Pandemiebekämpfung

Jetzt impfen auch die Hausärzte in und um Rosenheim, doch Privatmediziner sind außen vor

Impfstart in Bayerns Hausarztpraxen: Der Rosenheimer Mediziner Dr.Fritz Ihler injiziert seiner Patientin Ingeborg Betsche die erste Dosis des Vakzins von AstraZeneca.
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Impfstart in Bayerns Hausarztpraxen: Der Rosenheimer Mediziner Dr.Fritz Ihler injiziert seiner Patientin Ingeborg Betsche die erste Dosis des Vakzins von AstraZeneca.

Am Mittwoch (31. März) fiel in Bayern der von Medizinern langersehnte Startschuss für die Corona-Impfungen in Hausarztpraxen. Ärzte ohne Kassenzulassung impfen nicht. Obwohl diese ebenso bereit wären, die Wirkstoffe zu verabreichen.

Rosenheim – Der Piks sitzt. Um kurz nach 9 Uhr drückt der Rosenheimer Arzt Dr. Fritz Ihler auf den Stempel der Spritze und verabreicht der Rosenheimerin Ingeborg Betsche ihre erste Dosis des Impfstoffs von AstraZeneca. „Ich bin froh, dass ich geimpft bin“, sagt die 78-Jährige. Vor allem hofft sie, mit der Injektion schneller wieder die Möglichkeit zu bekommen, ihren Mann zu besuchen. Der liegt derzeit im Krankenhaus.

Auch der Zufall spielt eine Rolle

Schon am Mittag des gleichen Tages hat Ihler alle seine 20 Dosen verimpft. Rund 30 Minuten braucht er für eine Impfung, inklusive Aufklärung, Dokumentation und Nachkontrolle. 15 Minuten müssen die Geimpften im Anschluss in der Praxis verweilen, um zu sehen, wie ihr Körper auf das Präparat reagiert.

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Bayerns Hausärzte erhielten bisweilen bereits am Montag jeweils zwei Ampullen vom Impfstoff des britisch-schwedischen Herstellers AstraZeneca. Mit diesen 20 Dosen sollen die Ärzte ihre besonders durch das Corona-Virus gefährdeten Patienten impfen. 33.600 Dosen bringt die Kassenärztliche Vereinigung (KV) bayernweit unter die Mediziner.

Auswahl durch Kassenärztliche Vereinigung

Die Auswahl der Praxen lag ebenso in der Hand der KV, beauftragt durch das Bayerische Gesundheitsministerium. Kriterien hierfür: Einwohnerzahl, die Impfbereitschaft der Ärzte und eine ausreichende Anzahl an Patienten über 70 Jahren im letzten Quartal des vergangenen Jahres. „Da die Rückmeldungen so extrem hoch waren, spielte letztlich auch das Zufallsprinzip eine Rolle“, sagt der Sprecher der Kassenärztlichen Vereinigung Bayern, Axel Heise.

Ich habe mich durchtelefoniert und jedem Verantwortlichen gesagt: Bitte denkt an uns!

Dr. Reiner Keller aus Bad Aibling über seine Bemühungen, auch als Privatarzt Impfdosen bestellen zu können.

Ab kommender Woche Belieferung durch Apotheken

Die Impfdosen für diesen Auftakt erhielten die Ärzte direkt über die Kassenärztliche Vereinigung. Für die Kampagne ab Mittwoch, 7. April, sollen die Apotheken die Ärzte mit Wirkstoff versorgen, die Bestellungen erfolgen jedoch ebenso über die KV.

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Das führt dazu, dass Mediziner ohne Kassenzulassung derzeit nicht in die Impfungen miteinbezogen sind. Das zumindest berichtet der Allgemeinmediziner Dr. Reiner Keller aus Bad Aibling. Er sagt, er bemühe sich seit vergangener Woche darum, bei der angelaufenen Impfaktion ebenfalls berücksichtigt zu werden. „Ich habe mich durchtelefoniert und jedem Verantwortlichen gesagt: Bitte denkt an uns!“, berichtet er.

Auch Risikobewusste wollen die Spritze

Denn er und seine privatärztlichen Kollegen stünden nicht unter dem gleichen zeitlichen Druck wie die Ärzte mit Kassenzulassung. Und: „Die allermeisten meiner Patienten wollen geimpft werden. Sie sind zwar kritisch und sich des Risikos bewusst, möchten aber lieber den Schutz haben als die Folgen einer Covid-Erkrankung.“

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Doch ihm seien derzeit die Hände gebunden. Da die komplette Abwicklung über die KV laufe, kann er keinen Impfstoff bestellen. Wann sich dies ändert, bleibt vorerst offen. Der Kassenärztlichen Vereinigung Bayern sind zumindest keine Pläne bekannt, auch Privatärzte in die Impfkampagne miteinzubeziehen.

Nur 18 Impfdosen für kommende Woche

Auch unter den Kassenärzten macht sich Verzweiflung breit. So schildert der Rosenheimer Hausarzt Dr. Günter Wittekindt, dass ihm für den Start der kommenden Kampagne gerade mal 18 Dosen des Wirkstoffs von Biontech/Pfizer zugesichert worden seien. Er muss einigen seiner Patienten nun die schlechte Botschaft überbringen und bereits vergebene Termine wieder absagen. Für ihn besonders ärgerlich: Seine Kandidaten für das Vakzin hätten ihren Termin im Rosenheimer Impfzentrum bereits abgesagt - im Glauben, von Wittekindt geimpft werden zu können. Dieses Vorgehen wiederum hätten die Ärzte ihren Patienten nahelegen sollen – auf Empfehlung der Kassenärztlichen Vereinigung. Für den Mediziner ist klar: So zündet der von Politikern oft beschworene Impfturbo schon mal nicht.

Impfzentren in der Region passen ihre Strategie an

Nachdem es erneut zu Thrombosefällen im zeitlichen Zusammenhang mit einer Impfung des Vakzins von AstraZeneca gekommen war, hatten mehre Bundesländer und Regionen die Impfungen mit dem Wirkstoff ausgesetzt. Inzwischen hat die Ständige Impfkommission des Bundes die Impfung mit AstraZeneca nur noch für Personen ab 60 Jahren empfohlen. Auch jüngere könnten das Mittel verabreicht bekommen, dann jedoch auf eigenes Risiko. Dieser Emfpehlung folgt auch das gemeinsame Impfzentrum von Stadt und Landkreis Rosenheim. Hier erhalten inzwischen nur noch Personen, die älter sind als 60 Jahre, den Wirkstoff des britisch-schwedischen Herstellers. Auch das Impfzentrum für den Landkreis Traunstein folgt den neuen Leitlinien und hat alle Termine für Personen unter 60 Jahren abgesagt, wie der Kreis mitteilt. Gleiches gilt für den Landkreis Mühldorf. Dort sollen die Termine zeitnah mit anderen Präparaten nachgeholt werden, wie das dortige Gesundheitsamt schildert.

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