Zu Besuch in der Grund- und Mittelschule Westerndorf St. Peter in Rosenheim

„Maske tragen, zugleich Essen und Abstand halten? Das ist praktisch nicht machbar!“

Direktor und Grundschullehrerin stehen vor eine schön bemalten Tafel
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Mit dem Direktor, Robert Mayr, und Grundschullehrerin, Lisa Müller Phillips Sohn der Grund- und Mittelschule Westerndorf St. Peter im Gespräch

Rosenheim - rosenheim24.de war zu Besuch bei der Grund- und Mittelschule in Westerndorf St. Peter. Im Gespräch mit der Grundschullehrerin, Lisa Müller Phillips Sohn und dem Direktor, Robert Mayr, haben wir einen Einblick in die ersten coronabedingten Schultage bekommen:

Der Erste Schultag: Eines der wichtigsten Ereignisse für Kinder und Eltern. Glücklicherweise konnte man in der Grundschule Westerndorf St. Peter in Rosenheim eine Einschulungsfeier mit Schultüten veranstalten. Um Abstandsregeln einzuhalten und eine überfüllte Eingangshalle zu vermeiden, durfte allerdings nur eine Begleitperson dabei sein. Es ist verständlich, dass beide Elternteile diesen großen Schritt ihrer Kinder nicht verpassen wollen, aber trotz aktueller Situation hielten sich die Eltern nur teilweise an die Vorgaben.

Insgesamt sei das Verhalten der Schüler bis jetzt lobenswert gewesen, so Direktor Robert Mayr im Gespräch mit rosenheim24.de. Es habe kaum Diskussionen gegeben und die Kinder haben sich auf dem Schulgelände überwiegend an die Vorschriften gehalten. Ob die Regeln auf dem Hin- und Nachhauseweg oder im Bus beachtet werden, das können die Lehrer nicht kontrollieren.

Aktuell gebe es an der Schule einen Corona-Fall. Die positiv getestete Person befinde sich laut Mayr in Absprache mit dem Gesundheitsamt Rosenheim mit ein paar weiteren Schülern, die zur ihr Kontakt im Sporttraining hatten, in Quarantäne. Die gesamte Klasse muss nicht in Quarantäne.

Praktische Umsetzung teilweise nicht machbar

In der Mittelschule gilt die generelle Maskenpflicht. Das heißt während des Unterrichts und auf dem gesamten Schulgelände, auch im Freien: Maske tragen. Mayr erklärt, dass die Einhaltung der Masken- und Abstandspflicht auf dem Pausenhof unheimlich schwierig sei. „Wo können die Jugendlichen essen? Maske tragen, zugleich Essen und Abstand halten? Das ist praktisch nicht machbar!“
Ansonsten habe es keine größeren Probleme gegeben, meinte der Direktor. „Die Schüler sind die Masken schon vom letzten Schuljahr gewohnt. Ungewohnt ist es natürlich für Schüler als auch Lehrer, die Maske während es Unterrichts zu tragen.“ Deswegen gehören zum neuen Corona-Schulalltag viele Pausen zum Durchlüften und Durchschnaufen.

In der Grundschule wurde bis jetzt im Klassenzimmer gegessen, da noch keine Maskenpflicht galt. Ab Montag hinfällig, da das Tragen einer Maske dann für alle Jahrgangsstufen gilt.

Einige Eltern machen sich Sorgen um die Gesundheit ihrer Kinder. Die Einen finden die Maßnahmen zu extrem und Andere sind der Meinung, dass die Vorschriften strenger sein sollten. Herr Mayrs Meinung dazu: „Alle haben Recht. Es ist schwierig den Eltern zu erklären, warum in der Schule andere Regeln gelten, als außerhalb. Auf dem Weg zur Schule ist keine Maskenpflicht und auch in der Freizeit zum Beispiel im Sportverein werden die Hygiene-Maßnahmen anders gehandhabt. Das ist nicht schlüssig.“

Ist das Tragen einer Maske im Unterricht für Grundschüler zumutbar?

