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Das sind Eure Leserbriefe

Ponykarussell auf der Wiesn: „Tierquälerei“ und „eine Schande für Rosenheim“

Zwei Kinder reiten in einem Pony-Karussell auf zwei Pferden
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Viele Kinder lieben das Ponyreiten auf der Wiesn. Für Tierschützer ist es ein Graus.

Seit Jahrzehnten steht es auf dem Rosenheimer Herbstfest neben dem Riesenrad: das Ponykarussell. Auch heuer wieder, denn obwohl das Ponyreiten seit Längerem in der Kritik steht, hält man in Rosenheim an dem Angebot fest – zum Unverständnis von Tierschützern. Auch viele OVB24-Leser haben uns ihre Meinung dazu geschickt.

Rosenheim - Für viele Kinder ist das Ponyreiten auch heute noch einer der Höhepunkte eines Wiesnbesuchs. Doch die Kritik an dieser Art der Volksfest-Unterhaltung wird immer lauter. In diesem Jahr fand am Eröffnungstag der Wiesn sogar eine Ponykarussell-Demonstration statt.

Organisator der Demo war Andreas Kulot. Er ist Ortsgruppensprecher der Tierschutzorganisation „Animals United“, die sich schon seit mehr als sieben Jahren für ein Verbot des Ponykarussells auf dem Herbstfest einsetzt.

Nach unserem Leseraufruf zu dem Thema hat sich Andreas Kulot noch einmal mit einem Leserbrief an die Redaktion zu Wort gemeldet:

„Mich stört dieses Fossil auf dem Herbstfest schon lange! Wollen wir unseren Kindern wirklich beibringen, dass fühlende Lebewesen zur Unterhaltung dienen? Die Esel- und Kamelritte in den Touristenorten stehen derzeit heftig in der Kritik, genauso wie Kutschenfahrten in Städten wie Wien. Auch diese werden der Reihe nach abgeschafft und verboten. Zuletzt auch in Palma de Mallorca. Warum kritisieren wir überall anders und akzeptieren die Tierquälerei vor der Haustür?! Das Ponykarussell muss weg!“

Bereits im Januar dieses Jahres hat die Rosenheimer Stadträtin Ricarda Krüger (damals noch „Die Partei“ mittlerweile SPD) einen Antrag auf Verbot des Ponykarussells gefordert. „Ich finde, dass das Ponykarussell nicht das richtige Bild ist, das wir Kindern im Umgang mit Tieren vermitteln sollten“, sagte Krüger Anfang des Jahres im Ausschuss. Die Grünen unterstützten den Antrag.

Gebracht hat der Vorstoß nichts. Das Ansinnen, dass sich die Stadt Rosenheim dafür einsetzt, dem Wirtschaftlichen Verband als Veranstalter des Herbstfestes ein Verbot vorzuschlagen, wurde abgelehnt.

Die Stadt verwies in der Sitzung im Januar auf den Wirtschaftlichen Verband, der wiederum am Ponyreiten auf dem Herbstfest festhalten will, da die Betreiber des Angebots versichern, alle tierrechtlichen Auflagen zu erfüllen. Unter anderem werde darauf geachtet, dass die Ponys viele Pausen bekommen, und zwischen ihren Auftritten werden sie auf einer Koppel beherbergt.

Die Stadt München verbietet Ponyreiten ab 2024

Auf dem Oktoberfest und bei anderen Volksfesten auf städtischen Flächen Münchens wird es ab 2024 kein Ponyreiten mehr geben. SPD und Grüne haben dieses Verbot erwirkt, CSU, FDP, Bayernpartei und ÖDP/Freie Wähler hatten dafür plädiert, das Ponyreiten weiter zu gestatten, auch weil das städtische Veterinäramt die Tiere engmaschig kontrolliere und nicht zuletzt, weil es für die Schausteller einem Berufsverbot gleich komme. Viele Betreiber sehen sich dann gezwungen, sich von den Tieren zu trennen.

Tierschützer begrüßten den Beschluss. „Die Entscheidung, Ponykarussells in München in die Geschichtsbücher zu verbannen, hat große Symbolkraft. Auf dem Oktoberfest, dem größten Volksfest der Welt, darf man Ponys ab 2024 nicht mehr wie Maschinen stundenlang im Kreis laufen lassen“, sagte Peter Höffken, Fachreferent bei der Organisation PETA.

Peta bezeichnet das Ponyreiten auf Volksfesten als Tierquälerei für den Profit. Das stundenlange im Kreis laufen sei gegen die Natur und schade der Wirbelsäule der Pferde, Kinder würden die Tiere oft versehentlich durch Unwissenheit traktieren. Als Flucht- und Lauftiere seinen Ponys und Pferde zudem durch den Lärm und Rummel gestresst.

Ponykarussell - Tradition oder Tierquälerei? Das sind Eure Leserbriefe:

Sarah Gfrörer aus Wasserburg am Inn

Viele deutsche Städte haben bereits ein Ponykarussell-Verbot auf Brauchtumsveranstaltungen erlassen – nur Rosenheim macht sich mit seinem Konservatismus, seiner Ignoranz und Borniertheit zum Schlusslicht in Sachen Ponyleid-Verbannung. (...) Ponys sind keine Karussellfiguren, sondern Fluchttiere, die äußerst sensibel auf Überreizung reagieren und keinesfalls freiwillig - aufgezäumt und kindertragend - stundenlang stupide im Kreis laufen würden, wenn da nicht der Zwang und das bedrohliche Knallen der Peitschen wären.

