Mühsame Beweisaufnahme erspart

Gericht: Azubi hatte Kinderpornos auf dem PC

Rosenheim - Die Polizei fand auf dem Computer eines 24-jährigen Azubis mehrere Videodateien mit kinderpornografischem Inhalt. Jetzt fiel das Urteil im Prozess.

Der 24-jährige Auszubildende, der sich jetzt am Amtsgericht in Rosenheim zu verantworten hatte, staunte nach eigener Aussage nicht schlecht, als bei ihm die Polizei Einlass begehrte und seinen PC mitnahm. Sechs Videodateien mit kinderpornografischem Inhalt - zwei komplette und vier als Vorschaudatei - fanden sich darauf, was dem jungen Mann die Anklage einbrachte. Für ihn besonders unangenehm, weil er im Prostitutions-Milieu bereits einmal strafrechtlich aufgefallen war.


Allerdings wohnte der 24-Jährige im Tatzeitraum in einer Rosenheimer Wohngemeinschaft mit sechs anderen Bewohnern zusammen. Sein Computer, so erklärte der junge Mann, sei damals jedermann, und besonders allen Mitbewohnern zugänglich gewesen.

Der Staatsanwalt hielt dies für eine Schutzbehauptung, das Gegenteil war jedoch nur schwer zu beweisen. Andererseits wäre es dem Angeklagten schwergefallen, zu belegen, dass er zum Zeitpunkt des Herunterladens der inkriminierten Dateien nicht in der Wohnung gewesen sei. Zum Dritten wäre die Untersuchung dieser Dateien auf den Zeitpunkt und Initiator hochkompliziert und kostspielig geworden, so dass man sich schließlich in einem Rechtsgespräch auf ein Geständnis mit moderater Strafe einigte.


Der Staatsanwalt erklärte, angesichts der untypisch geringen Anzahl an strafbaren Dateien und der unsicheren Beweislage sei eine Freiheitsstrafe von zehn Monaten, die man getrost zur Bewährung aussetzen könne, angemessen. Verteidiger, Rechtsanwalt Dr. Markus Frank, stimmte diesem Antrag zu und entsprechend entschied auch das Gericht. "Mein neuer Computer ist mit zweierlei Passwörtern geschützt. Da kommt jetzt kein Schmutzfink mehr heran", erklärte der Verurteilte abschließend.

au/Oberbayerisches Volksblatt

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