Fremde Biber nagen in der Nacht

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Kuh-Skulptur mit Stadtansicht von Rosenheim: Das von Gervais-Danone gestiftete Tier stellt keine Gefahr dar für die Pflanzen auf der Landesgartenschau. Zwei zugezogene Biber hingegen machen sich nachts über die Rinde der Bäume her. Foto bi

Rosenheim - Wenn 15000 Menschen am Tag und zwei Biber in der Nacht ein- und dasselbe Ziel haben, bleiben Probleme nicht aus. So ist es auch auf der Landesgartenschau. Die Verantwortlichen versuchen, auf Beschwerden so gut es geht einzugehen.

Nur den beiden "Fremdbibern", die nachts derzeit an den Gehölzen nagen, soll durch einen Schutzanstrich der Bäume der Appetit vergehen. Nach zwei Wochen haben schon über 80000 Besucher die Anlagen an Inn und Mangfall gesehen. Den meisten Leuten gefällt die Gartenschau. Dass auch Kritik kommen würde, damit war zu rechnen. Am Sonntag etwa bildeten sich extrem lange Schlangen vor dem Eingang "Mühlbachbogen". Vier Busse lieferten dort auf einen Schlag rund 300 Besucher ab. "Da waren zwei Kassen nicht genug, und selbst nach Öffnung der dritten gab es Wartezeiten", bedauert Pressesprecherin Claudia Bultje- Herterich.

Der zweite Eingang, "Mangfallpark Süd", hat sich derweil zum eigentlichen Haupteingang entwickelt. Das liegt nach den Worten von Gastronom Lutz Albrecht daran, dass der Pendelbus Gäste, die außerhalb ihre Autos parken, dort absetzt und nicht, wie eigentlich vorgesehen, am Mühlbachbogen. "Uns wurde erklärt, der Bus könne sonst den Halbstundentakt nicht einhalten", erklärt Albrecht. Auf einen solchen Ansturm an dieser Stelle war die Gastronomie deshalb zunächst nicht vorbereitet. Klagen kamen prompt. "Dort gibt es eine einzige Kaffeemaschine. Wir warteten für vier Tassen Latte macciato zehn Minuten, da eine nach der anderen gemacht werden musste. Für Kuchen/Essen musste man sich noch einmal anstellen", beschwerte sich eine Besucherin. Inzwischen wurden die Gastronomiebereiche neu durchorganisiert - es gibt nun auch eine zweite Kaffeemaschine. Kein Eis, weil die Kühlung kaputt war, keine Hendl mehr am Nachmittag, weil der Grill nicht mehr betrieben wurde: Lutz Albrecht bittet um Verständnis dafür, dass nicht alles auf Anhieb einwandfrei klappen kann.

Vorwürfe, die Getränkepreise seien zu hoch, weist er allerdings zurück. Die mit der Geschäftsführung der Landesgartenschau Rosenheim abgesprochenen Preise lägen sogar unter denen in anderen Städten. Rosenheim habe sich bei den Verhandlungen als "sehr preissensibel" herausgestellt. 0,3 Liter Coca Cola kosten 2,20 Euro, 0,5 Liter Apfelschorle 3,40 Euro, ein 0,3 Liter Helles 2,50 Euro - Preise, wie sie in der Gastronomie üblich sind.

Als unpraktisch hatten es Besucher mit Dauerkarte empfunden, dass sie für ihre nicht kostenpflichtigen Kinder Karten an der Kasse abholen und dafür extra anstehen mussten. Inzwischen liegen diese Karten direkt an den Eingangstoren bereit. Für Fahrradfahrer werden in den nächsten Tagen 200 weitere Ständer am Mangfallpark Süd aufgestellt, im Gelände verteilt die Landesgartenschaugesellschaft noch weitere Mülltonnen.

Vielleicht ein festes Revier? Zwei fremde Biber überprüfen momentan das Gelände auf seine Tauglichkeit. Der Bund Naturschutz präsentiert ja zwei junge Artgenossen, die über eine Kamera in ihrer Höhle beobachtet werden können. Die "Fremdbiber" hingegen leben nicht zusammen. Jeder von ihnen unternimmt nachts allein nächtliche Streifzüge, nagt an Rinden und knickt manchen Ast. Dass dies bei der Lage an so vielen Gewässern vorkommen würde, darauf war die Lgs-Gesellschaft vorbereitet. Die wichtigen Bäume erhielten schon vor längerer Zeit einen Anstrich mit Kleber und Quarzsandgemisch bis zu einer Höhe von 1,20 Meter, gar nicht angenehm für Biberzähne. "Wir haben die Lebkuchenbäume geschützt und den Ahorn und alles, was erhaltenswert ist, aber nicht jedes kleine Gehölz", erläutert Projektleiter Ralf Seeburger. Jetzt sei die Jahreszeit, in der von den Eltern vertriebene Jungtiere neue Reviere suchen. Ob die beiden Zuzügler bleiben, werde sich zeigen. "Vielleicht ziehen sie auch weiter", meint Seeburger, "jedenfalls sind sie jetzt da, und wir müssen mit ihnen leben. Ein Trost: Immerhin fressen sie nicht unsere schönen Blumen."

Alles zur Landesgartenschau: Special auf www.rosenheim24.de/landesgartenschau

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