Keine Strafe für Schläger

Rosenheim - Erst zwei Jahre, nachdem er sich an einer Prügelei beteiligt hatte, fand der Prozess gegen einen heute 21-Jährigen statt. Dies war sein Glück.

Er hat sich in der Zwischenzeit positiv entwickelt und kam deshalb ohne Strafe davon. Zunächst war nur bekannt, dass neben dem Haupttäter eine weitere Person bei einer Schlägerei vor der damaligen Diskothek "Tollhaus" in der Stollstraße zugeschlagen hatte. Erst im Zuge der Verhandlung gegen den anderen Schläger wurde die Identität des Zweiten klar. Er hatte damals zusammen mit seinem Kumpel einen 19-Jähren so mit Fäusten und Fußtritten traktiert, dass dieser mit Brüchen, Prellungen und Quetschungen in das Klinikum eingeliefert werden musste. Zwar hatte das Tatopfer, selbst stark betrunken, die Täter verbal provoziert, was aber keinesfalls die brutalen Misshandlungen rechtfertigte.

Dreifach vorbestraft - einmal einschlägig

Wegen der langen Zeitdauer und weil er damals, auch nach den Aussagen der anderen Beteiligten und Zeugen, erheblich betrunken war, konnte er sich an die Ereignisse kaum noch erinnern. Aber er räumte ein, wohl an der Schlägerei beteiligt gewesen zu sein. Da dieses Geständnis zu erwarten gewesen war, verzichtete das Gericht darauf, einen Pflichtverteidiger zu bestellen. "Das hätte für Sie nur die Gerichtskosten erheblich in die Höhe getrieben", erläuterte der Vorsitzende des Jugendschöffengerichtes, Herbert Schäfert. Nach den Zeugenaussagen stand fest, dass der damals 19-Jährige, zusammen mit dem bereits verurteilten Haupttäter, auf das Tatopfer eingeschlagen und getreten hatte.

Die Staatsanwältin verwies in ihrem Schlussvortrag darauf, dass der Angeklagte bereits dreifach vorbestraft ist, einmal auch einschlägig. Andererseits liege der Vorfall fast zwei Jahre zurück, und der Angeklagte sei seither in keiner Weise mehr auffällig geworden. Sie plädierte dafür nach dem Jugendgerichtgesetz die Schuld des Angeklagten festzustellen, eine mögliche Bestrafung aber zur Bewährung auszusetzen.

Die Vertreterin der Jugendgerichtshilfe erklärte ebenfalls, dass der junge Mann offenkundig mit dieser Phase seines Lebens abgeschlossen habe. Er arbeite kontinuierlich und fleißig als Monteur und Möbelpacker, sei im Beruf akzeptiert und biete die berechtigte Hoffnung auf eine positive soziale Entwicklung.

Der Richter hielt dem Angeklagten vor Augen, welch großes Glück er gehabt habe: "Hätten wir Sie vor einem Jahr abgeurteilt, wären Sie mit allergrößter Wahrscheinlichkeit zu einer Jugendstrafe verurteilt worden." Nun aber sei ihm der große Zeitabstand zwischen Prügelei und Verhandlung zugute zu halten. In der Zwischenzeit habe er Gelegenheit gehabt, eine Verhaltensänderung zu beweisen. Diese Gelegenheit habe er genutzt. Dies freue das Gericht, das deshalb auch keine Strafe aussprach. "Sofern Sie auch weiterhin ein straffreies Leben führen, wird dieses Urteil völlig gelöscht. und Sie gelten als nicht vorbestraft", gab der Richter dem jungen Mann mit auf den Weg.

au/Oberbayerisches Volksblatt

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