Pralinen mit Transparenz

Rosenheim - Kleine Geschenke erhalten die Freundschaft, große können Ärger bereiten, wenn damit bestimmte Absichten verbunden sind.

Im Rosenheimer Rathaus sind für Aufmerksamkeiten gegenüber Beschäftigten enge Grenzen gesteckt. Niemand soll auf die Idee kommen, mithilfe großzügiger Präsente Vorteile erkaufen zu können.

"Wir sorgen für größte Transparenz, aber was die Sache selbst angeht, muss man auch zulassen, dass jemand im Rahmen des gesellschaftlich Üblichen ein kleines Geschenk macht", sagt Oberbürgermeisterin Gabriele Bauer. Wenn ihr "Vorzimmer" eine Schachtel Pralinen geschenkt bekommt, sei das eine nette Geste: "Jeder freut sich darüber, und das darf auch sein."

Hat sie schon einmal bei Freunden Urlaub gemacht? "Ja natürlich, und dazu stehe ich", betont Bauer. Silvester habe sie beispielsweise bei Freunden auf deren Anwesen auf Mallorca verbracht. Dabei haben sie und ihr Lebensgefährte Sebastian Bauer dort selbst ein Haus in der Nähe: "Aber sollen wir dort alleine feiern?" Das Schöne sei doch, gemeinsam zu kochen und zu essen. Sie zahle nicht für die Übernachtung, das sei ja unter Freunden nicht üblich. Aber sie trage zur Verpflegung bei und bezahle selbstverständlich ihre Flüge selbst. Auf die Frage, ob ihr Modefirmen kostengünstig oder gar kostenlos Modelle anbieten, meint sie lachend: "Dafür bin ich nicht wichtig genug."

2009 hat Bauer für die Beschäftigten im Rathaus vorherige Anweisungen zur Verhütung von Korruption weiter präzisiert. Das Ganze ist eine Gratwanderung. Auf der einen Seite soll alles vermieden werden, was nach Vorteilsnahme riecht, auf der anderen will man die Gesetze der Höflichkeit nicht verletzen. Auch Wirtschaftsdezernent Thomas Bugl betont dabei zwei Dinge: absolute Transparenz und einen Warenwert, der als "geringfügig" anzusehen ist. Der Wert von Pralinen, Kugelschreibern, Kosmetika, einer Flasche Wein oder Sekt darf 25 Euro nicht überschreiten. Und damit alles seine Ordnung hat, führt jedes Dezernat Listen, in die diese Geschenke einzutragen sind. Für Bugl ist es eine Selbstverständlichkeit, dass solche Aufmerksamkeiten nicht Einzelnen zukommen, sondern alle etwas davon haben. So laufe es auch in den anderen Abteilungen.

Verboten ist die Annahme von Bargeld oder bargeldähnlichen Leistungen, etwa Gutscheinen. Doch keine Regel ohne Ausnahme: Obwohl es sich bei Bier- und Hendlmarken für das Herbstfest um "geldwerte Leistungen" handelt, darf die Währung für die fünfte Rosenheimer Jahreszeit angenomen werden, "eine Marke pro Zuwender". Die Annahme eines größeren Schwungs der begehrten Marken ist vom zuständigen Dezernenten zu genehmigen. Nach Bugls Worten sollte ein solches Bündel die Zahl von "10 bis 15" aber nicht überschreiten. Damit sich niemand falsch behandelt fühlt, handhabt er die Verteilung der Markerl in seinem Dezernat in Form einer Lotterie. "Gerechter geht es nicht", meint er.

Eine weitere Ausnahme gilt bei der Müllabfuhr. Bauhofleiter Werner Öckler sieht die Trinkgelder zum neuen Jahr nicht gerne - die Müllmänner haben da naturgemäß eine andere Ansicht. Immerhin sei es gelungen, den Alkoholkonsum im Baubetriebshof zu unterbinden, zeigt sich Öckler zufrieden. Die Müllmänner dürfen weder beim Leeren der Tonnen Bier oder Schnaps annehmen noch in der Mittagspause alkoholische Getränke konsumieren. Oberbürgermeisterin Gabriele Bauer verteidigt den Brauch, sich zum Jahreswechsel bei den Müllmännern mit ein paar Euro zu bedanken: "Das sind Leute, die man regelmäßig sieht, wie den Postboten oder den Zeitungsträger. Müllmänner leisten gute Dienste und verdienen nicht gerade viel."

Mit Sachgeschenken verfährt der Baubetriebshof auf eine ganz besondere Weise. Sie werden das ganze Jahr über gesammelt. Am Jahresende kommt alles in eine Tombola bei der Betriebsfeier. Die Mitarbeiter kaufen Lose, wer Glück hat, gewinnt. Den Erlös spenden sie seit Jahren der OVB-Weihnachtsspendenaktion. In diesem Jahr waren es sto1ze 1250 Euro.

re/Oberbayerisches Volksblatt

Rubriklistenbild: © dpa

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