Die Flut kann jeden treffen

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Der Ludwigsplatz in Rosenheim 1899: Das Katastrophen-Hochwasser überschwemmte rund 800 Hektar besiedelte Fläche. Auch 210 sollte jeder Bürger auf eine Flut gefasst sein, so die Botschaft des "Hochwasserforums Mangfalltal".

Rosenheim - Der Ludwigsplatz unter Wasser: "Unfassbar, aber das ist ja lange her", mögen viele beim Anblick von Rosenheimer Hochwasserbildern aus dem Jahr 1899 denken. Aber: Es kann auch heute jeden treffen!

Allein zwischen Feldkirchen-Westerham und Mangfallmündung in Rosenheim kann es 42.000 Haushalte treffen. Deshalb startet das "Hochwasserforum Mangfalltal" jetzt eine große Aufklärungskampagne zum Thema Hochwasser.

Im Jahr 2000 wurde entlang der Mangfall ein Großprojekt in Angriff genommen, das sich über zwei Jahrzehnte hinzieht und mit 150 Millionen Euro fast zehnmal so viel kostet wie die Landesgartenschau: die Hochwasserschutzmaßnahmen entlang der Mangfall. 2020 soll der Ausbau maroder Deiche abgeschlossen sein. So gesehen ist bei der Sanierung jetzt "Halbzeit" - für das Rosenheimer Wasserwirtschaftsamt und seinen Partner, die Volksbank-Raiffeisenbank Mangfalltal-Rosenheim, genau der richtige Zeitpunkt, um das Gefahrenbewusstsein der Menschen im Risikogebiet zu schärfen.

Der Eindruck, dass es der Staat mit dem 150-Millionen-Euro-Paket schon richten werde, sei völlig falsch, appelliert Paul Geisenhofer, Leiter des Wasserwirtschaftsamtes, an die Bürger im Risikogebiet, lieber heute als morgen selbst Schutzmaßnahmen zu ergreifen. Die Elementarversicherung, die für Schäden durch starke Regenfälle und Überschwemmungen aufkommt, sei jetzt wieder im gesamten Mangfalltal abschließbar. "Ist das Erdgeschoss knietief unter Wasser, bedeutet dies in der Regel einen Schaden von mindestens 50.000 Euro. So etwas kann man schon mit kleinen Prämien absichern", rechnet Geisenhofer vor. Das Schadenspotenzial für das Gebiet von Feldkirchen-Westerham bis zur Mangfallmündung in Rosenheim schätzt er auf über eine Milliarde Euro - allein im privaten Bereich. "Die Schäden auf der Gewerbeseite werden in einer ähnlichen Größenordnung liegen", so der Chef des Wasserwirtschaftsamtes.

"Unsere Bank identifiziert sich voll mit dem Mangfalltal, weshalb uns daran gelegen ist, Bürger und Betroffene umfassend zu informieren", betrachtet Hubert Kamml, Vorstandsvorsitzender der VR-Bank Mangfalltal-Rosenheim, das "Hochwasserforum Mangfalltal" mit seinen Vorträgen, Diskussionsforen und Ausstellungen als Teil der Verantwortung seiner Bank.

Was ist mit dem Öltank im Keller? Wo sind die Fluchtwege? Gibt es Kerzenvorräte, falls die Stromversorgung ausfällt? Kann man die Lichtschächte dichter machen, das Erdgeschoss höher legen und Dammbalken vor der Haustür einbauen? Mit welcher Zusatzversicherung kann man sich davor schützen, durch eine Jahrhundertflut in den Ruin getrieben zu werden? Dies sind nur einige Fragen, mit denen sich nicht nur 42.000 Anwohner im Bereich der Mangfall, sondern alle Menschen in Stadt und Landkreis Rosenheim befassen sollten. Geisenhofer: "Eine Sturzflut kann jeden treffen."

Die Veranstaltungsreihe, die unter Schirmherrschaft von Umweltminister Dr. Markus Söder steht und sich über Monate erstreckt, nähert sich der Hochwasserproblematik durch Inn und Mangfall mit verschiedensten Ansätzen: mal historisch, literarisch, ökologisch oder philosophisch, mal vor dem Hintergrund des Klimawandels. Auch Themen wie Vorsorge und Versicherungsschutz werden von Sachverständigen, Bauexperten und Versicherern aufgegriffen, was besonders Bank-Chef Kamml am Herzen lag. Die Vortragsreihe mit hochkarätigen Referenten startet am Mittwoch, 5. Mai, mit Dr. Helmut Klarner vom Kunstverein Rosenheim, der ab 20 Uhr im Inn-Museum Rosenheim über "Naturgewalten in Kunst und Literatur" spricht.

Weitere Titel

  • 19. Mai: "Was Sie schon immer über Hochwasser wissen wollten"
  • 21. Mai bis 27. Juli: Ausstellung "Klima und Co2"
  • 9. Juni: "Das Mangfallprojekt - ein integrales Schutzkonzept"
  • 13. Juni: Fahrradtour "Freiheit für den Inn"
  • 16. Juni: "Hochwassermanagement in Tirol - was hat Rosenheim davon?"
  • 28. Juni: "Das Klima ändert sich - was kommt auf das Mangfalltal zu?"
  • 14. Juni bis 15. August: Ausstellung "Hochwasserschutz Mangfalltal"
  • 21. Juli: "Kluger Mann baut vor - was Sie selbst zur Hochwasservorsorge tun können"
  • 28. Juli: "Ökologie und Hochwasserschutz - ein unüberbrückbarer Widerspruch?"
  • 1. August bis 30. Oktober: Ausstellung "Gewässerökologie Inn"
  • 15. September: "Naturgewalten - wie viel Sicherheit braucht der Mensch?"
  • 29. September: "Klimaänderung und Wasserwirtschaft: global denken, lokal handeln".

Näheres im Internet unter:

www.wwa-ro.bayern.de

Ludwig Simeth (Oberbayerisches Volksblatt)

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