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Lesermeinungen

Ponykarussell auf dem Rosenheimer Herbstfest: Liebe Tradition oder doch Tierquälerei?

Das Ponykarussell auf dem Rosenheimer Herbstfest
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Das Ponykarussell hat auf dem Rosenheimer Herbstfest eine lange Tradition. Tierschützer kämpfen für die Abschaffung des Karussells

Seit Jahrzehnten steht es auf dem Rosenheimer Herbstfest neben dem Riesenrad am Eingang Kaiserstraße: das Ponykarussell. Auch heuer wird es dort wieder zu finden sein. Obwohl das Ponyreiten seit Längerem in der Kritik steht, will man in Rosenheim auch weiterhin an dem Angebot festhalten – zum Unverständnis von Tierschützern. Kurz vor dem Wiesn-Start mehrt sich die Kritik an dieser Art der Unterhaltung.

Für viele Kinder ist das Ponyreiten bestimmt einer der Höhepunkte eines Wiesnbesuchs. Doch die Kritik an dieser Art der Volksfest-Unterhaltung wird immer lauter. Am 27. August, dem Eröffnungstag der Wiesn, findet sogar eine Ponykarussell-Demonstration statt. Sie beginnt um 13 Uhr mit einer Kundgebung auf dem Max-Josefs-Platz. Anschließend ist ein Protestmarsch zum Herbstfest geplant. Und um 15 Uhr findet dann direkt vor den Wiesn-Toren eine Abschlussbekundung statt.

„Wir wollen ein Herbstfest ohne Tierleid“, sagte Andreas Kulot gegenüber dem OVB. Er ist Ortsgruppensprecher der Tierschutzorganisation „Animals United“, die sich schon seit mehr als sieben Jahren für ein Verbot des Ponykarussells auf dem Herbstfest einsetzt.

Bereits im Januar dieses Jahres hat die Rosenheimer Stadträtin Ricarda Krüger (damals noch „Die Partei“ mittlerweile SPD) einen Antrag auf Verbot des Ponykarussells gefordert. „Ich finde, dass das Ponykarussell nicht das richtige Bild ist, das wir Kindern im Umgang mit Tieren vermitteln sollten“, sagte Krüger Anfang des Jahres im Ausschuss. Die Grünen unterstützten den Antrag.

Gebracht hat der Vorstoß nichts. Das Ansinnen, dass sich die Stadt Rosenheim dafür einsetzt, dem Wirtschaftlichen Verband als Veranstalter des Herbstfestes ein Verbot vorzuschlagen, wurde abgelehnt.

Die Stadt verwies in der Sitzung im Januar auf den Wirtschaftlichen Verband, der wiederum am Ponyreiten auf dem Herbstfest festhalten will, da die Betreiber des Angebots versichern, alle tierrechtlichen Auflagen zu erfüllen. Unter anderem werde darauf geachtet, dass die Ponys viele Pausen bekommen, und zwischen ihren Auftritten werden sie auf einer Koppel beherbergt.

Auf der jüngsten Pressekonferenz des Wirtschaftlichen Verbands rund um das Herbstfest gab es dazu eine eindeutige Botschaft. „Es gibt Regeln und Gesetze, innerhalb derer wir uns bewegen“, sagte Geschäftsführer Klaus Hertreiter. Deshalb halte er es nach wie vor für vertretbar, beim Herbstfest das Ponykarussell zuzulassen.

Stadt München verbietet Ponyreiten ab 2024

Auf dem Oktoberfest und bei anderen Volksfesten auf städtischen Flächen Münchens wird es ab 2024 kein Ponyreiten mehr geben. SPD und Grüne haben dieses Verbot erwirkt, CSU, FDP, Bayernpartei und ÖDP/Freie Wähler hatten dafür plädiert, das Ponyreiten weiter zu gestatten, auch weil das städtische Veterinäramt die Tiere engmaschig kontrolliere und nicht zuletzt, weil es für die Schausteller einem Berufsverbot gleich komme. Viele Betreiber sehen sich dann gezwungen, sich von den Tieren zu trennen.

