Drei Jahre Mehrgenerationen-Haus

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Starke Leistung für jedes Alter – Ex-Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen bei ihrem Besuch im AWO-Mehrgenerationenhaus im September 2009.

Rosenheim - Im Mai vor drei Jahren fiel im Rahmen des Programms Mehrgenerationenhäuser des Bundesfamilienministeriums der Startschuss für das Mehrgenerationenhaus der AWO in Rosenheim.

Dabei handelt es sich nicht um eine generationsgemischte Wohnform, sondern um die Umsetzung von Ideen, wie durch ehrenamtliches Engagement junge und alte Menschen zusammengeführt werden können. Die Gestaltung des Generationendialogs und die Suche nach zeitgemäßen Alternativen zur klassischen Großfamilie stehen in der Zielsetzung. „Wir wollen Vorbild sein für andere Organisationen, beispielgebend wie es gelingen kann, die Generationen miteinander in Kontakt zu bringen und familiäre Netzwerke wieder zu beleben“, so Projektleiter Klaus Schindler über seine Tätigkeit. Im Mehrgenerationenhaus vereinen sich Beratungsstellen für Migranten und allgemeine soziale Angelegenheiten, die Kinderkrippe „Kleine Bären“, die Spielgruppe „Spatzennest“ und die Seniorenbegegnungsstätte des AWO-Stadtverbands. Darüber hinaus bietet das Mehrgenerationenhaus täglich Essen auf Rädern und mobile soziale Dienste, organisiert Kinder- und Seniorenerholungsreisen und ist Veranstaltungsort für Kurse im sprachlichen, sportlichen, kulturellen, künstlerischen und medizinischen Bereich. Außerdem treffen sich Selbsthilfegruppen und viele weitere Initiativen regelmäßig im Haus. Die Seminar- und Veranstaltungsräume sind mit all diesen Aktionen sehr gut ausgelastet, wöchentlich nutzen bis zu 300 Personen die Räumlichkeiten und Angebote des Mehrgenerationenhauses.

u diesen zumeist schon vor der Ernennung zum Mehrgenerationenhaus vorhandenen Angeboten kamen in den vergangenen drei Jahren eine große Anzahl von Projekten und Angeboten unter Beteiligung freiwillig engagierter Helfer hinzu. Klaus Schindler, Diplom-Sozialpädagoge und Leiter des Mehrgenerationenhauses, ist Ansprechpartner für mittlerweile knapp 70 freiwillig Engagierte im Haus und in den verschiedenen Bereichen. „Mit unseren vielfältigen, Generationen verbindenden Projekten versuchen wir für jeden Freiwilligen das richtige Engagementfeld zu finden und ehrenamtliche Hilfssysteme zu entwickeln. Die Interessen, Fähigkeiten und Erwartungen, nicht zuletzt aber auch die zeitliche und örtliche Verfügbarkeit der Interessierten sind Grundlage der Vermittlung in ein Ehrenamt.“ Während beispielsweise der Soziale Mittagstisch und die Schülerpatenschaften mit der Grundschule Erlenau im Haus stattfinden, sind die Lese-Paten meist wohnortnah im Einsatz. Gerade das Lese-Paten Projekt mit etwa 50 Freiwilligen in mittlerweile 16 Kindertagesstätten und 3 Senioreneinrichtungen in Stadt, teilweise auch im Landkreis Rosenheim erfordert erheblichen Koordinierungsaufwand. „Schließlich macht es wenig Sinn einen Freiwilligen quer durch die Stadt zu schicken, damit er sich woanders engagieren kann. Uns geht es um die Knüpfung sozialer Netzwerke und diese werden vor Ort, im Wohnumfeld benötigt. Deshalb versuchen wir Partner und Einsatzmöglichkeiten für Ehrenamtliche dort zu finden, wo diese wohnen“ kommentiert Schindler das Vorgehen.

So haben sich im Laufe der zurückliegenden drei Jahre viele neue Ideen und Ansätze entwickelt. In Kooperation mit dem Diakonischen Werk Rosenheim wurde eine auf freiwilliger Basis begründete Begleitung überschuldeter Menschen ins Leben gerufen. Hinter „Wohnraum für Hilfe“ verbirgt sich die Initiierung von generationenübergreifenden Wohngemeinschaften, in denen junge Menschen ihren Mietkostenanteil durch Hilfeleistungen im Haushalt des Seniors „abarbeiten“. Der „Soziale Mittagstisch“ gewährleistet in Kooperation mit dem Verein „Wir alle“ zweimal wöchentlich ein Mittagessen für alle die nicht gerne alleine Essen oder wenig Geld haben. Hinter dem Familienanschluss-Service verbirgt sich die Vermittlung zwischen Senioren und jungen Familien zu familienähnlichen Partnerschaften. Das Offene Atelier am Montagabend im Haus bringt Menschen durch das gemeinsame kreative Tun zusammen.

Gerade jedoch der Fortbestand dieser generationenverbindenden Ehrenamtsprojekte ist gefährdet. Die Fördergelder aus Berlin laufen Ende nächsten Jahres aus. Wie die notwendige Koordination und Begleitung der Freiwilligen dann gewährleistet werden kann ist fraglich. „Für das, was wir hier machen besteht kein Rechtsanspruch mit entsprechender Finanzierung und es können keine oder nur geringe Einnahmen in den Projekten erzielt werden. Selbstverständlich beschreiten wir alle möglichen Wege um die aufgebauten Projekte weiter aufrecht erhalten zu können. Angesichts der leeren Kassen in den öffentlichen Haushalten ist die Situation jedoch kritisch“ so Schindler. Deshalb ist die AWO auf Unterstützung angewiesen. „Wir freuen uns über jeden Spender und Förderer unserer Ideen. Wir brauchen starke Partner, wenn es auch 2012 noch weitergehen soll.“ Informationen zum Mehrgenerationenhaus und den aktuellen Angeboten und Projekten erhalten Sie unter der Telefonnummer 08031 / 94137321.

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