe besonders gefährdet sind, hat jetzt absoluten Vorrang. Sie ist Voraussetzung, um eine Überlastung der Krankenhäuser zu vermeiden. Auch wenn es im Einzelfall schwer fallen mag, die Prioritätensetzung der Bundesregierung zu akzeptieren, führt an der Durchsetzung der festgelegten Impfreihenfolge kein Weg vorbei.“

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Impfstoffe werden angeliefert

Die ersten Impfstoffe werden laut Stadt zeitgerecht im Impfzentrum Rosenheim angeliefert. Die Lagerung erfolge an einem gesicherten Ort. Die erforderlichen Kühltemperaturen können regelmäßig überwacht werden.

OB: Vorrang für Altenheime

Rosenheims Oberbürgermeister Andreas März ergänzt: „Es ist ebenso erfreulich wie dringend notwendig, dafür zu sorgen, dass in einer ersten Welle speziell in den Alten- und Pflegeheimen der entsprechende Impfschutz gewährleistet wird. Mein Dank gilt den mobilen Impfteams vom Malteser Hilfsdienst sowie allen am Aufbau und Betrieb des Impfzentrums Beteiligten, dass sie unmittelbar nach Weihnachten mit dieser verdienstvollen Arbeit starten.“

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