Händler in den Startlöchern

„Hätte schon früher möglich sein sollen“: Rosenheimer Einzelhandel startet mit Click&Collect

Ab Montag ermöglicht auch Bayern das Prinzip Click & Collect: Kunden können bei stationären Händlern bestellen und ihre Ware dann vor Ort abholen. Für viele Händler in Rosenheim ist der Freistaat mit dieser Möglichkeit jedoch schlichtweg zu spät.
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Ab Montag ermöglicht auch Bayern das Prinzip Click & Collect: Kunden können bei stationären Händlern bestellen und ihre Ware dann vor Ort abholen. Für viele Händler in Rosenheim ist der Freistaat mit dieser Möglichkeit jedoch schlichtweg zu spät.

Ab Montag , 11. Januar, ist es auch in Bayern möglich, seine Waren bei lokalen Händlern per Click&Collect zu kaufen. Viele Geschäftsleute in Rosenheim hätten sich diese Möglichkeit für Bayern schon früher gewünscht.

Von Jens Kirschner

Rosenheim – Das meint zumindest Stefan Glocker, Inhaber von Böck Herrenmode, „Marc o‘ Polo Men“ und „Marc o‘Polo Woman“: „Das hätte schon viel früher möglich sein sollen, wie das auch in anderen Bundesländern schon möglich war“, klagt er. Dennoch ist es mit seinen Geschäften selbstredend dabei. Selbst die Beratung ist digital möglich, über einen Videostream. Neben der kontaktlosen Abholung in den Geschäften bietet Glocker auch einen Lieferservice an.

Weihnachtsgeschäft gelaufen

Ungehalten darüber, dass sich Bayern erst so spät für diesen Weg des Einkaufens während des Corona-Lock-Downs entschieden hat, ist auch Karin Michalzik von „In.Ti.Mi – Wäscheträume Bademode“. Die Möglichkeit für Click & Collect komme in Bayern zu spät, das wichtige Weihnachtsgeschäft sei gelaufen. „Das ist eigentlich traurig“, findet sie. Für ihren Laden bietet sie eine telefonische Beratung, Fotos ihrer Ware verschickt sie auch über den Messenger WhatsApp und stellt ihren Kunden ebenso gerne eine individuelle Kollektion zusammen, die dann bei ihr im Laden abgeholt werden kann.

„Ich versteh‘s überhaupt nicht“

Unverständnis über Bayerns spätes „Zugeständnis“ an die hiesigen Händler hat auch Brigitte Wagner, Inhaberin der Buchhandlung Beer. „Ich versteh‘s überhaupt nicht“, kommentiert sie das lange Zögern des Freistaats. In Berlin sei der Buchhandel sogar systemrelevant. „Sind wir in Bayern weniger lesefreundlich“, fragt Wagner, die ebenso darunter leidet, dass ihr der Lock-Down das Weihnachtsgeschäft verhagelt hat. „Die beste Zeit im Buchhandel“, wie sie schildert.

Zumindest zeigt sich Wagner erleichtert darüber, dass sie nun nicht mehr ausschließlich darauf angewiesen ist, Bücher auszuliefern – persönlich wohlgemerkt. Der Service bei ihr läuft telefonisch: Die Kunden bestellen, hinterlassen ihre Adresse und erhalten ihre Bücher gegen Rechnung.

„Richtig und notwendig“

Bei „Adlmaier – Mode für Männer“ können sich Kunden online über das Sortiment des Hauses informieren und auf der Homepage die gewünschten Artikel auswählen. „Wir prüfen dann, ob die gewünschten Teile vorhanden sind und vereinbaren mit den Kunden einen Termin“, schildert Geschäftsinhaber und Vorsitzender des City-Managements Paul Adlmaier die Vorgehensweise in seinem Haus.

Er findet es grundsätzlich richtig und auch notwendig, dass Bayern erlaubt, dass jenseits der Grundversorgung auch andere Händler wieder öffnen. Zumal er und seine Kollegen im Einzelhandel ja auch die geforderten Hygienekonzepte ausgearbeitet und umgesetzt hatten. Dennoch: „Natürlich sind wir über jedes Teil froh, das wir verkaufen und dem Kunden anbieten können“, sagt Adelmaier. Seine Version von Click & Collect läuft jedoch erst am Mitte oder Ende kommender Woche.

Verändertes Verhältnis zu Amazon

Für Karl-Georg Reindl vom gleichnamigen Rosenheimer Schuhhaus ist „Click & Collect“ nichts neues. „Wie bieten Click & Collect schon seit mehreren Jahren an“, berichtet der Geschäftsinhaber. Dass Bayern mit seiner Entscheidung, diese Möglichkeit während des Lock-Downs zuzulassen, so lange gewartet hat, findet er „fraglich“.

Jedoch hat Reindl durch die momentanen Umstände eine ganz andere Erfahrung gemacht. Nämlich, dass die Menschen mit Beginn des Lock-Downs wieder mehr zu schätzen wüssten. Oder wie er es ausdrückt: „Ab dem Zeitpunkt des Lockdowns haben die Verbraucher vielleicht gemerkt, dass ihnen Amazon nicht so nahe steht wie der hiesige Handel.“ In seinem Schuhhaus stellt Reindl seine Ware in sechs großen Schaufenster aus. Die Paare sind allesamt nummeriert, ein System, anhand dessen sich die Kunden sich ihre Ware aussuchen können und telefonisch bestellen können.

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