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Auf Höhe Irschenberg

Vollsperre auf der A8 Richtung Salzburg nach schwerem Unfall: Rettungshubschrauber im Einsatz

Vollsperre auf der A8 Richtung Salzburg nach schwerem Unfall: Rettungshubschrauber im Einsatz

Für die ganze Gesellschaft im Einsatz

Die Engel aus Rosenheim: So setzen sich Ehrenamtliche in der Region für ihre Mitmenschen ein

„Ehrenamt braucht Vorbilder.“ Davon sind Leonie Obermaier (links) und Johanna Otto, die sich im Technischen Hilfswerk engagieren. Gibt es diese, dann finden auch junge Leute dazu, wie sie durch das Beispiel ihrer Väter.
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„Ehrenamt braucht Vorbilder.“ Davon sind Leonie Obermaier (links) und Johanna Otto, die sich im Technischen Hilfswerk engagieren. Gibt es diese, dann finden auch junge Leute dazu, wie sie durch das Beispiel ihrer Väter.

Ohne sie wäre das Leben in der Region ein anderes – und zwar ein deutlich schlechteres: Ehrenamtliche sorgen das ganze Jahr hindurch – auch an Festtagen wie Weihnachten – dafür, dass Menschen in Not und Benachteiligten geholfen wird. Die OVB-Heimatzeitungen stellen einige dieser Engel der Region vor.

Rosenheim – „Frage nicht, was Dein Land für Dich tun kann – frage, was Du für Dein Land tun kannst“. Dieser Satz aus John F. Kennedys Antrittsrede als US-Präsident wirkt heute fast rührend altmodisch. Und dennoch gibt es viele, die sich nach ihm richten, wenn sie auch den Begriff „Land“ eher durch „Mitmenschen“ ersetzen würden. Und zwar das ganze Jahr über – oftmals sogar an Feiertage wie Weihnachten.

Wenn ich von der Tafel nach Hause gehe, weiß ich, dass ich etwas wirklich sinnvolles getan habe, sagt Heidi Kiersztan, die seit 13 Jahren dort mitarbeitet.

Da ist zum Beispiel Heidi Kiersztan (75) die seit 13 Jahren bei der Tafel mitarbeitet, die das Rote Kreuz in Raubling unterhält. Der Grund für ihr Engagement ist für sie einfach beschrieben: „Ohne Ehrenamt ginge in unserer Gesellschaft so gut wie nichts mehr“, sagt sie. Und sie hat sicher recht, wenn man bedenkt, dass allein für das Rote Kreuz im Kreisverband Rosenheim 2500 Ehrenamtliche tätig sind. Etwa 160 von ihnen ermöglichen die sechs Secondhand-Mode-Geschäfte des BRK im Landkreis, und 20 die Raublinger Tafel. „Ohne unsere Ehrenamtlichen wäre all die Aktivitäten, die eine echte Dienstleistung an der Gemeinschaft sind, schlicht nicht möglich“ sagt Claudia Seethaler, die die stellvertretende Leiterin der Kleiderläden und der Tafel ist.

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Und Heidi Kiersztan zieht daraus auch für sich eine gewisse Befriedigung: „Wenn ich von der Tafel nach Hause gehe, hab ich ein gutes Gefühl. Ich weiß, dass ich etwas wirklich Sinnvolles getan habe“.

Für die Gemeinschaft etwas Sinnvolles zu tun, war für sie schon immer wichtig. Ihr Wunsch wäre, dass der Nachwuchs nicht ausbleibt, dass sich auch in Zukunft genügend junge Leute finden, die von ihrer Zeit etwas abgeben. Jedoch: „Die Zeiten haben sich geändert, der Arbeitsstress ist sicher höher, aber all die Freizeitmöglichkeiten sind es auch, und manchmal fürchte ich, dass unsere Gesellschaft einfach zunehmend egoistischer wird.“

Vorbilder aus dem Familienverbund

Kirsztan wäre bestimmt zuversichtlicher, wenn sie Leonie Obermaier und Johanna Otto kennen würde. Die beiden sind 16 und 18 Jahre alt, und trotz ihrer Jugend schon seit Jahren beim Technischen Hilfswerk (THW). Auch diese Organisation besteht im Grunde nur aus Ehrenamtlichen, 120 sind es im Ortsverband Rosenheim.

