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Mütter ohne Nachsorge in Rosenheim

Wenn Mitte März die Impfplicht kommt: Der Hebammenmangel in Rosenheim könnte sich deutlich verschärfen

Gerade die Nachsorge von Müttern und Säuglingen leidet unter zu wenig Hebammen.
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Gerade die Nachsorge von Müttern und Säuglingen leidet unter zu wenig Hebammen.

Die kommende Impfpflicht droht den Hebammenmangel auch in Rosenheim zu verschärfen. Insbesondere im Bereich der Nachsorge. Während man im Klinikum gut aufgestellt ist, sieht die Situation außerhalb anders aus. Wie genau, weiß aber keiner.

Rosenheim – „Ich kenne einige Kolleginnen, die jetzt aufhören“, erzählt Angela Hermann und fügt ohne Umschweife hinzu: „inklusive mir.“ Seit 35 Jahren ist Hermann Hebamme in Feldkirchen-Westerham und sie nimmt keine neuen Frauen an seit dem die einrichtungsbezogene Impfpflicht für den 15. März beschlossen wurde. Dies steht mittlerweile auch auf ihrer Homepage und dennoch rufen jeden Tag zwei bis drei Frauen in der Hoffnung an, eine Hebamme zu finden. Denn die sind knapp – besonders im Bereich der ambulanten Betreuung, sprich: Vor- und Nachsorge.

Über 30 Hausbesuche im Wochenbett

Das liegt bei der Nachsorge auch an der wohl einzigartigen Form der Betreuung. Über Wochen hinweg besuchen die Hebammen die jungen Familien zu Hause. Die ersten zehn Tage kommen die Hebammen täglich, manchmal sogar öfter. Danach sind es weniger Besuche, aber immer noch einige: 16, bis der Säugling zwölf Wochen alt ist, und noch weitere acht bis zum Ende der Stillzeit.

Die Zahl der Geburten in Bayern steigt seit Jahren an. 128.000 Babys sind vergangenes Jahr im Freistaat zur Welt gekommen, 20.000 mehr als vor zehn Jahren. Eine Wochenbettbetreuung konnten einer vom Freistaat beauftragten Studie von 2016 zufolge über 2700 Mütter nicht wahrnehmen, weil sie keine Hebamme fanden. Diese Zahlen werden kaum besser geworden sein.

Langfristige Gegenmaßnahmen

Ein aktuellere Indikator ist die Landkarte der Unterversorgung des deutschen Hebammenverbands. Dort können werdende Mütter eine Unterversorgung eintragen und die Zahlen sind deutlich: bundesweit mehr als 40.000 Einträge, etwa ein Zehntel davon in Bayern, und mit viel Abstand ganz vorne: Fehlende Nachsorge. Die Bemühungen den Hebammenmangel anzugehen, sind, wie etwa der Bachelor Studiengang Geburtshilfe, eher langfristig angelegt.

Auch im Geburtshaus Rosenheim ist man über die kommende Impfpflicht nicht glücklich. Bereits jetzt reichten die Kapazitäten nicht aus, etwa einem Drittel der Frauen, die vor Ort gebären möchten, muss man schweren Herzens absagen. Die Impfpflicht, so eine Sprecherin, würde die Situation noch verschärfen.

RoMed nicht am Limit

Anders sieht es auf der Geburtshilfestation der RoMed- Klinik aus. Fast 90 Prozent Impfquote hat dort das Personal. Also nicht nur Ärzte und Hebammen, sondern auch Pfleger, Hausmeister und Fachangestellte. Etwas mehr als zehn Prozent Kräfte weniger könnte man mittelfristig auffangen, erklärt der Chefarzt der Geburtshilfe Dr. Andreas Schnelzer: „Wir fahren eben grundsätzlich nicht am Limit.“ Aber natürlich „ist jeder Einzelne, der sich impfen lässt und bei uns bleibt ein Gewinn.“ In den vergangenen Jahren ist die Station gewachsen. Es gibt eine zusätzliche Arzt-Schicht und es ist sogar ein neuer Kreißsaal hinzugekommen, in dem man auch coronapositive Frauen behandeln kann.

Auch seitens der Hebammen ist man gut aufgestellt. Drei neue Kolleginnen sind in letzter Zeit zum Team dazugestoßen. Und keine Kollegin hat angekündigt zu kündigen, erzählt Hebamme Anna Leippe. „Bei uns ist die Situation gut“, hält sie fest.

Um dem Mangel in der Nachsorge entgegenzuwirken, haben die Hebammen zu Beginn der Pandemie eine Wochenbettambulanz im in der Klinik eingerichtet. „Aktuell besteht noch keine erhöhte Nachfrage“, berichtet Leippe.

Keine verlässlichen Zahlen

So genau wie in den RoMed Kliniken weiß niemand, wie die Impfpflicht sich genau auswirken wird. Es gibt keine Statistik über den Impfstatus bei Berufsgruppen oder die Bereitschaft dazu, auch verlässliche Umfragen gibt es nicht. Und die meisten Hebammen sind selbstständig. Bei der RoMed Klinik arbeitet keine festangestellte Hebamme. Wie stark die Impfpflicht die Geburtshilfe treffen wird, ist unklar.

Angela Hermann, weiß noch nicht, was sie machen wird, wenn es wirklich soweit ist. Bis dahin ist sie sowieso damit beschäftigt, ihre Schwangeren und jungen Familien zu betreuen. Aber der Abschied wird schwerfallen. Einzigartig sei, wieviel Zeit Hebammen für jede Frau, jeden Säugling mitbrächten. Von den vielen Fragen, die Familien mit einem Kind unterwegs haben, bis zu den ganz praktischen Dingen: Wickeln, Baden, das An- und Ausziehen der Winzlinge. Vor kurzem habe eine Frau zu ihr gesagt : „Mit Ihnen habe ich die wichtigste Nacht meines Lebens verbracht“ und dann lacht Hermann trotz allem.

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