Kommt die Parkhaus-App?

OVB
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Recht unterschiedlich werden Parkhäuser und Stellplätze in der Innenstadt genutzt.

Rosenheim - Rund 1000 Parkplätze wurden in Rosenheim geschaffen, vor allem in Parkhäusern. Doch die sind nicht ausgelastet. Jetzt überlegt die Stadt, wie sie Autofahrer ins Parkhaus bekommt.

"Zuerst kommt man nicht nach Rosenheim rein und dann kann man nirgendwo parken!" Die Zeiten, in denen diese Klage eines Landkreisbürgermeisters zutraf, sind längst vorbei. Zwischen 1999 und 2009 wurden rund um die Innenstadt 1000 neue Parkplätze geschaffen, vor allem in Parkhäusern. Im Gegenzug fielen 100 Stellplätze am Straßenrand weg. Doch die Klagen reißen nicht ab - obwohl die Parkhäuser längst nicht ausgelastet sind. Die Stadt überlegt nun, wie sie die Autofahrer ins Parkhaus bekommt.

Der Rosenheimer fährt nicht ins Parkhaus, sondern kurvt lieber durch die Stadt in der Hoffnung, doch noch irgendwo umsonst sein Auto abstellen zu können. Dieser Eindruck drängte sich zumindest beim Gespräch der städtischen Wirtschaftsförderung mit Vertretern der Rosenheimer Wirtschaftsverbände auf. Die Klagen über zu wenig Parkplätze wollen nicht verstummen, obwohl Verkehrsplaner Jürgen Stintzing eindrucksvolle Zahlen vorstellen konnte. Heute gibt es in der Innenstadt 900 Parkplätze mehr als noch 1999 und mehr Parkkapazitäten auf den Straßen dank der automatengestützten Bewirtschaftung des Parkraums. Darüber hinaus zeigt ein Verkehrsleitsystem Autofahrern die Zahl der freien Plätze in den Parkhäusern an. Kapazitäten sind genug da: "Selbst in den Stunden mit Spitzenbelastungen sind die Parkhäuser nur zu 75 Prozent ausgelastet", erläuterte Stintzing.

Bemerkenswert ist, dass Parkhäuser und Straßenstellplätze in unmittelbarer Umgebung recht unterschiedlich genutzt werden: Das Parkhaus P2 (Kuko) hat eine Auslastung von über 70 Prozent. Auf gerade mal über 50 Prozent kommt das 150 Meter entfernte Parkhaus P1 (Zentrum) am Hammerweg. Über 50 Prozent Auslastung hat auch das Parkhaus P4 (Mitte) in der Frühlingstraße. Ebenfalls nicht gut angenommen wird das Parkhaus P7 Altstadt-Ost (In den Schmucken).

Solche Unterschiede gibt es bei den Stellplätzen im Straßenraum: Während zum Beispiel die Bismarckstraße über 60 Prozent und die Königstraße über 70 Prozent Auslastung haben, kommt die Innstraße, wenige Gehminuten entfernt, auf gerade mal über 50 Prozent.

Warum die Parkhäuser nicht besser angenommen werden, war auch Oberbürgermeisterin Gabriele Bauer ein Rätsel. Sie vermutet, ein Grund könnte der kostenlose Parkplatz Loretowiese sein: "Eine Analyse wäre interessant, wer die Loretowiese als Parkplatz nutzt." City-Manager Günter Boncelet warnte dagegen davor, die Loretowiese kostenpflichtig zu machen: "Rosenheim ist eine Stadt, in der es viele Arbeitsplätze in der Innenstadt gibt. Doch die Arbeitnehmer müssen sich das Parken auch leisten können."

Er kritisierte dagegen "verwirrende" Umbenennungen. "Kaum hat man gewusst, wo das Parkhaus In der Schmucken ist, heißt es plötzlich Altstadt-Ost", mäkelte Boncelet. Auch erschließe sich ihm nicht, warum es ein "Parkhaus Mitte" und ein "Parkhaus Zentrum" gebe: "Da kennt sich doch niemand mehr aus."

Das sah die Oberbürgermeisterin freilich anders: "Die Rosenheimer wissen eh, wo die Parkhäuser sind. Und der Name 'Altstadt-Ost' gibt auswärtigen Autofahrern einfach eine bessere Orientierung."

In der Stadtverwaltung wird nun überlegt, was man tun kann, um die Akzeptanz der Parkhäuser zu erhöhen. "Als ersten Schritt prüfen wir, ob man die Beschilderung verbessern kann und wo vielleicht eine günstigere Verkehrsführung möglich ist", so Christian Ehinger vom Stadtmarketing. Die Kooperationen mit dem Einzelhandel sollen intensiviert werden. Doch das bereits etablierte Chip-System hat mit Problemen zu kämpfen: Einige Einzelhändler sind ausgestiegen, zum großen Bedauern von Boncelet.

Auch über eine Parkplatz-App wird nachgedacht. Damit könnten sich Autofahrer unterwegs per Smartphone anzeigen lassen, wo es gerade freie Parkplätze gibt. Etwas konventioneller fallen Überlegungen aus, ob Plakate oder Flyer helfen könnten. Die Parkhäuser selbst will man sich ebenfalls anschauen, um sie eventuell attraktiver und benutzerfreundlicher zu machen. Beschlossen ist freilich noch nichts. "Wir schauen, was man machen könnte, wie schnell sich die Vorschläge umsetzen lassen und was sie kosten", so Ehinger.

Klaus Kuhn/Oberbayerisches Volksblatt

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