Der Bewegungsapparat der Kleinpferde leidet nachweislich unter dem monotonen Gangmuster im Ponykarussell. (...) Weitere erhebliche Stressoren stellen Rummel-Lärm, Kindergeschrei, dauerndes betatscht werden sowie das Tragen von ständig wechselnden „Reiter:innen“ dar, die sich meist unsanft in den Sattel schwingen. Fehlerhafte Zäumungen bereiten den Ponys zudem oft Schmerzen. Auch der pädagogische Aspekt ist verheerend: Mit der Präsenz und vor allem der Nutzung von Ponykarussells wird Kindern ein völlig verzerrtes Bild von Tieren und ihren arttypischen Bedürfnissen suggeriert. (...)

Tina Achatz

Ich bin auch der Meinung, dass es nicht sein muss und dass es verboten gehört. Sollte man seine Kinder reiten lassen wollen, dann ist es auf jedem Ponyhof zehnmal besser.

Herbert Elbl aus Haiming

Die Tiere haben sich angepasst, haben alles was sie brauchen, damit sie das auch gut durchstehen. Gestresste Tiere wären für das ja eh nicht geeignet. Was kommt als nächstes? Pferdesport, denn hier werden die Tiere zu Höchstleistungen getrieben, Hunde, die Rauschgift schnüffeln, Katzen einsperren, damit sie keine Vögel fangen, Kutschfahrten für Urlauber usw. Ich finde, solange die Tiere gesund sind und gut versorgt werden, ist das in Ordnung, auch wenn sie für den Menschen etwas leisten müssen. Auch wir Menschen müssen Leistungen erbringen, um gut leben zu können.

Nicht nur zahlreiche Leserbriefe haben uns erreicht, auch auf den Facebookseiten von OVB24 wurde heiß diskutiert:

Manuela Windelband (rosenheim24)

Das ist Tierquälerei! Den ganzen Tag im Kreis laufen, also ich würde durchdrehen. Und besonders glücklich sehen die Pferde auch nicht aus. Das hätte schon vor Jahren verboten werden sollen!!!

Anton Lohr (mangfall24)

Hey Leute, habt ihr noch alle Latten am Zaun? Ihr argumentiert hier, als ob die Ponys ihr gesamtes Leben nur im Kreis gehen. Diese 16 Tage und auf weiteren Festen, dazwischen sind sie gut versorgt. Lasst für die Zukunft alle Tiere frei laufen, beschwert euch aber nicht, wenn sie bei euch auf dem Rasen stehen und die Vorgärten leer fressen.

Nicole Schmidt (rosenheim24)

Wozu??? Ponys sind kein Karussell!!! Das sollte man den Kindern auch von Anfang an beibringen ... Wer unbedingt reiten will, soll doch bitte zum Ponyhof fahren! Es gibt genügend Ponyhöfe hier in der Umgebung. Schlimm, dass dieses Thema seit Jahren diskutiert werden muss! Wo ist dein Mitgefühl, Rosenheim?

Kathrin Köstler (rosenheim24)

Tierquälerei, die armen Ponys! Dass so was in der heutigen Zeit noch sein muss? Das ist eine Schande für Rosenheim. Lasst doch die Befürworter stundenlang bei der Hitze mit Kindern auf den Schultern im Kreis marschieren. Aber es sind ja nur Tiere … Verstehe auch die Pony-Besitzer nicht. Aber scheinbar ist Geld wichtiger.

Tradition oder Tierquälerei: Wie seht Ihr das?

Der Wirtschaftsreferent und Wiesnchef des Oktoberfestes Clemens Baumgärtner (CSU), der das Ponyreiten gern erhalten wollte, sagte bei der Abstimmung, das Ponykarussell sei eine Attraktion, bei der ein direkter Kontakt zu Tieren ermöglicht werde. Tierschützer dagegen lehnen das Ganze rundheraus als Tierquälerei ab. Laut einer repräsentativen Umfrage von 2015 würden rund zwei Drittel der Deutschen den Einsatz der Tiere für diese Karussells als nicht tiergerecht empfinden. Nur 13 Prozent glauben, die Ansprüche der Pferde würden ausreichend erfüllt, so Peta.

Wie seht Ihr das? Sollte das Ponykarussell erhalten bleiben, aus Tradition und zur Freude vieler Kinder oder ist es einfach nicht mehr zeitgemäß, Ponys und Pferde auf der Wiesn zum Reiten anzubieten? 

Schreibt uns Eure Meinung per E-Mail an leserbriefe@ovb24.de (Kennwort: „Ponykarussell“ im Betreff). Bitte sendet uns neben Euren Texten auch Euren Namen und Euren Wohnort – und am besten auch ein Foto von Euch. Die Redaktion veröffentlicht Eure Leserbriefe samt Namen und Wohnort anschließend in einem entsprechenden Artikel.

Anm. der Red.: Die Redaktion behält sich vor, Zuschriften entsprechend zu kürzen oder die Veröffentlichung gegebenenfalls ohne Angabe von Gründen zu verweigern.

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