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Ältestes Gaudi-Spiel auf dem Rosenheimer Herbstfest

Mit Spaß und Humor geht‘s zur Sache: Wieso „Nageln“ eine Kunst für sich ist

Nagelei Manuel Neigert Herbstfest Rosenheim
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Nageln sieht leichter aus als es ist: Jakob Krug aus Breitbrunn ist nicht der einzige, der das an der Hütte von Manuel Neigert einsehen muss.

Nägel mit dem Hammer in einen Baumstamm schlagen - was in der Theorie einfach klingt ist in der Praxis gar nicht so leicht. Am Stand von Manuel Neigert beißen sich viele „Nagler“ die Zähne aus. rosenheim24.de hat sich das auf der Loretowiese genauer angeschaut:

Rosenheim - Reges Treiben herrscht an der „kleinsten Hütte mit den größten Preisen“. Kinder, Erwachsene, Jugendliche, fesche Madeln in Tracht und aufmüpfige halbstarke Burschen in Lederhosen - sie alle versuchen ihr Glück an dem Gaudi-Spiel.

Drei Schläge bekommen die Männer, fünf die Frauen

Jakob Krug lässt sich nicht lumpen und holt schon eifrig aus mit dem Hammer. Der Schlag selbst war ganz passabel, allerdings hat er den Nagel nicht getroffen. Der steht nach wie vor wie eine Eins und wartet geduldig darauf, anständig versenkt zu werden. Ehrgeizig folgt der zweite Versuch, und noch einer. Nach dem dritten ist Schluss, der Nagel steht noch immer.

„Ich hatte gute Schläge“, konstatiert der junge Breitbrunner im Anschluss. „Nur leider gingen genau die, in denen Kraft drin war, daneben.“ Von Manuel bekommt er immerhin eine Trillerpfeife als Trostpflaster. „Eine Pfeife für die Pfeife“, geht dem 60-Jährigen noch frech über die Lippen und Jakob macht sich lachend auf zum Losen gegenüber am Glückshafen. „Vielleicht habe ich hier ja mehr Glück.“

Mit Herzblut betreibt er die „Lustige Nagelei“: Manuel Neigert ist zum zweiten Mal auf dem Rosenheimer Herbstfest vertreten.

Viele Preise locken in der „Lustigen Nagelei“, von Playstation über Handys bis zu den Klassikern Plüschtiere und Spielsachen für die kleinen Festbesucher. Manuel agiert als Werbeträger, die Preise zum Erspielen bekommt er von unterschiedlichen Firmen.

Heuer ist er zum zweiten Mal auf dem Herbstfest. Ihm gefällt es in Rosenheim: „Die Atmosphäre ist super, die Leute gut drauf - ich bin glücklich, dass ich wieder hier sein darf und es wieder weiter geht mit den Festen.“

Denn nach zwei Jahren Durstrecke sind Manuels Ersparnisse aufgebraucht, er fing wieder bei Null an. Doch das macht dem quirligen Niederbayer nichts aus. Die Nagelei betreibt der Schausteller mit Leidenschaft. „Anders funktioniert das nicht. Du musst das leben und lieben, was du tust. Ich mache gerne eine Gaudi mit den Leuten und beim Nageln geht‘s mit viel Spaß und Humor zur Sache.“

„Das ehrlichste Spiel, das es gibt“

Aufgewachsen in Pfarrkirchen war Manuel schon von Kindesbeinen an im Schaustellertreiben involviert, die Eltern hatten Schiffschaukel und Kettenkarussel. Eines Tages stolperte er über das ältestes Spiel, das es auf einem Fest gibt. So entdeckte er die Nagelei für sich. Das war vor 45 Jahren. Nun ist er weltweit der Einzige, der dieses Spiel noch auf Volksfesten anbietet.

„Früher, da war das Nageln auf Balken Gang und Gebe - im 18. Jahrhundert wurden ganze Rangkämpfe ausgetragen. Die Stämme sind aus Fichten- Tannen- oder Birkenholz - andere Holzarten sind zu hart. Erst viel später entdeckten die Leute auf Festen Dosenwerfen oder Schießen“, erläutert der 60-Jährige und es ist ihm direkt anzusehen, wie stolz er ist, dieses alte Traditionsgeschäft in der Gegenwart weiterführen zu können.

„Es ist das ehrlichste Spiel, das es gibt: Die Kunst ist es, den Nagel einmal richtig zu treffen - und schon ist er weg. Es ist wirklich nur eine Treffsache“, verspricht Manuel und widmet sich den nächsten Besuchern. Eine Gruppe Kinder hat sich neugierig um die Baumstämme versammelt und schaut den Schausteller mit großen Augen an.

Für die Nagelei lassen sich schon die jüngsten Herbstfest-Besucher begeistern. Für die Gewinne können sie ihre ernagelten Punkte sammeln.

Die kleinen Nagler bekommen kürzere Nägel als die Erwachsenen und haben eine unbegrenzte Zahl an Schlägen. „Sie dürfen so lange schlagen, bis der Nagel im Stamm ist - schließlich sollen sie ja was gewinnen“, erklärt Manuel augenzwinkernd. Eine Goldmedaille gibt‘s für die Kleinsten freilich obendrauf.

Nachhaltig werden die Punkte, die die Kinder zusammengenagelt haben auf aus Schreinerhand gravierte Holzherzchen gesammelt. Je mehr Punkte sie in 16 Tagen Wiesn zusammenbekommen, umso höher fällt der Gewinn am Ende aus.

Manuel betreibt die Nagelei mit Herzblut

Inzwischen hat sich eine ganze Traube an Menschen um Manuels Hütte gebildet. Mehrere Burschen aus dem Chiemgau, alle in rot-weiß-karierten Trachtenhemden, versuchen sich euphorisch am Stamm. Sie feiern auf dem Herbstfest Junggesellenabschied.

Alex Walter aus Marquartstein und Martin Plank aus Grassau verpassen die drei Versuche trotz viel Engagement und zumindest einem Hauch an Fingerspitzengefühl knapp. Die Nägel spitzen noch heraus oder haben sich nur verbogen. Ein mitleidiger Blick von Manuel - und die Jungs ziehen verdrossen weiter.

Nageln auf dem Junggesellenabschied? Kein Problem für Alex Walter aus Marquartstein (rechts) und seinen Spezl Martin Plank aus Grassau.

So kommt einer nach dem anderen, der seine Treffkraft unter Beweis stellen möchte. „Am späten Abend, da weiß ich, was ich den ganzen Tag getan habe“, schließt Manuel seine Ausführungen. Doch das nehme er gerne in Kauf. „Die Nagelei, die betreibe ich wirklich mit Herzblut“, sagt er noch, ehe er sich den nächsten Besuchern annimmt.

mb

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