Diskussion: Kameras gegen Schläger?

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Rosenheim - Videokameras für bestimmte Punkte in der Innenstadt fordert die CSU-Fraktion. Was halten Sie von dem Vorschlag? Diskutieren Sie mit!

Ein Eingreifen der Polizei, aber auch eine abschreckende Wirkung versprechen sich die CSU-Stadträte davon. Mit ihrem Antrag nehmen sie Bezug auf Regensburg, wo die Polizei bestimmte Plätze seit knapp zehn Jahren per Video überwacht.

Gewalttätige Übergriffe auf Passanten, vor allem im Bereich des Busbahnhofs, sind der Auslöser für den Antrag der CSU.

In Regensburg erfassen aktuell vier Kameras das Geschehen an drei Plätzen, unter anderem am Bahnhofsvorplatz. Die Anzahl der Straftaten an diesen Plätzen ist allerdings gegenüber früher nicht zurückgegangen, sondern trotz Videüberwachung sondern sogar leicht angestiegen, von 130 auf 147 Straftaten im Jahr.

Körperverletzung mit Todesfolge aufgeklärt

Thomas Plössl, Pressesprecher des Polizeipräsidiums Oberpfalz, warnt allerdings vor falschen Vorstellungen über die Wirkungsweise der Kameras. Keinesfalls behalten die Beamten die Bildschirme ständig im Blick, um sofort mit Blaulicht auszurücken, wenn sich an einem der überwachten Orte Ungewöhnliches tut. Beamte der Regensburger Polizei beobachten die Schirme, allerdings nicht ständig, sondern im Rahmen der sonstigen dienstlichen Tätigkeiten. "Mehr ist personell nicht zu leisten", sagt Plössl.

Er räumt ein, dass die Polizei bisher nicht allzu häufig aufgrund der Videoübertragung eingreifen konnte. Etliche Erfolge waren allerdings bei der nachträglichen Auswertung zu erzielen. Der spektulärste Fall war eine Körperverletzung mit Todesfolge. Eine Videokamera hatte aufgezeichnet, wie ein älterer Mann verprügelt worden war, der später seinen Verletzungen erlag. Aufgrund der Videobilder konnten die Täter ausfindig gemacht werden.

"In Regensburg sehen wir die Videoüberwachung als sinnvolle Einrichtung an", fasst Plössl zusammen. Allerdings seien dort keine Kosten für die Installation der Kameras entstanden.

Werden Videokameras montiert, muss sich dies im Rahmen der entsprechenden Gesetze bewegen. So dürfen beispielsweise nur Bereiche überwacht werden, die als Kriminalitätsschwerpunkte gelten. Dabei ist deutlich auf die Videoüberwachung hinzuweisen.

Ingmar Töppel vom Stadtbusunternehmen Kroiss wäre froh, wenn die Polizei die Möglichkeit hätte, das nächtliche Geschehen an der zentralen Bushaltestelle in der Stollstraße via Kamera zu verfolgen. Die Vandalismusschäden dort seien enorm. In den Bussen selbst hält er Kameras nicht für notwendig. "Da leben wir glücklicherweise noch auf einer Insel der Seligen", sagt Töppel. Kameras würden vermuten lassen, Busfahren sei gefährlich. "Das ist glücklicherweise in Rosenheim nicht der Fall", versichert der Kroiss-Geschäftsführer.

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