Unterirdische Fahrrad-Stellplätze?

Bahnhofsbunker könnte ein Mahnmal werden

Diskussion zum Thema Bahnhof
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Auf dem Podium saßen (von links): Dr. Hermann Biehler (Rosenheimer Forum für Städtebau und Umweltfragen), Steffen Storandt (BUND Rosenheim), Andreas Lakowski (SPD-Stadtrat und Moderator) und Robert Metzger (Oberbürgermeister-Kandidat der SPD)

Rosenheim - Bei einer Diskussion zum Thema Südtiroler Platz und Bahnhofsgelände Nord wurden im Mailkeller neue Vorschläge gemacht - besonders zum Bunker und zu Radstellplätzen.

Die Anregungen sollen in den Verkehrsausschuss und den Stadtrat eingebracht werden, versprach die SPD-Unterbezirksvorsitzende und Stadträtin Maria Noichl gleich in ihrer Begrüßung. Und es folgten tatsächlich viele Vorschläge von den rund 40 Gästen an die anwesenden Lokalpolitikerinnen und -politiker. 

Auf Einladung der Rosenheimer SPD wurde über die Umgestaltung des Südtiroler Platzes und des Bahnhofsgeländes Nord diskutiert. Neben dem Moderator und Stadtrat Andreas Lakowski saßen OB-Kandidat Robert Metzger, Steffen Storandt als Vertreter des BUND und Dr. Hermann Biehler vom Rosenheimer Forum für Städtebau und Umweltfragen auf dem Podium. 

Rund zweieinhalb Stunden wurde lebhaft über die „größte städtebauliche Herausforderung in Rosenheim der vergangenen Jahrzehnte“ gesprochen, wie Lakowski die Umbaupläne bezeichnete. 

Bunker als Weltkriegs-Mahnmal? 

Dass der Bahnhofsplatz eine echte Visitenkarte sein sollte, mit einer eigenen Identität, die sich von anderen Städten unterscheidet, unterstrich dabei Dr. Biehler. Er brachte auch die Diskussion um den bislang vernachlässigten Bunker ins Rollen. Eine Aufwertung als Mahnmal zur Erinnerung an die Bombardierung und den Zweiten Weltkrieg sei denkbar. Auch ein dazugehöriges Kunstwerk könne er sich vorstellen. 

Steffen Storandt griff diese Idee auf und sprach sich für ein „erlebbares Zeitdokument“ in Form eines begehbaren Bunkers aus. Der Mahnmal-Charakter könne durch eine Ausstellung historischer Fotos ermöglicht werden. Außerdem sei eine gastronomische Nutzung auf dem Bunkerhügel denkbar. 

Architektenpläne durch CSU/FW „verschlimmbessert“ 

Andreas Lakowski und Robert Metzger von der SPD nahmen diese Ideen zum Bunker interessiert auf. Beide distanzierten sich dann von den derzeitigen Bahnhofsplänen, die den ursprünglichen Gewinnerentwurf des Architekten stark verändert hätten. Der SPD-Oberbürgermeisterkandidat kritisierte die Schwerpunktlegung auf den Autoverkehr und die Ausweitung der Parkplätze für Taxis und Kurzparker durch CSU und Freie Wähler: „Priorität aufs Auto zu legen heißt auch immer, dass alle anderen Verkehrsmittel sekundär sind“. Besonders in Bezug auf den Radverkehr bedauerte er das. Die SPD wolle das Konzept für den Bahnhofsvorplatz wieder „auf das Maß zurückführen, wie es der Architekt ursprünglich vorgesehen hat“, so Metzger. 

Mehr Kurzparkflächen als falscher Anreiz? 

„Außer Acht gelassen werde von der Stadtführung zudem völlig, dass der neu geschaffene Südbahnhof besonders geeignet ist um Zugreisende mit dem Auto zur Bahn zu bringen oder abzuholen“, meinte ein Diskussionsteilnehmer. „Es muss noch in die Köpfe der Menschen, dass man hier direkt vor dem Aufzug parken kann!“ 

Andreas Lakowski sah die Gefahr, dass durch das vermehrte Angebot von Kurzparkflächen auf dem Südtiroler Platz auch mehr Menschen dort zum Parken verleitet werden. Der Anreiz habe schließlich eine Lenkungsfunktion. 

Unterirdische Radstellplätze? 

