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Das sagen Einzelhändler aus Rosenheim und der Verband

Ein Jahr Bonpflicht: „Vier Kilo Kassenzettel haben wir zusammengesammelt!“

Christian Stibane vom Unverpackt-Laden „Nimm‘s Lose“ aus Rosenheim mit dem großen Karton, in dem dort Kassenzettel gesammelt werden. Er zeigt das neue, unschädlichere aber auch teurere Papier, dass bei ihnen inzwischen verwendet wird.
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Christian Stibane vom Unverpackt-Laden „Nimm‘s Lose“ aus Rosenheim mit dem großen Karton, in dem dort Kassenzettel gesammelt werden. Er zeigt das neue, unschädlichere aber auch teurere Papier, dass bei ihnen inzwischen verwendet wird.

Über ein Jahr schon gibt es inzwischen die Bonpflicht. rosenheim24.de hat sich in Rosenheim umgehört, wie es dem Einzelhandel damit ergangen ist.

Rosenheim - „Vier Kilo an Kassenzetteln haben wir hier im vergangenen Jahr zusammengesammelt. Das ist schon eine Hausnummer“, berichtet Christian Stibane vom Rosenheimer „nimm‘s lose“-Unverpackt-Laden. Vor dem Kassenbereich haben er und seine Frau Alexandra, die den Laden seit Ende 2017 gemeinsam betreiben (Plus-Artikel rosenheim24.de), einen großen Karton aufgebaut, in den die endlose Schlange der Kassenbons sich hinunterwindet. „Wir halten es immer noch für überflüssig.“

Bonpflicht seit 2021 - Rosenheimer Einzelhändler weiterhin wenig begeistert

Händler müssen seit Anfang 2020 bei sämtlichen Verkäufen einen Kassenbon ausgeben. Die sogenannte Belegausgabepflicht war eine von mehreren 2016 beschlossenen Maßnahmen, mit denen der Gesetzgeber Steuerbetrug einen Riegel vorschieben wollte. Die Belegpflicht für alle Händler mit elektronischen Kassensystemen soll gegen Steuerbetrug helfen, etwa weil das Kassensystem und die Bons miteinander abgeglichen werden könnten. Betrug mit manipulierten Kassen führe jedes Jahr zu Steuerausfällen in zweistelliger Milliardenhöhe, betonte der SPD-Finanzpolitiker Lothar Binding gegenüber der Deutschen Presseagentur (dpa).

Die Stibanes haben inzwischen extra weniger schädliches blaues Papier für die Kasse gekauft (Plus-Artikel rosenheim24.de), das ohne den umstrittenen Stoff Bisphenol A (BPA) (Plus-Artikel rosenheim24.de) oder Biphenol S (BPS) auskommt.  Ersterer gilt inzwischen als „besonders besorgniserregend“ für Umwelt und Gesundheit, bei letzterem ist es noch nicht abschließend geklärt. „Billig ist das nicht, aber es ist es uns wert“, seufzt Stibane. „Neben der Ungefährlichkeit kommt noch hinzu, dass man die Zettel so zumindest im Papier- und nicht dem Restmüll entsorgen kann.“ Die Notwendigkeit der Maßnahme kann er bis heute nicht ganz verstehen. „Unsere Kasse erfasst, auch ohne dass das auf Papier festgehalten wird, jeden Schritt unserer Abrechnung. Das ist keine Chance für Betrug.“

Johann Struck von Bücher Johann in Rosenheim

Ähnlich sieht das auch Johann Struck von der Buchhandlung „Bücher Johann“ gleich um die Ecke, welche seit 2016 besteht (Plus-Artikel rosenheim24.de). „Aber was meine Meinung zu dem Thema ist, ist die eine Sache. Ich setze das um und mache halt mit, es hilft ja nix“, berichtet er. Auch er habe auf weniger schädliches Papier für seine Kassenbons gewechselt. Die Umstellung zum neuen Bonsystem sei für ihn ohnehin keine größere Belastung gewesen. „Das ging mit unserem Warenwirtschaftssystem ohne große Probleme.“

Einzelhandelsverband: „Ein Schildbürgerstreich“

„Das war, wieder mal, ein Schildbürgerstreich unserer Regierung“, bemerkt wiederum Bernd Ohlmann, Pressesprecher des Einzelhandelsverbands Bayern (HBE). „Wir haben schon im Vorjahr vorgerechnet, dass so nun jährlich deutschlandweit zwei Millionen Kilometer Kassenbons zusätzlich anfallen. Damit könnten Sie 50 Mal die Erde umrunden!“ Von den Umwelt- und Gesundheitsbedenken mal abgesehen sei es auch eine Belastung für Kassierende wie Kunden. „Ständig muss man den Bon aufdrängen, dass ist doch für beide Seiten unschön.“

Bernd Ohlmann, Pressesprecher des Handelsverband Bayern.

„Ich hab‘s ja selbst schon erlebt: Als ich am Mittwoch, vor dem Feiertag in einem Geschäft einkaufen war, stapelten sich da schon die Bons!“, führt Ohlmann weiter aus. Die Bonpflicht sei neben den zahlreichen nötigen Maßnahmen zum Infektionsschutz eine weitere und eigentlich vermeidbare Belastung für den Einzelhandel. „Was vielleicht nicht jeder mitbekommen hat: Bis Ende September des vergangenen Jahres gab es auch noch eine Pflicht zum Nachrüsten elektronischer Kassen mit der sogenannten ,Technischen Sicherheitseinrichtung‘ (TSE).“ (Plus-Artikel rosenheim24.de)

„Corona, Bonpflicht und so weiter sind Brandbeschleuniger für die Probleme des Einzelhandels“, schließt Ohlmann. „Unattraktive Innenstädte, mangelnde Digitalisierung und so weiter, dass sind alles Probleme gegen die schon viel zu lange viel zu wenig getan wird. Wir fürchten, dass heuer bis zu 19.000 Betriebe in Bayern alleine pleite gehen könnten, davon auch einige Tausend in Oberbayern! Da stehen bis zu 50.000 Jobs auf der Kippe! Wir können nur hoffen, dass mit den zunehmenden Lockerungen und der Beruhigung des Infektionsgeschehens bei gleichzeitigem Fortschritt der Impfungen endlich wieder annähernd Normalität einkehrt!“

hs mit Material der dpa

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