Griechischer Familienbetrieb „Mykonos“

Rosenheimer Gastronom will ein Zeichen setzen: „Sehen uns gezwungen, diesen Schritt zu gehen“

Christos Pappas bietet ab sofort auch kein To-Go-Essen mehr an und will damit ein Zeichen setzen.
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Christos Pappas bietet ab sofort auch kein To-Go-Essen mehr an und will damit ein Zeichen setzen.

Rosenheim - Der Frust bei vielen Gastronomen in ganz Deutschland ist aufgrund der erneuten coronabedingten Schließungen ihrer Betriebe groß. Viele fühlen sich unverstanden und im Stich gelassen. Nun setzt ein Gastronom aus Rosenheim ein ungewöhnliches Zeichen.

Seit 1998 ist das Restaurant „Mykonos“ eine feste Institution in Rosenheim. Die Menschen schätzen die hochwertige griechische Küche des Familienbetriebs und besuchen gerne das Lokal in der Innstraße. Doch in diesem Jahr ist alles ein bisschen anders. Aufgrund der Corona-Pandemie musste die Familie Pappas bereits im Frühjahr ihren Betrieb für neun Wochen schließen. Mit dem To-Go-Angebot konnte man sich etwas über Wasser halten, wenngleich dies aufgrund des hohen Wareneinsatzes bei Speisen ein schwieriges Unterfangen war. Dennoch die Freude auf den Sommer und das restliche Jahr war groß.

Mindestens vier Wochen Zwangspause

Vor einer Woche folgte jedoch der nächste Nackenschlag. Aufgrund der steigenden Infektionszahlen entschloss sich die Bundesregierung dazu, einen „Lockdown Light“ auszurufen. Mit dem Resultat, dass alle Gastronomen erneut dazu angehalten wurden, für mindestens vier Wochen ihre Pforten zu schließen. Für Mykonos-Geschäftsführer Christos Pappas ein Schlag ins Gesicht.

„Diejenigen, die mich kennen, wissen ganz genau, dass ich nicht der Typ bin, der auf Social-Media oder ähnlichen Kanälen viel sagt oder sogar ein Video dreht“, mit diesen Worten beginnt Christos sein Statement, „aber wir wollen ein Zeichen setzen.“

Bereits im Frühjahr habe man alle Maßnahmen kommentarlos hingenommen, man wollte Teil der Lösung und nicht Teil des Problems sein. In den vergangenen Wochen habe man penibel auf die Einhaltung der Hygieneregeln geachtet. „Wir haben Geld in die Hand genommen. Wir haben den Betrieb komplett umstrukturiert. Haben in Maschinen, in Desinfektionsgeräte, in Mittel, die zur damaligen Zeit zu horrenden Preisen zu kaufen waren, investiert. Haben uns und auch unser Personal geschult“, erklärt Christos.

Enorme Investitionen und Umsatzeinbußen

Man habe des Weiteren zu keiner Zeit gegen die Regeln verstoßen. Ein Mitarbeiter habe sich die gesamte Sommerzeit über ausschließlich um die Einhaltung der Maßnahmen gekümmert. „Wir haben alles erdenklich Mögliche gemacht, um die Gefahr bei uns zu minimieren“, so Christos. Gleichzeitig nutzt er die Gelegenheit und bedankt sich bei seinen treuen Gästen, welche stets kooperativ und verständnisvoll regiert hätten.

Mit Hinblick auf den Winter habe man sich weiter eigenständig dazu entschieden, im Lokal jeden zweiten Tisch zu sperren, „was speziell am Wochenende mit enormen Umsatzeinbußen, die wir freiwillig auf uns genommen haben, verbunden war“.

Obwohl Christos sehr lange die Maßnahmen verstehen konnte und auch den Kampf zur Eindämmung des Coronavirus weiterhin unterstütze, wurde die Entscheidung, die Gastronomie wieder zu schließen seiner Meinung nach willkürlich getroffen. „Einen musste es offensichtlich treffen, dann halt eben uns. Und jetzt hält man uns hin mit eventuellen staatlichen Hilfen, die nach einer Woche noch nicht einmal online zu sehen sind.“

Kein Außer-Haus-Angebot

Deshalb habe der Familienbetrieb für sich entschieden, ein Statement zu setzen. Das Mykonos bleibt bis auf Weiteres komplett geschlossen. „Wir werden auch kein Außer-Haus-Essen verkaufen. Weil wir einfach ein Zeichen setzen wollen. In diesem Sinne möchte ich mich einzig und allein bei unseren Gästen entschuldigen, dass wir in dieser Zeit nicht da sein können, aber ich sehe mich gezwungen, diesen Weg einzuschlagen. Und ich würde mich freuen, wenn Kolleginnen und Kollegen mitmachen, damit wir unsere Position klar und deutlich darstellen. Vielen, vielen Dank für euer Verständnis.“

Christos Pappas betont im Gespräch mit rosenheim24.de, dass er sich deutlich von Corona-Leugnern und Verschwörungstheoretikern abgrenzen möchte. Für ihn sei Covid-19 eine ernste Angelegenheit bzw. gefährliche Krankheit, die man nur zusammen meistern bzw. besiegen könne. „Ich will nicht, dass meine Worte in irgendeiner Form falsch interpretiert werden. Ich möchte damit lediglich auf die Notsituation in der Gastronomie hinweisen.“

mz

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