Ein weiterer Vorschlag wurde von mehreren Zuhörern eingebracht: Fahrradstellplätze über mehrere Ebenen zu bauen, etwa in Form einer Tiefgarage. Die im Architekten-Wettbewerb geforderten 1.000 kostenfreien Stellplätze seien jedenfalls nicht ausreichend. Die Idee einer möglichen Untergrundnutzung muss weiter ausgelotet werden, erklärte daraufhin Robert Metzger. Schwerpunkt muss eine baldige Realisierung sein, da die derzeitigen Zustände untragbar seien. 

BUND fordert Erhalt der Bäume 

Den Erhalt des „vitalen und intakten“ Baumbestands auf dem Bahnhofsvorplatz nannte Steffen Storandt als Ziel des BUND. Ältere Bäume seien nicht nur attraktiver als Neupflanzungen; sie erhöhten auch als Schattenspender die Aufenthaltsqualität und seien Lebensraum für Tiere. Über 5.400 Unterstützer der BUND-Unterschriftenaktion zeigten, dass auch viele Bürger so dächten. 

Die Perspektive eines Bahnpendlers 

Die Perspektive eines Pendlers, der seit fast 40 Jahre mit der Bahn fährt, brachte ein weiterer Diskussionsteilnehmer ein. Für ihn als Pendler seien weniger der Erhalt der Bäume oder die Aufenthaltsqualität entscheidend, sondern kurze Wege zu den Zügen. Oftmals kämen nämlich die Busse verspätet an und da zähle jeder Meter auf dem Weg zur abfahrenden Bahn. 

„Die Ursache des Pendlerstresses für Busnutzer ist aber nicht die Umsteigesituation oder die Frage der Entfernungen zwischen Haltstelle und Gleis“, entgegnete Dr. Biehler. Vielmehr habe Rosenheim ein ÖPNV-Problem und zu unpünktliche Busse. Dieser Meinung schlossen sich viele an, ebenso wie der Forderung von Steffen Storandt nach starken finanziellen Zuschüssen für den Stadtbus und eine Rückführung in kommunale Hand. 

Eine Dame schlug in diesem Zusammenhang die Wiederbelebung des Bahnhaltepunktes Stephanskirchen vor, damit Pendlern der Umweg über den Rosenheimer Bahnhof erspart bleibt. 

Bahngelände Nord: Stadt sei unnötig unter Zeitdruck 

Im zweiten Teil der Diskussion ging es um die Zukunft des Bahngeländes Nord und die Bebauung bis zum Brückenberg. Hier kreiste die Diskussion vor allem um die Frage, inwiefern die Stadt momentan als gestaltender Akteur oder lediglich als Investor auftritt. 

Von allen Podiumsteilnehmern wurde kritisiert, dass die Stadt sich selbst unter zeitlichen Druck setzt, statt die Entwicklung bewusst zu verlangsamen und Gestaltungsspielräume auch für die Zukunft zu bewahren. Dr. Biehler kritisierte etwa, dass ganz offensichtlich „möglichst geldbringend die Grundstücke veräußert werden sollen“, allein mit dem Ziel den Schuldenstand abzubauen, ohne einen erkennbaren Bezug zum Stadtentwicklungskonzept. 

Steffen Storandt mahnte an, die Bebauung müsse Vorbildcharakter haben, etwa bei der Nutzung der Sonnenenergie. Er betonte die Wichtigkeit der geplanten Bahnhofsüberführung für die Bürger im Süden. 

Noichl: Maulkorb für den Dezernenten 

Zum Abschluss der Veranstaltung verteilte Maria Noichl noch eine verbale Watschn an die Stadtführung. Bis vor wenigen Tagen nämlich gab es noch eine Zusage von Baudezernent Helmut Cybulska, der als Vertreter der Stadt die Bahnhofsplänen vorstellen sollte. Dann aber habe Cybulska wohl einen Maulkorb auferlegt bekommen und abgesagt. „Dass ein von Steuergeldern bezahlter städtischer Mitarbeiter hier nicht sprechen darf, ist unakzeptabel und feige“, kritisierte Noichl. Die Politik müsse sich mit den Bürgerinnen und Bürgern im Dialog austauschen und sie in die Stadtplanung aktiv einbeziehen, so die Sozialdemokratin.

Quelle: Pressemitteilung SPD Rosenheim

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