2011 fast doppelt so viele Krippenkinder wie noch 2007

Fast doppelt so viele Krippenkinder wie 2007

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Immer mehr Eltern nutzen die Möglichkeit, ihre Kinder schon im Alter von unter drei Jahren in Kindertagesstätten und Krippen betreuen zu lassen.

Rosenheim - Zum Stichtag im März nutzten die Eltern von 240 Buben und Mädchen im Kleinkindalter die Möglichkeit, ihre Kinder in Krippen betreuen zu lassen.

Soll das Kleinkind in die Krippe oder soll es lieber daheim von Mutter und Großeltern versorgt werden? Angeheizt wurde die Diskussion durch die Einführung des Betreuungsgeldes. Fakt ist, dass die Kommunen im Zuge des Rechtsanspruches, der ab 2013 gilt, das Platzangebot für unter Dreijährige in den vergangenen Jahren stetig erhöht haben - und die Mütter nutzen es. Auch in der Stadt Rosenheim: Wie aus den aktuellen Zahlen des Landesamtes für Statistik hervorgeht, nutzten zum Stichtag im März die Eltern von 240 Buben und Mädchen im Kleinkindalter die Möglichkeit, ihre Kinder in Krippen betreuen zu lassen, 58 Kinder mehr als noch ein Jahr zuvor und 101 mehr als 2007.


Familienministerin Christine Haderthauer sieht keine Bedenken, für jedes dritte Kind unter drei Jahren den geforderten Platz in einer Kindertagesstätte oder bei Tageseltern zu schaffen. Diese Zielvorgabe werde schon 2012 überschritten, sagte sie nach der Kabinettsklausur in St. Quirin: "Das bayerische Ziel heißt, den Bedarf, der vor Ort angemeldet wird, zu decken."

Alle anderen Städte und Kreise mit eingerechnet, wurden im März bayernweit 59 310 unter Dreijährige in Krippen und Tagesstätten betreut, fast doppelt so viele wie vier Jahre zuvor. Damals waren es erst 31 091 Buben und Mädchen. In Rosenheim entwickelten sich die Zahlen ähnlich. 2007 schickten die Eltern 139 unter Dreijährige in die Kitas, 2008 kletterte die Zahl auf 149 und bis 2009 erhöhte sie sich auf 185. Zwölf Monate später waren es 182 betreute unter Dreijährige und 2011 nun 240 Kleinkinder.


Das Betreuungsgeld, das ebenfalls 2013 eingeführt werden soll, löste hitzige Debatten aus. Mit 150 Euro pro Monat sollen Eltern unterstützt werden, die für ihre Kinder keinen staatlich geförderten Betreuungsplatz in Anspruch nehmen. Für Kritiker ist das schlicht eine "Herdprämie", die Kinder von frühkindlicher Bildung in der Tagesstätte fern hält. Für Befürworter ist es der logische Ausgleich dafür, dass die unter Dreijährigen von der eigenen Mutter oder Oma und nicht von Fremden betreut werden.

Untersuchungen belegen zumindest, dass die Kita-Betreuung nicht für alle Kleinen geeignet ist. Je jünger und empfindsamer die Kinder, desto wichtiger sei die Versorgung durch die Mutter. Und es mehren sich Stimmen von Psychiatern und Psychologen, die die Fremdbetreuung von unter Zweijährigen durchaus kritisch sehen.

Die noch bis zum Frühjahr laufende "Wiener Krippenstudie", die bereits für viel Wirbel gesorgt hat, untersucht auch gesundheitliche Aspekte der Krippenerziehung. Bezogen auf das Stresshormon Cortisol entdeckten die Forscher, dass die Cortisol-Tagesprofile der Krippenkinder vom natürlichen Tagesverlauf des Cortisol-Spiegels abwichen - das deute auf Stress hin. Die Veränderungen dieses Tagesprofils ziehe ein Risiko für die psychische Entwicklung nach sich.

zs/Oberbayerisches Volksblatt

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