„Seit Monaten kämpfen auch wir mit allen Corona-Richtlinien“

Hilferuf von Rosenheimer Kitas - Gesundheitsamt reagiert

Astrid Fürleger (Leitung der Kita Christkönig in Rosenheim), Magdalena Kicinski (stellv. Leitung Christkönig) und Franziska Konopka (Leitung der Kita St. Michael in Rosenheim) möchten auf Missstände in Kitas aufmerksam machen
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v.l.: Astrid Fürleger (Leitung der Kita Christkönig in Rosenheim), Magdalena Kicinski (stellv. Leitung Christkönig) und Franziska Konopka (Leitung der Kita St. Michael in Rosenheim) möchten auf Missstände in Kitas aufmerksam machen

Rosenheim - Die Stadt ächzt unter den strengen Corona-Maßnahmen, die im Freistaat seit Montag gelten. Auch Kinderbetreuungseinrichtungen hat es hart getroffen. Zwei Rosenheimer Kitas haben sich mit einem Hilferuf an unsere Redaktion gewandt.

„Seit Monaten kämpfen auch wir mit allen Corona-Richtlinien und Maßnahmen. Neben Pflegekräften, Verkäufern der Lebensmittelbranche, Polizisten, Ärzten usw. versuchen auch wir, das System so gut es geht zu stützen. Doch mittlerweile gestaltet sich gerade das Aufrechterhalten des Kita-Alltags besonders schwer.“ Mit diesen Worten wendeten sich Astrid Fürleger (Leitung der Kita Christkönig in Rosenheim), Magdalena Kicinski (stellv. Leitung Christkönig) und Franziska Konopka (Leitung der Kita St. Michael in Rosenheim) an rosenheim24.de. Sie möchten auf die Situation in Kitas im Hinblick auf den Corona-Rahmenplan aufmerksam machen.

Rosenheimer Kitas haben mit Personalmangel und Corona zu kämpfen

„Da wir Kinder von ein bis 10 Jahren im Verbund betreuen, lassen sich Sicherheitsabstände nur schwer einhalten“, erklärt Kicinski den Arbeitsalltag. „Krippenkinder müssen gewickelt und bei allen Aufgaben wie Essen einnehmen, klettern und toben im Garten, schlafen usw. unterstützt und begleitet werden.

Auch Kindergartenkinder benötigen oftmals eine intensive Betreuung, indem sie beim Toilettengang, Konfliktsituationen, vorschulischen Aktivitäten usw. unterstützt werden müssen. Unsere Hortkinder wurden auch wenn die Schule ausfällt, zu verschiedensten Zeiten betreut – das Homescooling wurde häufig über uns abgedeckt. Auch bei den täglich anfallenden Hausaufgaben benötigen sie kontinuierliche Hilfe, die nicht im Abstand von 1,5 Metern erfolgen kann.“ Wie die Betreuung der Schulkinder gewährleistet wird, wenn die Schulen jetzt nur tageweise die Kinder unterrichten, sei noch unklar.

„Kitas werden außer Acht gelassen“

Die Kita-Leiterinnen fühlen sich trotz größtmöglicher Unterstützung durch den Träger allein gelassen. „In aller Munde sind die Nöte der Schullehrkräfte. In jedem Schreiben vom Gesundheitsamt und Berichten der (über-)regionalen Medien, werden Schulen genannt und ihre Bedingungen hervorgehoben. Natürlich ist auch der Schulsektor ein wichtiger Bestandteil des systemrelevanten Bereichs, doch die Kitas werden hierbei außer Acht gelassen“, berichtet Kicinski.

Auch mit andauerndem Personalmangel, gerade im Raum Rosenheim, haben die Kitas seit langer Zeit enorm zu kämpfen. „Der Beruf des Kita Pädagogen (Erzieher, Kinderpfleger) ist mittlerweile mit zu hohem Stresspotential verbunden. Dies hat zur Folge, dass wir gerade in einer Krisenzeit wie Corona, Öffnungszeiten bereits teilweise kürzen müssen, um Betreuungsangebote überhaupt zu stemmen.“ Die Pädagoginnen und ihre Kollegen arbeiten am Limit. „Wir möchten nicht besonders laut oder mitleiderregend Jammern, sondern auf die Missstände aufmerksam machen“, so Kicinski und ihre Kollegen.

Gesundheitsamt Rosenheim bezieht Stellung

Wir haben das Rosenheimer Gesundheitsamt mit den Aussagen der Kita-Leiterinnen konfrontiert und umgehend Antwort erhalten: „Dem Staatlichen Gesundheitsamt Rosenheim ist die besondere Situation der Erzieherinnen und Erzieher sowie der betreuten Kinder und deren Eltern sehr wohl bewusst. Keinesfalls werden die Belange des Infektionsschutzes in Einrichtungen der Kindertagesbetreuung vernachlässigt“, so Pressesprecherin Ina Krug gegenüber rosenheim24.de. „Das Gesundheitsamt beobachtet und analysiert die infektionsepidemiologische Lage in Stadt und Landkreis Rosenheim täglich sehr genau. Durch die Anordnung der Stufe 2 des Rahmenhygieneplans für Kindertagesstätten konnte bislang erreicht werden, dass nur vergleichsweise wenige Fälle von COVID-19 in Kitas aufgetreten sind.“

Aufgrund der weiteren Ausbreitung des Infektionsgeschehens wurde jeweils in enger Abstimmung mit dem Gesundheitsamt durch die Stadt Rosenheim mit Allgemeinverfügung vom 30. Oktober 2020 ab sofort die Stufe 3 und durch das Landratsamt mit Wirkung vom 9. November 2020 angeordnet. Somit werde laut Krug das Schutzniveau in den Einrichtungen nochmals erhöht. „Das Gesundheitsamt steht bei Auftreten von Fällen positiver Tests bei Kindern oder Personal in engem Austausch mit den Einrichtungsleitungen, um zielgerichtet und schnell die erforderlichen Infektionsschutzmaßnahmen anordnen zu können und eine Weiterverbreitung zu verhindern“, sagt Krug.

Das sind die Regelungen für Kindergärten und Kinderbetreuungseinrichtungen

Laut Verordnung des Freistaates Bayern gelten ab sofort für Kindertagesbetreuungseinrichtungen und Kindergärten insbesondere folgende Regelungen der Stufe 3 des Rahmenhygieneplans:

  • Das Personal muss eine Mund-Nasen-Bedeckung tragen.
  • Soweit Einrichtungen offene oder teiloffene Konzepte umsetzen, müssen feste Gruppen gebildet werden. Zur besseren Nachverfolgbarkeit von Infektionsketten darf es zu keiner Durchmischung von Gruppen kommen.
  • Vorkurse Deutsch finden nur in Kitas ohne Gruppendurchmischung statt.
  • Das Betreuungspersonal ist in den Gruppen fest zuzuordnen.

jb

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