70 Jahre Rechnerwunder Computer

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Konrad Zuse vor dem ersten "Computer" uns seiner Erfindung dem Z 1. Das Z steht für seinen Nachnamen.

Rosenheim - Groß wie ein Schrank und langsamer als ein Taschenrechner. Der erste Computer feiert morgen seinen 70. Geburtstag. Passend dazu eröffnet die Fachhochschule Rosenheim ein Museum.

Kaum einer kennt Konrad Zuse, dabei hat seine Erfindung unser Leben maßgeblich verändert. Vor genau 70 Jahren, am 12. Mai 1941, hat der deutsche Erfinder und Ingenieur die Ära des Computers eingeleitet. Er stellte eine Maschine vor, groß wie eine Schrankwand und etwa so schwer wie ein Kleinwagen - die Zuse Z3. Sie gilt als erster Computer der Welt.

"Wo heute überall Computer zu finden sind?", fragt Professor Roland Feindor und lacht. "Fragen Sie mich lieber, wo noch keine sind." In Waschmaschinen stecken sie, genauso wie in Nähmaschinen, Fotoapparaten oder Handys, erklärt der Informatikprofessor der Hochschule Rosenheim. Der Computer hat es bis in jeden Haushalt geschafft, bis in fast jede Hosentasche. "Alleine in einem Auto stecken knapp 30 Rechner", so Feindor.

Und auch wenn der Rechner seinen Benutzer manchmal in den Wahnsinn treibt, an ein Leben ohne ihn ist heute nicht mehr zu denken. Dabei konnten sich selbst Visionäre den Siegeszug nicht vorstellen: Zwei Jahre nach Zuses Erfindung soll IBM-Chef Thomas J. Watson gesagt haben: "Ich glaube, es gibt einen weltweiten Bedarf an vielleicht fünf Computern."

Trotz seiner Größe und seines enormen Gewichts von knapp einer Tonne konnte der Urcomputer, die Zuse Z3, nur die vier Grundrechenarten und Wurzel ziehen. Zudem merkte sie sich bis zu 64 Wörter. Was machte den Koloss also so einzigartig? "Einfach gesagt: Man konnte ihm Neues beibringen, indem man nur das Programm änderte", erklärt Professor Doktor Feindor. Zudem arbeitete die Z3 erstmals nur mit Nullen und Einsen, genau wie die heutigen Geräte. "Die Menschen dachten früher, sie werden dadurch in ihrer Kreativität eingeschränkt", sagt Feindor. Eine Sorge, die sich nicht bestätigt hat. "Jedes Musikstück, jedes Video, jede Farbe und jedes Bild kann man heute als Folge von Nullen und Einsen darstellen."

Seit 25 Jahren gibt es an der Fachhochschule einen Studiengang für Informatik, in diesem Jahr feiert die Fakultät ihr Jubiläum. Sie besitzt sogar ein eigenes kleines Computermuseum. Hier können sich Interessierte einen großen Teil der Computergeschichte ansehen und alte Rechner erleben. "Unser ältestes Stück ist immerhin fast 35 Jahre alt", erklärt der Professor stolz.

Die Erfindung von Konrad Zuse vor 70 Jahren war ein Durchbruch, auch wenn heute ein einfacher Taschenrechner wesentlich mehr und schneller rechnet. Der Bordcomputer des Apollo-Raumschiffs beim ersten bemannten Flug zum Mond hatte übrigens etwa vier Kilobyte Arbeitsspeicher, ein Wert, mit dem sich heute nicht mal mehr Handys zufrieden geben.

rfe/Oberbayerisches Volksblatt

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