Hitzige Diskussion mit Anliegern

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Der 80-jährige Peter Pertl (rechts) bewohnt mit seiner Frau als Letzter ein Reihenhaus im Tulpenweg (hinten). Jetzt muss er seine Wohnung räumen. Gunther Well (links) wohnt gegenüber im Asternweg.

Rosenheim - Der Streit um das geplante Mehrgenerationenhaus im Tulpenweg nimmt kein Ende. Bei einer Informationsveranstaltung im Rathaus kam es zu hitzigen Diskussionen.

Da die Bewohner des Viertels um den Tulpenweg den Neubau-Plänen der städtischen Wohnbaugesellschaft ablehnend gegenüberstehen, hatten GRWS und Bauverwaltung zu einer Informationsveranstaltung ins Rathaus eingeladen.

Die Stimmung war aufgeheizt: Zwei Fronten prallten aufeinander, so kam es dem Beobachter vor.

Um die Argumente aus der Bauausschusssitzung vom 15. April nochmals aufzugreifen und ihr Vorhaben erneut vorzustellen, hatten Bauordnungsamt und GRWS die Anwohner eingeladen.

Michael Kettenstock, Leiter des Bauordnungsamtes, stellte die veränderten Pläne für das Mehrgenerationenhaus vor. Statt eines dreistöckigen Hauses mit Flachdach sollen nun zwei zweistöckige Gebäude mit Walmdächern gebaut werden, davor ein pavillionartiger Gemeinschaftsbereich mit Flachdach. Die Pläne fügten sich laut Kettenstock besser ins Viertel ein.

Schnell entstand aus der Informationsveranstaltung eine hitzige Diskussion, in der die teilweise verärgerten Anwohner ihre Bedenken äußerten. "Das Viertel wurde systematisch entsiedelt", meldete sich die Tochter von Peter Pertl zu Wort. Der 80-Jährige ist der letzte Bewohner eines Reihenhauses im Tulpenweg. Seit fast 50 Jahren wohnt er dort mit seiner Ehefrau Josefine; jetzt erhielt er die Kündigung seines Mietverhältnisses.

"Die GRWS will ein Mehrgenerationenhaus bauen, um einen sozialen Wohnraum zu schaffen. Dass dafür aber ehemaligen Mieter vertrieben worden sind und wir im Viertel eigentlich schon eine soziale Struktur mit mehreren Generationen haben, wird außer Acht gelassen", war eine andere Stimme aus den Reihen der Anlieger zu vernehmen.

Für Empörung sorgte bei den Anliegern, dass die Wohnungen im geplanten Mehrgenerationenhaus anscheinend schon fast vollständig vermietet seien. Edda Gorzel, Seniorenbeauftragte des Landkreises Rosenheim, erklärte den Sinn des neuen Wohnhauses und, dass sie zusammen mit ihrer Tochter einziehen werde. Konkrete Verträge gebe es allerdings noch nicht.

Viele Leute hätten sich für die Häuser im Tulpenweg interessiert und seien bereit, sie zu kaufen. Dieser Aspekt kam in der Diskussion immer wieder auf. "Die Häuser dürfen nicht unter Wert verkauft werden", warf Kettenstock ein. Der Aufforderung, einen Verkaufspreis in den Raum zu stellen, kamen die GRWS-Vertreter nicht nach.

Große Sorgen bereitet den Leuten aus dem Viertel die geplante Tiefgarage. Diese könne unterirdische Grundwasserströme verdrängen, die dann unter die Häuser der Anwohner fließen könnten. Durch ein entsprechendes Gutachten werde nachgerechnet, ob eine Gefahr von der Tiefgarage ausginge, so Kettenstock: "Durch Rohrsysteme wird beim Bau der Ist-Zustand wiederhergestellt, so dass die Tiefgarage nicht zu einem Aufstau führt."

Baudezernent Helmut Cybulska erklärte, Oberbürgermeisterin Gabriele Bauer unverzüglich über den Verlauf des Abends zu berichten. "Wir werden das Stimmungsbild an sie weitergeben; zu einem Ergebnis können wir jetzt noch nicht kommen."

amu/Oberbayerisches Volksblatt

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