Eine Frage von Sicherheit und Geld

Rosenheim - Gefährlich oder nicht gefährlich? Je nach Einstufung des Schulwegs durch die Stadt müssen Eltern für den Schulbus zahlen oder nicht.

Neubewertungen entfachten kürzlich viel Protest. Teilweise lenkte die Stadt ein - in einem Fall, weil übersehen worden war, dass der "nicht gefährliche" Schulweg ausgerechnet offizielle Umleitungsstrecke für die A8 ist.

Die Schüler aus Westerndorf am Wasen gehören zum Sprengel der Grundschule Pang beziehungsweise der Mittelschule Aising. Bisher hatte die Stadt den Schulweg als "besonders gefährlich" eingestuft. Der Verkehrssicherheitsbeauftragte der Stadt, Polizei und Vertreter des Schulamtes kamen bei einer Ortsbegehung zu einem anderen Ergebnis. Damit wäre die kostenfreie Beförderung der Schüler entfallen. Um den Fußgängerüberweg in Westerndorf sicherer zu machen - auf einer Seite ist nicht einmal ein Gehweg vorhanden - ließ die Stadt dort Pfosten montieren, die den Schülern zumindest einen gewissen Raum geben sollten, dort zu stehen und zu warten, eine optisch ungewöhnliche und von vielen Autofahrern mit Unverständnis angesehene Lösung.

Das reichte den Eltern nicht aus. Sie blieben dabei: Der Schulweg ist gefährlich. Bei einem Ortstermin konnten sie mit ihren Argumenten tatsächlich überzeugen, vor allem wegen der fehlenden Beleuchtung des Gehwegs zwischen Westerndorf am Wasen und Pang. Die Stadt sagte schließlich eine Winterfahrkarte zu. Damit hätten die Kinder von Oktober bis einschließlich März kostenfrei den Bus benützen können. Dann aber überprüfte die Verwaltung noch einmal das Verkehrsaufkommen. Dabei stellte sich heraus, dass die Strecke Teil der offiziellen Umleitungsstrecke der A8 ist und allein schon aus diesem Grund die Einstufung "besonders gefährlich" gilt. Nun erhalten wieder alle Schüler aus Westerndorf am Wasen eine reguläre Fahrkarte für den Stadtverkehr - für das ganze Jahr.

Eltern aus Heilig Blut hatten sich 2001 an das Bayerische Verwaltungsgericht gewandt, weil sie mit der Einstufung des Schulwegs durch die Stadt nicht einverstanden waren. Das Gericht gab ihnen Recht. Die Stadt musste wegen "besonderer Gefährlichkeit" die Fahrkarte zur Volksschule Aising zahlen. Durch den Bau der Straße Panorama-Schwaig hat sich die Situation in der Zwischenzeit inbesondere an der Einmündung der Mangfallstraße in die Aisinger Straße erheblich verändert. "Nicht mehr gefährlich", entschied nun die Verwaltung bei der Neubewertung. 30 Schüler waren betroffen, in 17 Fällen legten Eltern Widerspruch ein. Die Regierung von Oberbayern stellte sich auf ihre Seite. Zumindest in den Wintermonaten sei der Schulweg für Grundschüler doch als "besonders gefährlich" anzusehen, wegen der fehlenden Beleuchtung an der oben genannten Einmündung. Nun bekommen die Kinder eine Winterfahrkarte.

CSU-Stadtrat Florian Ludwig und sein Kollege von der WIR, Franz Weiland, wunderten sich, dass "erst dann was geht, wenn von Bürgerseite Protest kommt." Beide hielten es für gut, dass sich demnächst ein "runder Tisch" grundsätzlich mit dem Thema beschäftigen wird, wie von der Stadt angekündigt.

Die nur rund 90 Zentimeter breite Kaltenbrücke in der Aisingerwies hatte in der Vergangenheit den Schulweg "sehr gefährlich" gemacht. Alle betroffenen Grund- und Mittelschüler erhielten deshalb eine Fahrkarte zur Volksschule Aising. Jetzt nahm die Stadt eine neue Einstufung vor: "Nicht gefährlich" für Mittelschüler, also ab fünfter Jahrgangsstufe, "gefährlich" weiterhin für Grundschüler. In diesem Fall widersprachen von 28 betroffenen Eltern drei bei der Regierung. In diesem Fall teilte die Regierung die Rechtsauffassung der Stadt.

re/Oberbayerisches Volksblatt

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