Antrag von Grünen und ÖDP

Pauken auf der Kirchenbank? Rosenheimer Politiker wollen Distanz im Schulunterricht schaffen

Unterricht in Cafés, Turnhallen und Kirchen: In Wien gibt es seit Beginn des Lockdowns die sogenannten „Fliegenden Lerncafés“. Ähnliche Ideen gibt es auch in Rosenheim.
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Unterricht in Cafés, Turnhallen und Kirchen: In Wien gibt es seit Beginn des Lockdowns die sogenannten „Fliegenden Lerncafés“. Ähnliche Ideen gibt es auch in Rosenheim.

Die Rückkehr zum Präsenzunterricht ist zum Greifen nah. Doch viele Schulen in Rosenheim haben zu wenig Platz, um die Abstandsregeln einzuhalten. Grüne und ÖDP schlagen deshalb Unterricht in Gemeindehäusern, Turnhallen und Restaurants vor. Ein Vorschlag mit Perspektive?

Rosenheim– Dass Lernen auch an anders geht, haben Schulleiterin Brigitte Würth und Monika Hauser-Mair, Leiterin der Städtischen Galerie, bereits im November unter Beweis gestellt. Damals sind die Abiturienten des Sebastian-Finsterwalder-Gymnasiums in die Städtische Galerie umgezogen. Zwischen Skulpturen von Erika Maria Lankes und Bildern von Fried Stammberger lernten die Schüler hier den Stoff für ihre anstehenden Abiturprüfungen. Hintergrund des Umzuges war, dass nicht in allen Räumen des Sebastian-Finsterwalder-Gymnasiums der geforderte Mindestabstand eingehalten werden konnte.

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Antrag an Oberbürgermeister März

Ein Problem, das Grüne und ÖDP auch an vielen anderen Schulen im Stadtgebiet befürchten, sobald der Präsenzunterricht wieder erlaubt ist. In einem Antrag an Oberbürgermeister Andreas März (CSU) fordern sie die Verwaltung deshalb auf, in Abstimmung mit dem Schulamt, zu prüfen, welche Räume zur Nutzung von Wechselunterricht geeignet sind und zu welchen Konditionen diese zur Verfügung stehen. Ganz egal ob Kirche, Turnhalle, Kulturinstitution oder Gaststätte. „Mit Ausweichräumlichkeiten haben die Schulen mehr Spielraum für Unterricht und Gemeinschaftsaktivitäten“, heißt es in dem Antrag. Dies wäre auch ein Zeichen der Solidarität mit den Kindern und dem Lehrpersonal.

90 Quadratmeter in ein Klassenzimmer umgewandelt

Hinzu komme, dass die meisten Gemeindehäuser, Turnhallen, Theaterräume und Gastsäle kaum beziehungsweise überhaupt nicht genutzt werden. Einer der Gründe, warum auch Monika Hauser-Mair die Städtische Galerie zur Verfügung gestellt hatte. „Warum soll ich einen leeren Raum verteidigen“, sagt die Leiterin.

Ihr Haus habe ohnehin nicht öffnen dürfen. Der Platz aber sei da gewesen. Also wurde der 90 Quadratmeter große Saal in der Galerie kurzerhand in ein Klassenzimmer umgewandelt. Völlig kostenfrei. „Die Zusammenarbeit hat sehr gut funktioniert. Eben auch wegen der unmittelbaren Nähe“, sagt Brigitte Würth. Die Schüler hätten lediglich die Straße überqueren müssen. So sei auch beim Stundenwechsel nicht allzu viel Zeit verloren gegangen. Für Würth ein wichtiger Faktor.

Ausweichmöglichkeiten gibt es genug

Und genau das scheint auch eines der Ausschlusskriterien für die anderen Schulen zu sein und ein Grund, warum der Vorschlag von Grünen und ÖDP scheitern könnte. Denn Ausweichmöglichkeiten gibt es genug. Beispielsweise in Kirchen oder Restaurants. So könnten sich sowohl Gastwirt Toni Sket als auch Pfarrer Christian Wünsche vorstellen, ihre Räume für Schulklassen zur Verfügung zu stellen. „Es ist wichtig, dass die Bildung unter guten Voraussetzungen wieder präsent aufgenommen werden kann“, sagt Wünsche. Mathe- und Deutschunterricht in der Versöhnungskirche seien durchaus vorstellbar. „Der Unterricht könnte beispielsweise im Kirchenraum stattfinden.“ Zwar müsste geklärt werden, wer für die Reinigung und Versicherung aufkomme, die Idee aber sei gut.

Platz für mindestens 50 Schüler

Auch Toni Sket hätte nichts gegen ein bisschen Leben in seinem Wirtshaus „Zum Johann Auer“, das aufgrund des Lockdowns auch weiterhin geschlossen bleiben muss. „50 Schüler hätten locker Platz“, sagt er. Aber vorab müsste man sich beispielsweise darüber Gedanken machen, wer für die anfallenden Kosten aufkommt. Ob das Gasthaus oder die Versöhnungskirche in Frage kommen, darüber muss letztendlich die Stadt in Abstimmung mit dem Schulamt entscheiden.

„Fliegende Lerncafés“ in Österreich

Dass Lernen in Restaurants und Cafés funktionieren kann, zeigt ein Beispiel aus Wien. Im Café Museum können Studenten und Schüler – trotz Lockdown – für zwei Stunden einen Tisch buchen und das Café zum Lernen nutzen. „Wir möchten Teil von Lösungen sein“, sagt Sandra Felber, Leiterin des Marketings. Nach rechtlicher Prüfung auf Grundlage der bestehenden Corona-Verordnung sei so das „Fliegende Lerncafé“ entstanden, eine Aktion der Bildungsdirektion und Stadt Wien, dem Café Museum, dem Café Frauenhuber sowie „The Legends“.

Gastronomisches Angebot ist nicht erlaubt

Das Tragen einer FFP2-Maske, viel Abstand und regelmäßiges Desinfizieren sind Pflicht. Ein gastronomisches Angebot ist nicht erlaubt. Doch auch ohne Essen und Trinken sei die Nachfrage groß. „Wir haben mittlerweile sogar ein weiteres Café angeboten“, sagt Felber. Ein Beweis dafür, dass Lernen eben auch anders geht.

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