Tierschützer begrüßten den Beschluss. „Die Entscheidung, Ponykarussells in München in die Geschichtsbücher zu verbannen, hat große Symbolkraft. Auf dem Oktoberfest, dem größten Volksfest der Welt, darf man Ponys ab 2024 nicht mehr wie Maschinen stundenlang im Kreis laufen lassen“, sagte Peter Höffken, Fachreferent bei der Organisation PETA. „Die Städte, die diese vermeintliche „Attraktion“ noch erlauben, werden nun hoffentlich ebenfalls umdenken.“

Peta bezeichnet das Ponyreiten auf Volksfesten als Tierquälerei für den Profit. Das stundenlange im Kreis laufen sei gegen die Natur und schade der Wirbelsäule der Pferde, Kinder würden die Tiere oft versehentlich durch Unwissenheit traktieren. Als Flucht- und Lauftiere seinen Ponys und Pferde zudem durch den Lärm und Rummel gestresst.

Kurz vor Beginn des Rosenheimer Herbstfests wird die Kritik am Ponyreiten auf der Wiesn wieder lauter. Auf Facebook mehren sich die kritischen Stimmen - ein Auszug:

Karoline K.:

Ich bin dafür, dass das gestern verboten wird. Es sind wirklich arme Tiere. Vier Stunden sind vier Stunden zuviel. Nicht nur, dass sie ständig im Kreis laufen müssen, sondern sie werden auch noch von den Kindern gequält, sie werden getreten, gezwickt, es wird ihnen in die Ohren geschrien und dergleichen mehr.

Stefan K.:

Das Problem ist traurigerweise, dass es Leute gibt, die dies bezahlen und somit unterstützen. Würden keiner mehr für die Tierquälerei bezahlen, dann würde der Stand auch abgeschafft! Mir tun jedes mal die Tiere so richtig leid und bekomme einen Hass auf alle.

Silvia F.:

(...) ... die sollen endlich dieses Pony-Reiten abschaffen. Ständig laufen die wahrscheinlich wieder bei Hitze im Kreis.

Aber es gibt auch andere Stimmen - die, die nichts Verwerfliches an dieser Wiesn-Tradition finden können:

Wolfgang F.

Die Ponys sehen gesund aus und gut genährt. Die Ausrüstung, Sattel, Gebiss - sogar mit Gummi-Scheiben - und keine Zügel, wo der:die Reiter reißen / sich festhalten können. Keinerlei Gewalteinwirkung möglich. Sie gehen überwiegend im Schritt herum. Keine schmerzhafte Belastung der Beine. Und wenn alle paar Runden die Richtung gewechselt wird, ist es kein Problem für Ponys. Danach werden sie ausgewechselt. Ich sehe auch keine traurigen Augen bei denen. Und wenn es dem Pony zu blöd wird, dann buckelt es und der Reiter liegt am Boden.

Heinz S.

Was machen die Schausteller dann mit ihnen? Hmm verkaufen, Pferdemetzger usw. Dann ist das Geschrei groß! Welcher Private würde für ihre Unterkunft usw. zahlen? Lieber um bessere Bedingungen kümmern, denkt mal nach.

Tradition oder Tierquälerei: Wie seht Ihr das?

Der Wirtschaftsreferent und Wiesnchef des Oktoberfestes Clemens Baumgärtner (CSU), der das Ponyreiten gern erhalten wollte, sagte bei der Abstimmung, das Ponykarussell sei eine Attraktion, bei der ein direkter Kontakt zu Tieren ermöglicht werde. Tierschützer dagegen lehnen das Ganze rundheraus als Tierquälerei ab. Laut einer repräsentativen Umfrage von 2015 würden rund zwei Drittel der Deutschen den Einsatz der Tiere für diese Karussells als nicht tiergerecht empfinden. Nur 13 Prozent glauben, die Ansprüche der Pferde würden ausreichend erfüllt, so Peta.

Wie seht Ihr das? Sollte das Ponykarussell erhalten bleiben, aus Tradition und zur Freude vieler Kinder oder ist es einfach nicht mehr zeitgemäß, Ponys und Pferde auf der Wiesn zum Reiten anzubieten? Schreibt uns Eure Meinung per E-Mail an leserbriefe@ovb24.de (Kennwort: „Ponykarussell“ im Betreff). Bitte sendet uns neben Euren Texten auch Euren Namen und Euren Wohnort – und am besten auch ein Foto von Euch. Die Redaktion veröffentlicht Eure Leserbriefe samt Namen und Wohnort anschließend in einem entsprechenden Artikel

Anm. der Red.: Die Redaktion behält sich vor, Zuschriften entsprechend zu kürzen oder die Veröffentlichung gegebenenfalls ohne Angabe von Gründen zu verweigern.

si/as

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