Hilfe für ein Leben ohne Gewalt

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Gewalt gegen Frauen: Das Frauenbüro bietet nun Nachbetreuung für Frauen, die nach ihrem Aufenthalt im Frauenhaus Unterstützung brauchen sowie im Vorfeld Hilfe für misshandelte Frauen, die einen Auszug ins Frauenhaus planen.

Rosenheim - Ein Frauenhaus stellt einen Schutzraum dar, in dem Betroffene, die sich aus einer gewalttätigen Beziehung lösen, zur Ruhe kommen.

Doch auch nach dem Verlassen der Einrichtung sind Beratung und Begleitung von Nöten. Im Rosenheimer Frauenbüro des Sozialdienstes katholischer Frauen (SkF) finden Betroffene jetzt eine Anlaufstelle, die weiterhilft, damit der Weg in ein neues, selbstständiges Leben ohne Gewalt gelingt.

Die Büroräume im Zentrum von Rosenheim sind hell und freundlich. Die Frauen, die sich hier Hilfe holen, sollen sich wohl fühlen. Das Leben, in das sie starten, ist ein komplett neues und erfordert viel Kraft.

Wer allein oder mit Kindern eine Beziehung verlässt, die von psychischer und körperlicher Gewalt geprägt war, muss seinen Alltag komplett auf den Kopf stellen und neu ordnen - angefangen von der Umleitung der Post an die neue Adresse bis zur Klärung der Frage, wie die frühere gemeinsame Wohnung samt Möbeln aufgeteilt wird, von der Regelung des Umgangsrechtes mit den Kindern bis zur Suche nach einer neuen Arbeit. "Es gibt sehr viel zu erledigen", erklärt Frauenhausleiterin Brigitte Steiner.

Behördengänge können schon Menschen in gefestigten Lebenssituationen überfordern. Frauen, die Gewalt erfahren haben, sich nach zum Teil jahrelanger, oft mit Isolierung einhergehender Misshandlung zur Trennung entschließen, sehen sich erst Recht einem Berg von bürokratischen Hindernissen gegenüber. Beim Aufenthalt im Frauenhaus werden die ersten Hürden genommen, doch nach dem Verlassen der Einrichtung stellen sich neue Fragen. Es gibt Krisen, in denen ein tröstendes Wort von Nöten ist, Probleme, die erneut Hilfestellung erfordern, weiß der Sozialdienst katholischer Frauen.

Das Frauenhaus ist aufgrund des begrenzten Raumangebotes für acht Frauen und bis zu 16 Kindern für die Nachbetreuung nicht optimal. Das Frauenbüro, dessen Anmietung durch eine große Firmenspende und großzügig vergebenes Bußgeld des Amtsgerichtes ohne zusätzliche finanzielle Belastung der Kommunen möglich wurde, füllt jetzt diese Lücke. Die Adresse ist ebenfalls nicht öffentlich bekannt, Kontaktaufnahme ist über Telefon 38 14 78 möglich. Wer hier anruft, kann einen Termin im Frauenbüro ausmachen.

Dieses Angebot gilt laut Steiner auch im Vorfeld für alle jene Frauen, die sich mit dem Gedanken tragen, Schutz vor Gewalt im Frauenhaus zu suchen. Das tun jährlich etwa 45 Betroffene plus Kinder. Nicht immer, so die Erfahrung des SkF, packen misshandelte Frauen Hals über Kopf in Situationen, in denen die Gewalt daheim eskaliert, die Sachen. Es gebe auch Frauen, die ihren Auszug ins Frauenhaus vorbereiten und planen. Fragen rund um den Aufenthalt könnten sie nun im Vorfeld im Frauenbüro besprechen. Früher fanden diese Klärungsgespräche vor der Aufnahme in der Regel an einem neutralen Ort wie einem Café statt - um zu verhindern, dass misstrauische Ehemänner den Frauen zum Frauenhaus folgten.

Dem vom SkF betriebenen Frauenhaus fehlten bisher nicht nur Beratungsräume für die Vor- und Nachbetreuung. Das neue Frauenbüro gibt erstmals die Chance, sich mit Kooperationspartnern in eigenen Räumlichkeiten zu treffen, gemeinsame Projekte zu planen und vorzubereiten, kurzum: der Netzarbeit gegen häusliche Gewalt ein eigenes Zuhause zu geben. Inhaltlich ist diese Vernetzung aller beteiligten Stellen - von den Wohlfahrtseinrichtungen bis zu den Jugendämtern, vom Frauenhaus bis Mädchen- und Frauennotruf, von Polizei bis Justiz über einen runden Tisch zur häuslichen Gewalt.

"Das Hilfssystem ist gut", meint Brigitte Steiner, die auch feststellt, dass die Sensibilität gegenüber Gewalt in Familien in den vergangenen Jahren zugenommen hat - auch als Folge mehrerer Morde in der Region, bei denen Frauen Opfer von gewalttätigen Männern wurden. Die Hemmschwelle betroffener Frauen, sich Hilfe zu holen, sei gesunken. Sogar die Anrufe aus dem Umfeld von Frauen nähmen zu. Auch Menschen aus dem Umfeld, die nicht direkt betroffen sind, sich jedoch vom Schicksal anderer betroffen fühlen, können sich im neuen Frauenbüro über Möglichkeiten, aktiv zu werden, beraten lassen.

Aus dem Archiv:

duc/Oberbayerisches Volksblatt

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