Keine Selbstbeherrschung

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Rosenheim - Nötigung, Beleidigung, Sachbeschädigung, Betrug und vorsätzliche Körperverletzung - deshalb stand ein offensichtlich unbeherrschter 59-jähriger Kraftfahrer jetzt vor dem Schöffengericht.

Im Juni 2007 wollte er die Abweisung einer Frau aus der Chiemseestraße nicht hinnehmen. Also beschimpfte, beleidigte und schlug er sie. Wenige Tage später brüllte er vor ihrer Türe herum und drohte, dass er ihr das Auto kurz und klein schlagen werde. So weit ging er nicht, aber ein paar kräftige Lackkratzer mussten es schon sein.

Der nächste Vorwurf resultierte ebenfalls aus seiner Unbeherrschtheit: Als er mit seinem Lkw an einer Engstelle in Stephanskirchen nicht sofort an einem geparkten Pkw vorbei gelassen wurde, würgte er kurzerhand den Fahrer des Hindernisses, stieß einen zweiten, der dazwischen gehen wollte, gegen dessen Wagen mit dem Effekt, dass auch dieses Fahrzeug beschädigt wurde. Schlussendlich hatte er noch einen Autoversicherer betrogen, in dem er 29-mal Kurzzeitversicherungen für seinen Pkw in verschiedenen Landkreisen abschloss, ohne jemals auch nur einen Cent an die Versicherung zu bezahlen.Erschwerend kam hinzu, dass seine Vorstrafenliste bereits 17 Eintragungen aufwies, allerdings lag die letzte Verurteilung inzwischen knapp zehn Jahre zurück.

Braungebrannt, ein Kerl wie ein Baum, stand er vor Gericht. Seine Anmerkungen, er sei schwer herzkrank und zu 40 Prozent behindert, weckten Zweifel. Er beziehe deshalb Hartz IV, weil er nur für leichte Arbeiten in Frage käme. Er wollte im Großen und Ganzen geständig sein, nur die Sachbeschädigung am Auto der Frau, die ihn verschmäht hatte, die wollte er nicht gelten lassen. Pikant dabei war, dass deswegen längst eine Zivilklage gegen ihn rechtskräftig war, was er gar nicht gemerkt hatte; inzwischen war ein Versäumnisurteil ergangen.

Der Vorsitzende Richter Heinrich Loeber erklärte dem Angeklagten: "Wenn sie sich eine Bewährungsstrafe erhoffen, sollten sie aber deutlicher Einsicht und Reue beweisen als nur mit einem späten Geständnis." Er schlug dem gebürtigen Norddeutschen vor, seine Zustimmung zu einem gerichtlichen "Annäherungsverbot" gegenüber der betroffene Frau auszusprechen. Das würde zeigen, dass es dem Angeklagten Ernst ist, eine Wiederholung zu vermeiden.

Das jedoch nagte schwer an seinem Selbstbewusstsein. "Wenn ich in einem Lokal sitze, und sie kommt herein?" "Dann," so der Richter, "müssen sie aufstehen und gehen. Denn Sie sind ja der Verursacher des Annäherungsverbotes." Der Mann kaute schwer an diesem Brocken, erteilte aber letztlich doch seine Zustimmung.

Der Staatsanwalt nannte in seinem Antrag 18 Monate Gefängnis eine angemessene Ahndung für dieses Sammelsurium an Vergehen. Darüber hinaus erwartete er dass das Gericht - so es eine Bewährung ausspräche - neben dem Annäherungsverbot auch eine angemessene Auflage an gemeinnütziger Arbeit erteilt.

Rechtsanwalt Werner Schneller zeigte sich zufrieden damit, dass auch der Staatsanwalt für seinen Mandanten eine Bewährungsstrafe als angemessen erachtete, und schloss sich den übrigen Anträgen an. Das Gericht entsprach diesen und wies den 59-Jährigen darüber hinaus an, 100 Stunden gemeinnützige Arbeit zu erbringen.

au/Oberbayerisches Volksblatt

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