Erinnerungen an Streit widersprüchlich

Rosenheim - Wie so oft begann alles mit einem banalen Wortwechsel und endete dann in einer deftigen Schlägerei. Aber wie war der Ablauf wirklich? Kein Leichtes, das juristisch aufzuarbeiten!

Wie so oft begann alles mit einem banalen Wortwechsel und endete dann in einer deftigen Schlägerei, die nun von Strafrichterin Karoline Marquardt juristisch am Amtsgericht Rosenheim aufzuarbeiten war. Angeklagt wegen vorsätzlicher Körperverletzung war ein 34-jähriger, in Rosenheim lebender, einschlägig vorbestrafter Italiener, der letztlich mit einer Geldstrafe nochmals glimpflich davon kam.

Die Schlägerei spielte sich im Mai 2011 in einer gut besuchten Rosenheimer Diskothek ab. Es war bereits weit nach Mitternacht, als sich der Angeklagte zu einem späten Nachttrunk auf den Weg machte, obwohl er schon einiges intus hatte. In der Diskothek nahm er an einem Tisch Platz, an dem bereits einige andere Nachtschwärmer saßen - unter anderem auch die Exfreundin des Angeklagten, die dort mit ihrer Freundin ein persönliches Erfolgserlebnis feierte.

Was der eigentliche Anlass für den Wortwechsel war, der sich bald zum lautstarken Streit entwickelte und letztlich in einer Schlägerei ausartete, konnte keiner der als Zeugen geladenen Beteiligten genau erklären. War es möglicherweise Eifersucht des leicht angetrunkenen Angeklagten, der es nicht verkraften konnte, dass seine attraktive Ex und Mutter des gemeinsamen Kindes, mit den anderen am Tisch sitzenden Disco-Besuchern kokettierte? Auch der Angeklagte konnte vor Gericht keinen plausiblen Grund nennen.

Irgendwann, als der Italiener nach einem menschlichen Bedürfnis von der Toilette zurückkam, sei aber einer der anderen Besucher auf seinem Stuhl gesessen. Es kam zu einem ersten Gerangel. Als einer der anderen am Tisch Sitzenden die Rauferei schlichten wollte, soll ihm der Angeklagte mit der Faust ins Gesicht geschlagen haben. Und als dann auch noch die Exfreundin die Streithähne beruhigen wollte, bekam auch sie einen "Schwinger" ab und ging "knock-out zu Boden", wobei sie sich eine Platzwunde zuzog. Nicht klar war, ob die arg blutende Wunde vom Schlag herrührte, oder ob sich die junge Frau die Wunde beim Fallen und Stoßen an einer Tischkante zugezogen hatte.

Für Strafrichterin Marquardt kein Leichtes, Licht in die damaligen Geschehnisse zubringen, denn die Zeugenaussagen seinerzeit bei der Polizei und jetzt vor Gericht hätten kaum widersprüchlicher sein können. Niemand konnte den Grund des Streites nennen und sagen, wer mit der Schlägerei tatsächlich angefangen hatte. Auch der Angeklagte nicht, denn er gab zu, dass er sich aufgrund des Alkoholgenusses an Einzelheiten nicht mehr erinnern könne. Der als Zeuge geladene Polizist, der die ersten Vernehmungen vorgenommen und protokolliert hatte, bestätigte lediglich, dass schon damals "die Jungs sich dahingehend geäußert hätten, dass irgendein ominöser Stuhl eine Rolle gespielt habe und dass die Exfreundin vermutlich recht unglücklich gefallen sei."

Ausschlaggebend für die Urteilsfindung war letztlich die Aussage der Exfreundin. Diese, so der Eindruck des Gerichtes, wollte den Angeklagten und Vater ihres gemeinsamen Kindes nicht übermäßig belasten und erklärte, dass sie sich nicht mehr genau an die länger zurückliegenden Geschehnisse erinnern könne. Sie nahm aber an, dass sie sich die Platzwunde beim Stoßen an der Tischkante zugezogen habe. Ein weiterer Zeuge behauptete allerdings, dass er gesehen habe wie der Angeklagte zugeschlagen habe.

Für die Verteidigerin, Rechtsanwältin Gabriele Sachse, verwies auf die widersprüchlichen Aussagen und beantragte für ihren Mandanten ein mildes Urteil. Für den Angeklagten war allerdings ungünstig, dass sich die zu ahndende Schlägerei kurz nach einer einschlägigen Verurteilung des Angeklagten zugetragen hatte. Am Ende blieben einige Fragen unbeantwortet und Richterin Marquardt musste aufgrund der widersprüchlichen Zeugenaussagen den Angeklagten wegen vorsätzlicher Körperverletzung nur zu einer Geldstrafe von 60 Tagessätzen zu 30 Euro verurteilen.

je/Oberbayerisches Volksblatt

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