Altenwohnungen mit Demenz-Tagesklinik geplant

Wie hoch hinaus darf das Färberviertel wachsen?

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Für den Neubau, soll das orangefarbene Haus, abgerissen werden. 

Rosenheim - In der Färberstraße soll eine fünfgeschossige Demenz-Tagesklinik mit Penthouse-Wohnung entstehen. Das Projekt verspricht Nachverdichtung - aber eben auch eine optische Veränderung des Quartiers.

Eigentlich trifft das geplante Projekt im Stadtrat auf viel Wohlwollen: Der Bau von 34 Altenwohnungen für betreutes Wohnen, mitsamt einer Demenz-Tagesklinik und einem Café. Hierzu sollen zwei Gebäude in der Färberstraße 25-27 neu gebaut werden, die als eine Wohnanlage über die Straßenecke miteinander verbunden sind. "Sehr sympathisch", findet Oberbürgermeisterin Gabriele Bauer dieses Vorhaben. 

Eigentlich. 

Wäre da nicht das geplante fünfte Stockwerk - eine Penthouse-Wohnung! Die Verwaltung befürchtet, dass durch das fünfte Stockwerk eine unkontrollierte Entwicklung in die Höhe in Gang gesetzt werden könnte, die das ehemalige Handwerkerviertel in der bisherigen Struktur stark verändern würde. Zwar soll die Penthouse-Wohnung im fünften Stock zurückversetzt gebaut werden, dennoch sei es faktisch ein fünftes Stockwerk und rechtlich keine Einzelfallerlaubnis möglich. 

Vier Stockwerke wären kein Problem

"Die Innenstadt braucht Wohnungen und sollte nachverdichtet werden", räumte Amtsleiter Michael Kettenstock ein. Doch man solle sich die Steuerungsmöglichkeit bewahren. Mit einem fünften Stockwerk wecke man Begehrlichkeiten bei anderen Bauherren. Diese könnten dann ebenfalls weiter in die Höhe bauen wollen - auch ohne zurückversetzte Obergeschosse. 

Ob das Färberviertel überhaupt ein besonderes Flair habe, welches es zu schützen gilt, wurde am Donnerstag im Stadtentwicklungs- und Baugenehmigungsausschuss diskutiert. Für CSU-Fraktionschef Herbert Borrmann ist es kein optisch geschlossenes Viertel. Es habe eine "kunterbunte Struktur". 

Das sieht Grünen-Stadtrat Weigl anders. Das Färberviertel habe "in seiner Grundstruktur" durchaus ein besonderes Flair. Man könne mehr daraus machen. 

SPD-Stadträtin Gabriele Leicht verwies auf den Ludwigshof, der direkt an das Färberviertel anschließt. Dieser hat zwar nur vier Stockwerke, erreicht aber eine Höhe, die dem geplanten Neubau entspricht. Jedoch befürchtet auch Leicht eine unkontrollierte Entwicklung, wenn sich durch eine Genehmigung gleichzeitig die Erlaubnis für andere Bauherren ergibt. 

So blieb letztlich CSU-Stadtrat Josef Gasteiger der einzige klare Fürsprecher für das Projekt. Es gehe hier "genau um nur einen Meter", den der Neubau über das Nachbarhaus hinausrage. Eine von der Verwaltung angestrebte Bauleitplanung dauere außerdem normalerweise Jahre. Das Argument Zeit konnte die Verwaltungsspitze aber nicht überzeugen. Die Projektidee gebe es sowieso schon seit rund fünf Jahren, ohne dass viel passiert sei. 

Lenkt der Bauherr ein?

So fasste Oberbürgermeisterin Gabriele Bauer den Beschluss des Ausschusses zusammen: Besteht der Bauherr weiterhin auf das fünfte Stockwerk, braucht es einen Bauleitplan zur Klärung der Grundsatzfrage der Höhenentwicklung. Jedoch müsse das Gremium in diesem Fall vorab noch klären, ob man diese Bauleitplanung überhaupt wolle, also ob man sich grundsätzlich für ein fünftes Stockwerk ausspricht und das prüfen lasse wolle. 

Entscheidung vertagt also - es sei denn, der Bauherr verzichtet auf die geplante Penthouse-Wohnung und baut zunächst nur die Altenwohnungen mit Demenz-Tagesklinik. Schließlich, so die Oberbürgermeisterin, könne man die Penthouse-Wohnung auch eventuell zu einem späteren Zeitpunkt noch anbauen.

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