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Vom 26. bis 30. Juli

Jugendliche der Stadtteilkirche Rosenheim-Inn führen Theaterstück „Der Richter“ auf

Bei der Aufführung: Pilatus (Julian Tran am Tisch) und der Staatsanwalt bei der Verhandlung, im Hintergrund steht der „Mob“.
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Bei der Aufführung: Pilatus (Julian Tran am Tisch) und der Staatsanwalt bei der Verhandlung, im Hintergrund steht der „Mob“.

Einer „angestaubten Geschichte“ neues Leben einzuhauchen – das haben sich Jugendliche der Stadtteilkirche Rosenheim-Inn mit einem Theaterstück zur Aufgabe gemacht. Das Stück „Der Richter“ behandelt die Verurteilung von Jesu durch Pilatus. Eine Geschichte, die an Aktualität nichts eingebüßt hat.

Rosenheim – Der Richter hat seinen Hammer in der Hand, er ist bereit das Urteil zu sprechen. Der Staatsanwalt lächelt siegessicher, die Zeugen haben seine Argumentation unterstützt. Dann ein Ruf aus dem Publikum: „Danke, sehr gut! Das machen wir gleich nochmal.“ Nein, es ist kein Gerichtssaal, Richter und Staatsanwalt sind keine Juristen. Es sind Jugendliche in der Pfarrkirche St. Hedwig in Rosenheim und gerufen hat Regisseur Simon Schroeder, der die Theaterprobe leitet. Am kommenden Montag führen sie das Stück „Der Richter“ auf, das eine Bibelgeschichte neu interpretiert.

Der Kampf mit den sozialen Medien

„Geschichten aus der Bibel geben immer etwas her“, sagt Schroeder. Das Stück behandelt die Verurteilung Jesu durch den Richter Pontius Pilatus. Allerdings spielt es nicht vor 2000 Jahren, sondern im Hier und Jetzt. Pilatus trägt Anzug und Krawatte, kämpft mit den sozialen Medien und streitet sich mit einem überheblichen Staatsanwalt. Angeklagt ist ein junger Mann, der immer wieder auf Demonstrationen spricht und damit den Hass eines rechten Mobs auf sich gezogen hat.

Das setzt eine Eigendynamik in Gang, die Pilatus und seine Familie unter Druck setzt. „Gerade Theater eignet sich besonders gut, den etwas angestaubten Geschichten aus der Bibel neues Leben einzuhauchen. Die Menschen können es dann live miterleben“, sagt Schroeder.

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Es ist bereits die zweite Bibelgeschichte, die Schroeder zusammen mit Jugendlichen der Stadteilkirche Rosenheim-Inn als modernes Theaterstück interpretiert. Beim ersten Mal vor zwei Jahren ging es um Joseph, den Mann Marias. Seitdem haben die Jugendlichen unter dem Dach Stadtteilkirche die Gruppe „Genesius Theater Rosenheim“ gegründet.

„Der Richter“ haben sie gemeinsam mit Schroeder und Gemeindereferent Yunes Baccouche geschrieben, auch Kostüme und Technik übernehmen sie selbst. Ursprünglich war die Uraufführung für die Zeit vor Ostern geplant, doch Corona machte das unmöglich – und die Proben fanden online statt.

Eine schwierige Situation für die Schauspieler

Für die Schauspieler eine schwierige Situation. „Die Interaktion hat mir schon gefehlt“, sagt Julian Tran, der die Hauptrolle des Pontius Pilatus spielt. „Ich merke es auch jetzt noch, dass es mir schwerfällt mich vom Platz zu bewegen, obwohl wir ja wieder miteinander spielen.“ Dazu kommt, dass er als 17-jähriger Schüler einen ernsten und schon etwas älteren Richter zu spielen hat. „Das ist schwierig, ich bin eigentlich eher ein Quatschkopf. Aber ich freue mich über die Herausforderung.“

Ähnlich geht es Jakob Stengel, der mit dem Staatsanwalt den Antagonisten spielt. „Meine Rolle hat schon fast eine Art Gott-Komplex, in diesen Modus komme ich nicht immer sofort. Aber es ist auch cool, mal so so einen arroganten Charakter zu spielen.“

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Für Regisseur Simon Schroeder ist es etwas besonderes, ein Projekt mit Jugendlichen zu leiten. Der 26-jährige hat zuletzt selbst am Shakespeare-Institut in Großbritannien gespielt. „Natürlich ist es anders, mit Jugendlichen zu arbeiten. Manche hatten anfangs zum Beispiel noch nicht so das Selbstbewusstsein, das muss sich erst finden. Aber es ist schön, die Jugendlichen wachsen zu sehen.“ Die größte Herausforderung sei gewesen, den Probenprozess, der sich wegen Corona verlängert hatte, immer interessant zu halten.

Auch wenn das Stück nicht zur biblischen Zeit spielt, sollen die zentralen Fragen aus der Bibel im Mittelpunkt stehen: Ist es gerecht, einen unschuldigen Mann zu verurteilen, weil die Menschen auf der Straße es fordern? Wie weit darf Pilatus gehen, um sich selbst vor dem Mob zu schützen? Und: Wie weit reicht die Vergebung? Es geht um den Einfluss, den individuelle Menschen und die Gesellschaft wechselseitig aufeinander haben. Die biblische Antwort darauf soll auch ein jüngeres Publikum erreichen.

Umgang mit Schuldgefühlen

„Ein Theaterstück kann die Botschaft natürlich attraktiver verpacken und spricht die Menschen auf einer emotionaleren Ebene an als die Predigt im Gottesdienst“, sagt Baccouche. „Und so können wir vielleicht auch Jugendliche erreichen.“ Auch Jakob Stengel findet, dass das Stück trotz der ernsten Thematik das Richtige für junge Menschen ist: „Die Fragen im Stück muss jeder für sich beantworten. Und ich glaube, ein paar junge Gedanken tun der Kirche ganz gut.“

Ähnlicher Meinung ist Julian Tran: „Als Jugendlicher habe ich ja auch Probleme mit Schuldgefühlen, oft wird das aber überspielt. Das Stück kann vielleicht dabei helfen, mit diesen Gefühlen umzugehen.“

Infos zu den Aufführungen

Die Aufführungen von „Der Richter“ finden von Montag, 26. Juli, bis Freitag, 30. Juli um jeweils 20 Uhr in der Pfarrkirche St. Hedwig statt. Die Plätze sind aufgrund der Corona-Üandemie begrenzt. Zuschauer sollen sich entweder telefonisch im Pfarrbüro St. Nikolaus unter 08031/21050 oder online unter theater.walamana.de anmelden.

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