Einfach wird das nicht für den Unterricht. Der Meinung ist auch Erstklass-Lehrerin, Lisa Müller Philliphson: „Für die ersten Klassen wird das schon schwierig. Wir lernen gerade die Buchstaben, wir müssen wissen was wir sprechen.“ Ihr fällt auf, dass sich die Kinder mit Maske kaum verstehen, weil vor allem die Mimik, ein sehr wichtiger Bestandteil des Sprachverstehens, wegfällt.

Doch wie sich das Tragen einer Maske für den Einzelnen tatsächlich auswirkt, ist ganz unterschiedlich. „Die Kinder sind nicht genormt, den einen macht das was aus und dem anderen ist es egal“, so Robert Mayr. Frau Müller Phillips Sohn meinte, dass manche Schüler sogar vergessen, ihre Maske abzunehmen.

Robert Mayr, Direktor der Grund- und Mittelschule Westerndorf St. Peter. Maskenpflicht während dem Unterricht gilt bald auch für Grundschüler. Ist das für die Kleinen zumutbar?

Durchsichtige Plastikmasken auch an Schulen zulassen

Rektor Mayr denkt, dass durchsichtige Masken, die bereits für die Gastronomie zugelassen sind, auf Dauer eine große Erleichterung wären. Mimiken wären wieder sichtbar und der Unterricht hätte wieder mehr persönliche Note. Doch bis jetzt ist das noch nicht erlaubt. Eine Schülermutter habe deshalb eine Anfrage an den Stadtrat und den Bürgermeister gestellt, mit der Bitte, die durchsichtigen Plastikschilder zuzulassen. Ob der Bitte nachgekommen werde, klärt sich in den nächsten Wochen.

Welchen Plan hat die Schule bei erneutem Wechselunterricht?

Der Unterrichtsbetrieb wird abhängig von den Infektionszahlen nach einem sogenannten Drei-Stufen-Plan organisiert. Wenn das Gesundheitsamt entscheidet, dass Stufe drei eintritt, gilt wieder der Wechsel zwischen Präsenz- und Distanzunterricht. Die Grund- und Mittelschule in Westendorf ist auf alle Fälle gerüstet. Falls es dazu kommt, hat Frau Müller-Phillips Sohn folgende Idee:
„Damit die Kinder einen einigermaßen normalen Schulalltag erleben und die Eltern entlastet werden, wird ein täglicher Wechsel stattfinden. Die eine Gruppe wird montags und mittwochs anwesend sein und die Zweite dienstags und donnerstags. Freitag ist dann immer im Wechsel. Notbetreuung wird immer bis 16 Uhr da sein.“

Erste Klassen werden gesondert behandelt. Da Fern- und Distanzunterricht für die Erstklässler nicht machbar und für die Eltern nicht leistbar ist, kommen die Kleinen, in Gruppen geteilt, täglich für einen kürzeren Zeitraum in die Schule.

„Bei den Anderen hat sich das schon gut eingespielt“, meinte der Dirketor. Die Schüler werden auf unterschiedlichen Wegen mit Lernmaterial versorgt. Zum Beispiel mit selbstgedrehten Erklärvideos oder mit Arbeitsblättern, die digital per Email geschickt oder analog an der Schule abgeholt werden können.

Stadt Rosenheim bietet Lösung für Probleme im Heimunterricht

Das größere Problem ist nicht das Fehlen eines funktionstüchtigen Internetzugangs sondern eher die Tatsache, dass nur ein einziges Endgerät , oft für mehrere Kinder, zur Verfügung steht. Keine gute Vorraussetzung, wenn zwei Kinder gleichzeitig Lernen wollen. Die Stadt Rosenheim stellt deshalb für Familien, die ein solches Problem haben, Laptops zur Verfügung. Diese werden über die Schule verteilt.

Laut dem Direktor bekomme die Grund- und Mittelschule Westerndorf St. Peter große Unterstützung vom Schulamt Rosenheim. Und mit dem Gesundheitsamt bestehe stetig telefonischer Kontakt. Nur mit den Anweisungen der Regierung selbst tue sich Mayr nach eigener Aussage teilweise noch hart.

Eva-Maria Mayr, jb

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