7-Tage-Inzidenzwert der Stadt bei 254,9

Corona-Zahlen in Rosenheim - „Völlig überdrehte Einschätzung der tatsächlichen Lage“

Max-Josefs-Platz Rosenheim Archivbild
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In Rosenheim steigt die 7-Tage-Inzidenz der Coronafälle täglich. Doch die Stadt sieht keinen Grund zum Alarmismus.

Rosenheim - Die Corona-Fallzahlen in der Stadt steigen weiter. Das Robert Koch Institut (RKI) meldete am Mittwoch, 28. Oktober die Zahl 254,9. Von Seiten der Stadt sieht man die Sache jedoch eher gelassen.

Im RoMed-Klinikverbund für die Region würden laut Rosenheims städtischen Wirtschaftsdezernenten und Pressesprecher Thomas Bugl rund 40 Intensivbetten für Corona-Patienten vorgehalten. „Wir haben null Patienten auf Intensiv mit Corona, und wir haben null Corona-Patienten an einem Beatmungsgerät“, sagte Bugl. Es gebe eine „völlig überdrehte Einschätzung der tatsächlichen Lage durch die Medien.“

Hoher Corona-Inzidenzwert der Stadt Rosenheim

Am Dienstag, 27. Oktober lag der Inzidenzwert der Stadt bei 217,1. Am Mittwoch, 28. Oktober bei 254,9. Die Stadt Rosenheim möchte nach Angaben eines Sprechers aber keinen Lockdown verhängen. Auch über zusätzliche Maßnahmen sei noch nicht entschieden worden, heißt es. „Wir werden uns sehr genau ansehen, welche Möglichkeiten wir haben“, so Bugl am Dienstagnachmittag.

Auch Oberbürgermeister Andreas März wollte sich am Mittwoch gegenüber rosenheim24.de noch nicht zu der Sachlage und zu hypothetischen Fragestellungen äußern. Man wolle erst die Beschlüsse der heutigen Ministerpräsidentenkonferenz mit der Kanzlerin abwarten heißt es von Seiten der Stadt.

Stadt Rosenheim zweifelt an Aussagekraft der 7-Tage-Inzidenz

Es gab von Seiten des Oberbürgermeisters bereits eine kritische Auseinandersetzung mit der Aussagekraft der 7-Tage-Inzidenz. In einem Schreiben, das am 14. September an seinen Parteikollegen ging, schildert März die Problematik, dass Rosenheim wegen der Grenzwert-Überschreitung vorschnell als „Corona-Hotspot“ in die überregionalen Schlagzeilen geraten sei. In seinen Augen „ein irreführender Alarmismus“, der die Bevölkerung verunsichere und negative Folgewirkungen mit sich bringe. März hatte sich mit seinem Anliegen gemeinsam mit RoMed-Geschäftsführer Dr. Jens Deerberg-Wittram bereits Mitte September schriftlich an Ministerpräsident Markus Söder gewandt.

Stadt und Kliniken rufen zu einer kritischen Betrachtung der maßgebenden Indikatoren auf. So sei die 7-Tage-Inzidenz im hohen Maße von den regional unterschiedlichen Testquoten und -strategien abhängig. Zudem sollte man zur Beurteilung einer Pandemie-Lage die Anzahl der stationär behandlungsbedürftigen Covid-19-Patienten heranziehen. Diese bewege sich in den RoMed-Kliniken von Stadt und Landkreis auf stabil niedrigem Niveau. Auch die Mortalität sei ein wichtiger Indikator für die Gefährlichkeit des SARS-CoV2-Virus. Die Sterblichkeitsrate in Stadt und Landkreis Rosenheim lag wochenlang bei null. Erst in den vergangenen Tagen kamen zwei Todesfälle dazu.

Statistischer Schwachpunkt der 7-Tage Inzidenz

Gegenüber der Passauer Neuen Presse weist Bugl noch auf einen weiteren statistischen Schwachpunkt der 7-Tage-Inzidenz hin. Bei der vergleichsweise geringen Einwohnerzahl der Stadt Rosenheim von rund 63.500 sei der Schwellenwert 50 extrem schnell erreicht, weil auch hier die Fallzahlen in Relation zu 100.000 Einwohnern gesetzt werden. Mit dieser Hochrechnung erhalte jeder positiv Getestete einen Multiplikator von 1,6. „Bei uns reichen schon 32 positive Fälle innerhalb einer Woche, dass wir über 50 sind“, so Bugl. 

Laut dem DIVI Intensivregister werden derzeit in den OVB24 Landkreisen Altöttling, Mühldorf, Berchtesgadener Land, Traunstein und Rosenheim nur acht Corona-Patienten in Traunstein und dem Berchtesgadener Land auf der Intensivstation behandelt. Vier davon werden beatmet.

jb

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