Eine Tatsache, die oft untergeht, denn wenn in den Medien über Einsätze des THW berichtet wird, glaubt man kaum, dass so hochprofessionelle Hilfe allein von ehrenamtlich tätigen Menschen geleistet werden kann. Befragt man die beiden, wie sie die Stellung ehrenamtlicher Tätigkeit in ihrer Generation einschätzen, ist ihre Antwort einfach: „Ehrenamt braucht Vorbilder“ sagen sie.

Mich kostet es nur ein bisschen Zeit, für die, denen ich helfe, kann es eine entscheidende Unterstützung sein, sagt Josef Kerschbaumer der als Ämterlotse tätig ist.

Väter ebenfalls beim THW engagiert

Ein solches hatten beide in ihren Vätern, die sich ebenfalls beim THW engagieren, die beiden jungen Frauen sind dadurch fast von selbst hineingewachsen. Und wer einmal dabei ist, der bleibt auch, meinen sie. „Es ist schon allein die unglaubliche Kameradschaft, die einen festhält.“

Dass ohne die Hilfe der Ehrenamtlichen in der Gemeinschaft nur noch wenig ginge, das lässt sich auch in barem Geld ausdrücken. Erwin Lehmann, Kreisgeschäftsführer der Caritas in Rosenheim, hat die Zahlen parat: „Derzeit gehören zur Caritas in Stadt und Landkreis rund 500 ehrenamtliche Mitarbeiter“, sagt er. „Wenn man davon ausgeht, dass jede und jeder von ihnen nur zwei Stunden pro Woche im Einsatz ist – und das ist sehr, sehr wenig gerechnet – dann kommt man schon damit, auch wenn man nur den Mindestlohn ansetzt, auf eine jährliche Wertschöpfung von etwa einer halben Million Euro.“

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Ruht sich also der Staat auf dem Ehrenamt etwas aus? Lehmann will das nicht so sehen. Er sagt, die Bedeutung des Ehrenamtes in unserer Gesellschaft habe viel mit unserer Geschichte zu tun, auch mit der Zeit des Dritten Reiches, in der alles und jedes „gleichgeschaltet“ war. Man habe nach dem Krieg daraus die Lehre gezogen, dass der Staat in das Leben seiner Bürger so wenig eingreifen dürfe wie nur möglich und Platz lassen müsse für Eigeninitiativen.

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Etwa die der Ämterlotsen. Und so gibt es Leute wie Josef Kerschbamer, die anderen helfen, bei Behördengängen oder auch nur dem Ausfüllen von Formularen nicht hoffnungslos überfordert unterzugehen. Zu wissen, dass er mit ein klein wenig Zeit anderen dort helfen kann, wo sie allein nicht weitergekommen wären, ist es, was ihn an seinem Ehrenamt fasziniert. Und für nicht wenige im Ehrenamt ist es auch der Wunsch, etwas zurückzugeben.

Ich habe auf meinen Auslandsreisen oft Hilfe und Unterstützung erfahren. Ehrenamt heißt für mich, davon etwas zurückgeben zu können“, findet Franziska Wernsing.

Unterstützung bei der Jobsuche

Wie bei Franziska Wernsing. Die Studentin sagt, sie sei in ihrem Leben schon viel gereist, im Iran, in Alaska, in Indien und Nepal etwa. Und sie habe dabei erfahren, wie froh man sei, wenn einem in einem Land, dessen Sprache man nicht kenne, wo man bisweilen nicht einmal die Schrift lesen könne, geholfen werde. Von der selbst erfahrenen Hilfe möchte sie etwas zurückgeben und engagiert sich deshalb im Jobtreff der Caritas, wo man sich bemüht auch den neuhinzugekommen ausländischen Mitmenschen bei der Arbeitssuche zu helfen.

Um beim Stichwort „zurückgeben“ zu bleiben: Vielleicht wäre das Weihnachtsfest keine schlechte Gelegenheit, um all den Ehrenamtlichen, denen man im Alltag begegnet, ohne wirklich darauf achtzugeben, einmal schlicht und einfach Danke zu sagen.

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