Schon vor 50 Jahren einen Abriss überlebt

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Ein Denkmal umzingelt: Wenig ist noch vom eigentlichen Felsenbrunnen übrig

Rosenheim - Vom eigentlichen Ensemble des Rosenheimer Felsenbrunnens ist so gut wie nichts mehr vorhanden. Im Laufe der Jahre wurde das Kunstwerk immer mehr entstellt.

Bewusstes Hinschauen öffnet die Augen für die hässliche Umgebung eines Relikts vergangener Zeiten, aus Nostalgie erhalten, aber lieblos. Die Schönheit ist schon lange dahin

So sah der Felsenbrunnen ursprünglich aus. 1908 wurde das Ensemble als Symbol für die Nähe Rosenheims zum Gebirge aufgestellt.

Der Felsenbrunnen an der Ecke Prinzregenten-/Stollstraße stammt aus dem Jahr 1908. Schon nach wenigen Jahrzehnten war er an dieser zentralen Stelle offenbar im Wege. Vor genau 50 Jahren jedenfalls, im Januar 1962, folgte der Stadtrat einer Empfehlung des damaligen Stadtdirektors und späteren Oberbürgermeisters Dr. Albert Steinbeißer, die neuen Möglichkeiten des gerade in Kraft getretenen Bundesbaugesetzbuches zu testen. Dies wollte man im kleinen Karree im Vorhof der Volksschulen an der Stoll- und Heilig-Geist-Straße tun. Den "unglücklichen" Felsenbrunnen sollte, wie das Oberbayerische Volksblatt berichtete, ein etwas zurückgesetzter Verkehrs-Pavillon ablösen. Beabsichtigt war zudem, das Wohnhaus an der Ecke Prinzregenten- und Frühlingstraße abzubrechen und auf dem so gewonnenen größeren Platz für die genannten Volksschulen eine Turnhalle zu bauen. Aus beiden Plänen wurde nichts. Abgerissen wurden hingegen später die Schulen. Der Felsenbrunnen überlebte.

1970 stellte die Stadt ein Transformatorenhaus daneben. Das OVB kommentierte: "Die Trafostation fügt sich so harmonisch zwischen Felsbrunnen und Stollschule ein wie eine hässliche Warze auf einem hübschen Mädchengesicht." Das Felsen-Arrangement mit Wasserfall, efeubewachsen und von Bäumen umgeben, war wohl als Symbol für die Nähe Rosenheims zum Gebirge gedacht. Diesen Charakter hatte es zu diesem Zeitpunkt schon verloren. Die Stadt sagte eine Begrünung der Trafostation zu. Zehn Jahre später war die Betonwand immer noch nackt.

Gelder für "Blue Cube" in Aussicht

Dann aber erhielt das Transformatorenhaus eine künstlerische Ummantelung, die sieben Jahre in der Dunkelheit blau strahlte, bis die Kraft der LED-Leuchten 2009 erschöpft war. 20000 Euro würde es kosten, den "Blue Cube" des Künstlers Oliver Hein wieder zum Leuchten zu bringen. So teuer ist es, weil die äußere Hülle abgebaut werden muss, um die LED-Leuchten zu ersetzen. Diese Kosten scheute die Stadt bisher. Derzeit gibt es unverbindliche Sponsorenzusagen. Möglicherweise wird die Stadt nur etwa 6000 Euro zahlen müssen. Kulturreferent Robert Berberich ist überzeugt davon, dass die Leuchten diesmal dank einer weiterentwickelten Technik wesentlich länger halten werden und nicht nach wenigen Jahren wieder ein teurer Austausch notwendig wird.

Das Gebäude der Volkshochschule in der Stollstraße, 2001 erbaut, nahm dem Felsenbrunnen noch mehr Licht und Raum. Deshalb machte der damalige Stadtbaudirektor Dr. Günther Antusch 2002 vorsichtig den Vorschlag, die Stadt möge sich vom Felsenbrunnen-Ensemble oder dem, was noch davon übrig war, verabschieden. Der Bauausschuss sagte "Nein". Schön und gelungen nannte keiner den Brunnen, aber es hingen Erinnerungen daran, an Klettereien während der Kindheit und erste Rendevous. Im Gegenteil: Der Ausschuss beschloss, den Bereich wieder attraktiver zu gestalten. Doch mit dem Absterben von zwei weiteren Bäumen - noch eine einzige Buche und ein Gebüsch sind übrig - geschah genau das Gegenteil.

Immerhin sanierte die Stadt das Innenleben, und es fließt in den entsprechenden Jahreszeiten wieder Wasser. Zuvor war die Ecke zur Müllkippe verkommen. Umgeben von Ampeln, Verkehrzeichen, einem Wegweiser für Fußgänger, dem nicht mehr leuchtenden Trafohaus und der kühlen Seitenwand der Volkshochschule lässt der Steinhaufen trotzdem nicht ahnen, was einmal in ihm steckte. Am besten, man schaut nicht bewusst hin.

Oberbayerisches Volksblatt

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